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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Osnabrücker Klinikkonzern wird verkauft
 
Porterhouse übernimmt Paracelsus-Kliniken
 
Paracelsus-Klinik: Mitarbeiter klagen
Zwischenüberschrift:
Bieterkampf der Milliardäre entschieden – Krankenhauskonzern soll wieder zu führender Marke werden
 
17 Fälle vor dem Arbeitsgericht
Artikel:
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Originaltext:
Der Bieter-Kampf hat ein Ende: Die Schweizer Beteiligungsgesellschaft Porterhouse will die insolventen Paracelsus-Kliniken mit Sitz in Osnabrück übernehmen. Der Gläubigerausschuss stimmte dem Verkauf zu, das teilten beide Unternehmen am Freitag mit. Der Weg wird steinig bleiben, aber mit Porterhouse hat Paracelsus einen zukünftigen Eigentümer, der dem Unternehmen eine Perspektive gibt″, sagte Sachwalter Rainer Eckert.
Foto:
Michael Gründel

Bei den Paracelsus-Kliniken sind die Würfel gefallen. Im Bieterkampf der Milliardäre″ hat die Beteiligungsholding Porterhouse Group AG von Felix Happel mit Sitz in Luzern den Zuschlag für die Übernahme des Krankenhauskonzerns bekommen. Das teilte die Paracelsus-Gruppe am Freitag mit.

Osnabrück. Für die Mitarbeiter ist es eine gute Nachricht, dass Felix Happel, der Sohn des in der Schweiz lebenden Multimilliardärs Otto Happel, das Rennen um die Gunst des Gläubigerausschusses gewonnen hat. Im Gegensatz zu seinem Mitbewerber Bernard große Broermann, dem der Krankenhauskonzern Asklepios gehört, steht Happel im Ruf, an einem langfristigen Investment interessiert zu sein.

Ohne Kredite bezahlt

Die Beteiligungsholding mit Sitz in Luzern beabsichtigt, den privaten Krankenhausbetreiber nach rechtlicher Übernahme wieder zurück auf Erfolgskurs zu bringen″, heißt es in der Pressemitteilung, die am Freitag von den Paracelsus-Kliniken Deutschland veröffentlicht wurde. Im Dezember war das Unternehmen von Eigentümer Manfred Georg Krukemeyer zahlungsunfähig geworden und hatte ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Mit der Übernahme durch Porterhouse sollen die Gläubiger ausgezahlt werden. Bis dahin soll das vierköpfige Sanierungsteam mit dem Generalbevollmächtigten Reinhard Wichels an der Spitze das Unternehmen weiterhin leiten unter Aufsicht des vom Gericht bestellten Sachwalters Rainer Eckert aus Hannover.

Der von Happel eingefädelte Deal steht unter dem Vorbehalt, dass das Bundeskartellamt zustimmt. Über die Kaufsumme wurde Stillschweigen vereinbart. In einem früheren Bericht von Spiegel Online war von einem dreistelligen Millionenbetrag″ die Rede gewesen. Allerdings hatte sich zu dem Zeitpunkt noch nicht das Bieterrennen der Milliardäre abgezeichnet. Die Porterhouse Group AG finanziert die Übernahme komplett aus eigenen Mitteln″, schreibt Paracelsus-Sprecherin Simone Hoffmann.

400 Stellen abgebaut

Der neue Vorstand für die Paracelsus-Kliniken ist schon nominiert. Nach der rechtlichen Übernahme durch Porterhouse soll Michael Philippi den Konzern leiten. Er hatte bis Ende 2016 die Sana-Kliniken geführt. Unter seiner Regie habe die AG innerhalb von acht Jahren ihren Umsatz vervielfacht und sei zu einem der führenden Klinikbetreiber Deutschlands herangewachsen. Als Diplom-Kaufmann und promovierter Wirtschaftswissenschaftler in den verschiedensten Führungspositionen sei er ein ausgewiesener Experte für das deutsche Gesundheitswesen.

Über viele Jahre habe sich der heutige Honorarprofessor an der Apollon Hochschule der Gesundheitswirtschaft als Vizepräsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft und als Vizepräsident des Bundesverbandes Deutscher Privatkliniken einen Namen gemacht. Philippi wird in der Pressemitteilung mit dem Satz zitiert, sein Ziel sei es, Paracelsus wieder zu einer der führenden Marken im deutschen Klinikmarkt zu machen″. Das sei eine Aufgabe, die er im Team mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und den neuen Eigentümern gerne annehme.

