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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Eine Stadtbahn zum Sonderangebot?
Zwischenüberschrift:
Initiative plant Info-Kampagne – Tram könnte bis 2030 aufgebaut werden – Hohes Förderpotenzial
Artikel:
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Originaltext:
E-Busse schön und gut aber als Rückgrat des öffentlichen Nahverkehrs in Osnabrück eigne sich die Schiene besser, sagt die Stadtbahninitiative (SBI). Eine erste Linie könne bis etwa 2030 zu sehr überschaubaren″ Summen aufgebaut werden wenn jetzt die Weichen dafür gestellt werden.

Osnabrück. In der von Stadt und Stadtwerken angestoßenen Debatte um die mobile Zukunft Osnabrücks fordert die SBI eine intensive öffentliche Auseinandersetzung mit dem Thema Stadtbahn. Ernsthaft und sachlich ohne Scheuklappen, Ideologie und Polemik″, wie Sprecher Thomas Polewsky betont, müsse endlich darüber diskutiert werden, inwiefern ein spurgeführtes Transportmittel zur Lösung der hiesigen Verkehrs- und Umweltprobleme beitragen kann und soll.

Denn als 2013 das Düsseldorfer Gutachterbüro Lindschulte & Kloppe im Auftrag der Planungsgesellschaft Nahverkehr Osnabrück (Planos) eine Machbarkeitsstudie zur Weiterentwicklung und Verbesserung des Osnabrücker ÖPNV erstellte, sei das System Schiene einfach ausgeblendet″ worden. Es war ein schwerer Kunstfehler der damaligen Planos-Führung, eine Stadtbahn nicht genauer prüfen zu lassen″, so Polewsky. Die Politik sei damit schlecht beraten gewesen. Nun dränge die Zeit. Es sind fünf Jahre schlicht verplempert worden.″ Wenn Osnabrück noch vor 2030 eine Stadtbahn aufbauen wolle, müsse es sich angesichts langer Planungs- und Bauphasen früh genug dazu entschließen. Die bevorstehende Elektrifizierung und Beschleunigung der Stadtbuslinien spreche jedenfalls nicht dagegen. Im Gegenteil: Gerade dies könnte laut SBI die ÖPNV-Nachfrage so erhöhen, dass schon bald größere Gefäße″ gebraucht werden.

Die SBI will deshalb in Kürze eine Informationskampagne starten, mit einer Reihe von Vorträgen und einer mehrwöchigen Ausstellung über Die moderne Tram in Europa″. Die Botschaft der Initiative : Nur mit einer angebotsergänzenden, schnellen und komfortablen Stadtbahn wäre Osnabrück in der Lage, den ÖPNV-Anteil am Verkehrsmix von gegenwärtig acht Prozent bis zum Jahr 2050 auf das Fünf- bis Sechsfache zu steigern was allein aus Klimaschutzgründen″ notwendig sei. Ein reines Bussystem hingegen lasse Potenziale ungenutzt.

Aber ist eine neue Stadtbahn für Osnabrück nicht unbezahlbar? Nein, meint Polewsky. Geschenkt gibt es sie zwar nicht, aber anders als Bussysteme werden Stadtbahnen mit bis zu 90 Prozent gefördert von Bund, Land und eventuell auch EU.″ Bei Schätzkosten von zehn Millionen Euro pro Kilometer Doppelgleis müsse die Stadt also im günstigsten Fall eine Million Euro selbst aufbringen. Fahrzeuge würden je nach Bauart (bevorzugt Niederflurbahnen mit normaler Spurweite von 1435 Millimetern) und Länge (maximal 75 Meter) mit zwei bis drei Millionen Euro pro Stück zu Buche schlagen. Für einen Betriebshof müsse man etwa 50 Millionen Euro rechnen.

