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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Strengere Regeln statt moralischer Appelle
Zwischenüberschrift:
Vortrag von Michael Kopatz in der IHK
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Der Osnabrücker Stadtrat und Mitarbeiter des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie, Michael Kopatz, schlägt einen neuen Ansatz in der Umweltpolitik vor. Nicht Einsicht und verändertes Verhalten der Bürger sollen den Klimaschutz fördern, sondern veränderte Standards . Am Mittwoch spricht er darüber in der Industrie- und Handelskammer.

Herr Kopatz, warum rechnen Sie nicht mehr mit einer Verhaltensänderung der Menschen?

Weil die Erfahrung zeigt, dass die meisten zwar wissen, was in Sachen Klimaschutz eigentlich richtig ist, aber in der Alltagsroutine doch anders handeln. Über 90 Prozent der Leute sagen, dass sie bereit sind, für gutes Fleisch mehr zu bezahlen, aber nicht mal zwei Prozent tun es. Ebenso viele Leute sagen, dass sie Klimaschutz für wichtig halten, und steigen anschließend ins Auto, fahren zum Flughafen und fliegen nach Mallorca. Vielleicht sogar mit schlechtem Gewissen. Aber andererseits sagen sie sich: Was bringt das schon, wenn ich ganz allein verzichte? Und das ist ja auch verständlich.

Was ist Ihre Alternative?

Ich meine, dass wir die Strukturen ändern müssen, die Verhältnisse und dann wandelt sich das Verhalten der Verbraucher.

Was heißt das konkret?

Konkret heißt das, dass wir die gesetzlichen Standards und Limits im Sinne des Klimaschutzes verändern müssen. Zum Beispiel in der Landwirtschaft, wenn es um Düngemengen geht oder ausreichend große Ställe. Oder die Emissionen von Kraftwagen weiter begrenzen. Oder die Straßen so verändern, dass es schneller und bequemer ist, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen als das eigene Auto. Wir alle kleben an unseren Routinen und Gewohnheiten. Die ändern wir auch nicht freiwillig. Nur wenn die Strukturen sich ändern, ändern sich auch die Routinen, und genau darum geht es.

Das heißt, der Gesetzgeber soll es richten. Wird das denn funktionieren?

Es funktioniert schon jetzt. Zum Beispiel haben Legehennen heute doppelt so viel Auslauffläche wie 2003. Nach und nach wurden die Standards angehoben. Da gab es auch keine Proteste. Die Landwirte machen gerne mit, solange sie wissen, dass für die Konkurrenz EU-weit dieselben Bedingungen gelten. Das ist wirtschaftlich natürlich wichtig. Und wenn man solche Veränderungen langsam und über Jahre durchsetzt, überfordert das auch niemanden weder die Produzenten noch die Konsumenten.

Sie sind im Rat der Stadt und engagieren sich dort für Klimaschutz. Was kann man auf lokaler Ebene tun?

Besonders viel Handlungsspielraum haben Kommunen in der Verkehrspolitik. Viele Leute sagen, in der Stadt ist zu viel Verkehr, aber selbst fahren sie auch mit dem Auto möglichst bis vors Geschäft. Wenn aber die Kommunalpolitik entscheidet, die Autospuren auf der Straße schmaler zu machen zugunsten einer Busspur oder breiterer Radwege, und wenn dann der Bus locker rechts am Autostau vorbeizieht, dann steigen Menschen von sich aus auf den Bus um. Diese Diskussion zu führen, das müssen wir uns trauen.

Und die Geschäftsinhaber schimpfen, weil die Kunden im Stau stehen, statt einzukaufen?

Die Geschäftsinhaber schimpfen immer. Aber viele Beispiele zeigen, je lebenswerter und grüner die Innenstädte werden, desto mehr haben die Leute Lust zu kommen, zu flanieren und einzukaufen. Und mit Bus und Bahn kann man viel mehr Leute gleichzeitig in die Stadt transportieren, als wenn jeder mit dem eigenen Auto kommt.

Aber ist das nicht Bevormundung, die Leute quasi zu zwingen, Bus zu fahren, Ökoprodukte zu kaufen und Fahrradurlaub zu machen?

Ach, wissen Sie: Jeder Osnabrücker, der ein Haus baut oder eine Wohnung kauft, muss einen Pkw-Stellplatz mitbezahlen, auch wenn er gar kein Auto hat sprechen wir da von Bevormundung? Es ist Aufgabe von Politik, zu gestalten, zu verändern. Klar, dass es da auch Widerstände gibt, das gehört zum politischen Leben dazu. Schließlich ändert niemand gern seine Gewohnheiten. Und man muss kleine Schritte gehen, immer wieder, dann spielt sich ganz vieles ein. Und dann wird es neue Routinen geben, eben durch Veränderungen im Umfeld.

Am Mittwoch, 25. April stellt Ratsherr Michael Kopatz die Thesen seines Buches Ökoroutine: Damit wir tun, was wir für richtig halten″ und Beispiele aus Osnabrück vor. Um 19 Uhr in der Industrie- und Handelskammer, Neuer Graben 38.

Bildtexte:
Mehr Busse, weniger Autos: Nach Ansicht von Michael Kopatz haben Kommunen beim Klimaschutz besonders in der Verkehrspolitik viel Handlungsspielraum.
Michael Kopatz
Fotos:
Michael Gründel, Bernd Henkel
Autor:
Susanne Haverkamp


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