Die Paracelsus-Kliniken mit ihren 40 Einrichtungen an insgesamt 22 Standorten gehören zu den zehn größten Krankenhauskonzernen in Deutschland. Nach Auskunft von Unternehmenssprecherin Simone Hoffmann betreuen insgesamt 5200 Mitarbeiter 100 000 stationäre Patienten jährlich. 400 Stellen sollen in den vergangenen Monaten abgebaut worden sein. Ob weitere Entlassungen geplant sind, ließ sich am Freitag nicht endgültig klären. Und auf die Frage, ob Osnabrück weiterhin Verwaltungssitz bleibt, antwortete Simone Hoffmann, derzeit gebe es keine Pläne, das zu ändern.

Die Porterhouse AG hat sich darauf spezialisiert, mittelständische Unternehmen mehrheitlich zu erwerben und langfristig in ihrem Wachstum zu unterstützen″, wie es in der Presseerklärung heißt. Eigentümer Felix Happel habe dabei Unternehmen im Blick, deren Produkte und Dienstleistungen für die Erfüllung menschlicher Grundbedürfnisse direkt oder indirekt eine bedeutende Rolle spielen″.

Bildtexte:
Die Paracelsus-Kliniken mit Sitz in Osnabrück zählen mit rund 40 Einrichtungen an insgesamt 22 Standorten zu den großen privaten Klinikträgern in Deutschland.
Neuer Vorstand der Paracelsus-Kliniken soll Michael Philippi werden. Er hatte bis Ende 2016 die Sana-Kliniken geleitet.
Fotos:
Michael Gründel, Ulrike Fackert

Kommentar
Alles gut?

Porterhouse war im Bieterwettrennen um die Paracelsus-Kliniken der Favorit der Belegschaft, weil Felix Happel im Ruf steht, an einem langfristigen Investment interessiert zu sein. Hoffentlich bestätigt sich dieser Eindruck.

Für die Mitarbeiter aus der Strahlentherapie in Osnabrück, die vor dem Arbeitsgericht ihre Weiterbeschäftigung durchsetzen wollen, ist die Nachricht von der Übernahme kein Grund zum Aufatmen. Sie und viele andere sind Opfer von Fehlentscheidungen geworden, die das Unternehmen an den Rand des Abgrunds gebracht haben.

Die große Mehrheit der Beschäftigten kann sich freuen, dass der Krankenhauskonzern nicht zerschlagen wird. Und auch für die Region Osnabrück ist das eine gute Nachricht. Jedenfalls, wenn es dabei bleibt.

Osnabrück. 17 Mitarbeiter der Onkologie und Strahlentherapie haben gegen ihre Entlassung bei der Paracelsus-Klinik geklagt. Am Freitag kam es vor dem Arbeitsgericht zum Gütetermin, doch der führte nicht zu einer Einigung. Eine Entscheidung wird Ende August erwartet.

Zum 30. Juni haben die Mitarbeiter ihre Kündigung bekommen. Einige von ihnen sind schon seit Jahrzehnten in der Paracelsus-Klinik tätig. Die Beschäftigten im Alter von 40 bis 63 Jahren wollen ihre Jobs behalten. Der Kölner Rechtsanwalt Andreas Imping machte vor dem Arbeitsgericht deutlich, dass ein Drittanbieter″ die Strahlentherapie übernehmen wolle. Nach Informationen unserer Redaktion ist das die Radioonkologie Nordwürttemberg aus Aalen, die an sechs Standorten Strahlenbehandlungen für Krebspatienten anbietet. Sie habe bereits Übernahmegespräche mit den betroffenen Mitarbeitern aus Osnabrück geführt. Dass der neue Arbeitgeber das Tragen orangefarbener Dienstkleidung fordert, war offenbar schnell akzeptiert. Mit den Konditionen, vor allem mit der Bezahlung, sind aber gerade langjährig Beschäftigte nicht einverstanden. Drei Mitarbeiter sollen sich schon zur Einarbeitung in Baden-Württemberg aufhalten. Die meisten ihrer Kollegen hoffen aber noch, dass ihnen das Arbeitsgericht eine Weiterbeschäftigung zu den bestehenden Bedingungen zubilligt.

Bei der Entscheidung wird es auch um die Frage gehen, ob der Interessenausgleich rechtmäßig ist, wie es Rechtsanwalt Wolfgang Klenner ausdrückt, der vier der Kläger vertritt. Über die Inhalte der Vereinbarung wurde in der Güteverhandlung noch nicht explizit gesprochen. Der vom Sachwalter beauftragte Anwalt Andreas Imping ließ jedoch durchblicken: Der Sozialplan ist sehr überschaubar!
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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