Grundsätzlich scheine Osnabrück für eine Stadtbahn geeignet. Fast überall, wo bei uns Busse fahren, kann auch eine Stadtbahn fahren″, sagt der SBI-Sprecher. Aber nicht überall sei es sinnvoll. Verkehren solle die Stadtbahn als Rückgrat des ÖPNV″ in Osnabrück dort, wo große Fahrgastmengen rasch zum Ziel transportiert werden wollen.

Hoch frequentiert seien derzeit Verbindungen Richtung Schinkel, Belm, Hellern und Sutthausen, vor allem aber die Achse Hauptbahnhof–Campus Westerberg. Sie wird im Zehn-Minuten-Takt mit Anhänger- und Gelenkbussen bedient. Polewsky: Eine solche Strecke könnte der Einstieg in ein Stadtbahnsystem sein. Mit fünf Kilometer Länge in einer ersten Ausbaustufe sind die Kosten sehr überschaubar.″

Später ließe sich diese erste Stadtbahn-Linie dann bis in den Schinkel und nach Eversburg verlängern, wo sie auf vorhandenen Gleistrassen ins Umland weiterfahren könnte. In Karlsruhe, Saarbrücken oder Chemnitz gebe es bereits eine solche Regiotram.

Lernen könne Osnabrück, das seine Straßenbahn 1960 abgeschafft hat, auch von Bielefeld. Dort wurde die Tram seinerzeit nicht stillgelegt, sondern bis in die Gegenwart zu einer modernen Stadtbahn ausgebaut, die niemand missen möchte″, wie die SBI bei einem Ortstermin Anfang April festgestellt hat. Knapp 60 Millionen Fahrgäste pro Jahr seien heutzutage in Bielefeld mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs, das entspreche 15 Prozent im Verkehrsmix.

Bildtext:
Vorbild? Die Stadtbahn ist in Bielefeld das öffentliche Verkehrsmittel Nummer eins.
Foto:
moBiel/ Huib Rutten

Kommentar
Zug um Zug zur Tram

Elektrifizierte und beschleunigte Busse in Osnabrück sind ein guter Anfang, um Verkehrs- und Umweltproblemen zu begegnen. Aber der Weisheit letzter Schluss ist das nicht unbedingt. Es könnte sich lohnen, einmal offen und ehrlich über den schrittweisen Aufbau einer Regiotram zu reden, wie es die Stadtbahninitiative fordert.

Fakt ist: Ein solches schienengebundenes Transportmittel genießt eine deutlich höhere Akzeptanz bei Fahrgästen als ein Bus. Das zeigt sich überall dort, wo eine Stadtbahn im Einsatz ist. Da beträgt der ÖPNV-Anteil am Verkehrsmix nicht wie in Osnabrück kümmerliche acht Prozent, sondern in der Regel das Doppelte und Dreifache entlang der Schienenkorridore sogar noch mehr.

Ferner gilt eine Bahn als weicher Standortfaktor, das heißt: Sie wirkt sich positiv auf die Ansiedlung von Gewerbe und Industrie aus, lockt damit auch Fachkräfte und ihre Familien an. Eine Stadtbahn, die perspektivisch auch das Umland bedient, würde noch mehr Menschen dazu bringen, auf ihr Auto zu verzichten für Wege zur Arbeit, zum Einkaufen, zur Freizeitgestaltung.

In Osnabrück pendeln laut Stadtbahninitiative täglich mehr als 70 000 Berufstätige ein und aus. Die meisten kommen aus den angrenzenden Gemeinden, wo das Busangebot oft dürftig ist, oder wollen dorthin. Hinzu kommen Zehntausende Schüler und Studenten, ebenfalls potenzielle Stadtbahn-Fahrgäste. Ein hoher Nutzen schiene dem Projekt also sicher.

Und die Kosten? Wären bei optimaler Förderung möglicherweise zu stemmen. Außerdem müssten sie ja nicht zwangsläufig von der Stadt allein geschultert werden. Der Landkreis Osnabrück als weiterer Profiteur könnte sich gut daran beteiligen.
Autor:
Sebastian Stricker


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