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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Der Wallring als Einbahnstraße
Zwischenüberschrift:
Mobilitätsblogger Martin Randelhoff referiert vor FDP
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Das Verkehrsproblem in Osnabrück kommt aus dem Umland. Und es wird sich nur gemeinsam mit dem Umland lösen lassen. So bringt es der Autor und Blogger Martin Randelhoff auf den Punkt. Der Mobilitätsprofi sprach in einer öffentlichen Sitzung der FDP-Fraktion über Verkehrslenkung.

Osnabrück. Veränderungen scheitern meistens nicht an fehlenden Plänen, sondern an deren mangelhafter Umsetzung und fehlendem Willen″, vermerkte der 29-jährige Raumplaner aus Dortmund und präsentierte seinem Publikum im Stadthaus einen Auszug aus dem Nahverkehrsplan Osnabrück von 1997 mit Busspuren an zahlreichen Ausfallstraßen, die 21 Jahre später immer noch nicht Realität geworden sind.

Randelhoff zitierte einen Kollegen mit dem Satz, dass sich die öffentlichen Verkehrsmittel nicht mit dem moralischen Zeigefinger durchsetzen würden, sondern nur dort, wo sie deutlich bequemer und besser sind als ihre Alternativen″. Wenn die Qualität als Maßstab genommen werde, habe nicht nur das derzeitige Bussystem in Osnabrück viel aufzuholen, sondern auch das Radwegenetz.

Als Beispiel für diese These zeigte er ein beklemmendes Video von einer Fahrt auf dem Erich-Maria-Remarque-Ring zur Rushhour. Ein wackerer Fahrradfahrer quetscht sich auf dem schmalen Radstreifen an Lastwagen und Bussen vorbei. Das sei keine Qualität, führte Randelhoff aus, der sich zuvor gemeinsam mit FDP-Mann Thomas Haarmann in der Stadt umgeschaut hatte. Er zeigte sich überrascht, dass der Radverkehrsanteil in Osnabrück trotz solcher Widrigkeiten relativ hoch ist.

Der Mobilitätsblogger favorisiert adaptive Ampelschaltungen, die alle Verkehrsbewegungen erfassen und dynamisch darauf reagieren. Dabei sei es sinnvoll, die verschiedenen Fahrzeugtypen zu gewichten. Ein Bus soll demnach wie 15 Pkw gerechnet werden. Ziel dieser chaotischen Steuerung sei es nicht, den Autoverkehr schneller zu machen, sondern den Verkehr zu verstetigen. Busse, Radler und Fußgänger würden davon profitieren, aber auch für Autos reduziere sich die mittlere Rotzeit.

Eine umweltsensitive Verkehrssteuerung könne zudem helfen, die Zahl der Fahrzeuge in der Innenstadt zu begrenzen. In Zürich etwa sei die Zahl der Autos im inneren Sektor beschränkt. Da zeige die Ampel Dauerrot, bis das nächste Fahrzeug raus ist″. Nach Randelhoffs Ansicht gibt es auch in Osnabrück gute Gründe, den Durchgangsverkehr aus der Innenstadt herauszuhalten. Bei einer Bundesstraße könne das zwar nicht die Stadt entscheiden, aber das Land Niedersachsen lasse sich angesichts der Schadstoffproblematik sicherlich für einen Modellversuch gewinnen, der auch P+ R-Parkplätze und ein dynamisches Parkleitsystem einbeziehe.

Der Einzelhandel habe die Chance, diese Entwicklung zu unterstützen, indem er zum Beispiel die Einkäufe zu den P+ R-Stationen bringe, führte der Dortmunder Blogger aus. Kein Mensch habe etwas davon, wenn er 20 Minuten im Stau vor dem Parkhaus warten müsse. Das intelligente Auto der Zukunft werde seinem Fahrer vorschlagen, dass er auf den öffentlichen Nahverkehr umsteigen solle, um schneller in die Innenstadt zu kommen, prophezeite Randelhoff.

In seinem Vortrag ging er auch auf den von FDP-Fraktionschef Thomas Thiele favorisierten Kreisverkehr für den Wallring ein. Dabei soll der Autoverkehr nur die äußeren Fahrstreifen als Einbahnstraße (linksherum) nutzen dürfen, während die inneren Fahrstreifen den Bussen vorbehalten bleiben, und zwar ebenso links- als auch rechtsherum. Radler dürfen sich nach dem Modell ebenfalls in beiden Richtungen bewegen. Das werde funktionieren, meinte Randelhoff und demonstrierte seine Überlegungen an einem Schaubild für die mit 24 Metern engste Stelle am Goethering in Höhe der Schlagvorderstraße.

Schon um den Neumarkt zu entlasten sei es sinnvoll, Buslinien auf den Wallring zu legen, schlug der Mobilitätsexperte vor. Bei der Umgestaltung des Busnetzes komme es darauf an, mehr Tangentiallinien anzubieten und Umstiege zu verhindern. Im Übrigen verbessere sich die Situation aber schon, wenn immer mehr Busse mit Elektroantrieb unterwegs seien.

Eine zukunftsgerichtete Planung müsse aber möglichst flexibel sein. Aus breiten Straßen könnten multifunktionale Boulevards werden, die zu verschiedenen Tageszeiten unterschiedlich genutzt werden. Und weil es fraglich sei, ob Tiefgaragen in 20 oder 40 Jahren noch gebraucht würden, bietet sich nach Ansicht von Randelhoff das Rotterdamer Modell″ an.

In der niederländischen Stadt würden Hochhäuser gebaut, die später umgenutzt werden könnten. Das Erdgeschoss für Geschäfte, die nächsten zwei Ebenen als Parkhaus und darüber Wohnungen. Bei Bedarf könnten dann anstelle der Parkplätze Büros oder Wohnungen entstehen.

Die Verkehrspolitik in Osnabrück: Lesen Sie mehr im Internet auf www.noz.de

Bildtexte:
Der Wallring als Einbahnstraße für den Autoverkehr: Blogger Martin Randelhoff hat die Engstelle am Goethering unter die Lupe genommen und glaubt, dass das Modell funktioniert.
Martin Randelhoff, der Blogger.
Grafik:
Martin Randelhoff, Lahmann-Lammert
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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