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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Stadtwerke-Tochter als Investor?
 
Esos als Wohnungsbaugesellschaft?
Zwischenüberschrift:
Stadtwerke prüfen Einstieg ihres Tochterunternehmens ins Immobiliengeschäft
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. In Osnabrück formiert sich eine Bürgerinitiative, die per Bürgerentscheid eine Wohnungsgesellschaft erzwingen will. Parallel lassen die Stadtwerke prüfen, ob ihre Tochtergesellschaft Esos ins Immobiliengeschäft einsteigen könnte.

Die Stadtwerke Osnabrück prüfen, ob ihr Tochterunternehmen Esos in den Wohnungsbau einsteigen soll. Parallel dazu hat am Dienstag das erste Treffen der Bürgerinitiative zur Gründung einer städtischen Wohnungsgesellschaft stattgefunden. Passt das zusammen?

Osnabrück. Die Esos Energieservice Osnabrück GmbH ist zurzeit für die Erschließung und Vermarktung der Konversionsflächen in Atter zuständig. Doch das Bauen im neuen Landwehrviertel erledigen andere. Für den ersten Teilbereich hat ein Investor aus Hannover den Zuschlag bekommen, der zweite ging an einen Konzern aus Frankfurt am Main.

Für die Idee, dass die Esos selbst ins Immobiliengeschäft einsteigen sollte, hat sich bereits die Osnabrücker SPD-Fraktion starkgemacht. Und jetzt hat der Stadtwerke-Aufsichtsrat, in dem auch die Osnabrücker Politik vertreten ist, zusammen mit dem Stadtwerke-Vorstand beschlossen, dass diese Idee weiterverfolgt werden soll, bestätigte Stadtwerke-Sprecher Marco Hörmeyer unserer Redaktion auf Anfrage.

Für SPD-Fraktionssprecher Frank Henning wäre das eine städtische Wohnungsbaugesellschaft durch die Hintertür″, wie er es zufrieden formuliert. Denn mit ihren Plänen für eine Neugründung nach dem Verkauf der alten Osnabrücker Wohnungsbaugesellschaft (OWG) vor 14 Jahren haben SPD, Grüne und Linke zurzeit keine Mehrheit im Stadtrat. CDU, BOB, FDP und UWG/ Piraten haben einen bereits gefassten Beschluss direkt nach der Kommunalwahl im Herbst 2016 wieder rückgängig gemacht.

Dieser Aufhebungsbeschluss wäre konterkariert, wenn die Esos in das Immobiliengeschäft einsteigen würde, freut sich Henning. Die Esos ist eine hundertprozentige Tochter der Osnabrücker Stadtwerke. De facto besteht das Tochterunternehmen aus einem Team von etwa zehn Stadtwerke-Mitarbeitern um Prokurist Marcel Haselof; Geschäftsführer ist Stadtwerke-Chef Christoph Hüls selbst. Bisher haben wir mit der Esos im Landwehrviertel und an der Winkelhausenkaserne gute Erfahrungen gemacht″, sagt Stadtwerke-Sprecher Hörmeyer. Wir sehen im Wohnungsbau Potenzial.″ Doch dafür müssten noch viele Fragen geklärt werden, so Hörmeyer: Wie müsste die Esos organisatorisch beschaffen sein, wie wirtschaftlich? Das müssen wir alles in Ruhe berechnen.″

Bürgerkampagne parallel

Parallel startet eine Gruppe Osnabrücker gerade eine Kampagne gegen die Wohnungsnot in der Stadt. Sie wollen die Neugründung einer Wohnungsgesellschaft per Bürgerbegehren und - entscheid herbeiführen, die Wohnungsnot damit zu einem Top-Thema in der Stadt machen und die Politik unter Druck setzen. Dienstagabend fand das erste Treffen statt, rund 50 Vertreter von Vereinen und Verbänden waren dem Aufruf der Initiatoren in die Lagerhalle gefolgt.

Stefan Wilker und seinen Mitstreitern ging es darum, die Lage zu sondieren: Finden sich genug Unterstützer? Frauenhaus, Frauenberatungsstelle, Verdi, DGB, Diakonisches Werk, Awo, Paritätischer Wohlfahrtsverband, der Asta der Uni Osnabrück, Vertreter evangelischer Kirchengemeinden und einige kleinere Initiativen sicherten mindestens ihr Wohlwollen, einige auch direkt ihre Unterstützung zu. Am 8. Mai findet das nächste Treffen statt, danach könnte es ernst werden. Fragen, ob das Ziel nun eine Wohnungsbaugesellschaft oder gar - genossenschaft sein soll und wie es um die Finanzierung steht, will die Initiative bis August klären.

Nur: Braucht es so eine Initiative überhaupt noch, falls schon die Esos als städtisches Tochterunternehmen ins Immobiliengeschäft einsteigen sollte? Für Frank Henning spricht nichts dagegen, im Gegenteil. Diese Bürgerinitiative finde ich hervorragend, denn es befeuert unsere Position″, sagt der SPD-Politiker. Ich fände es super, wenn es einen Bürgerentscheid gäbe.″ Eine Wohnungsbaugesellschaft nicht unter dem Dach der Stadtwerke, sondern direkt unter dem Dach der Stadt würde der Politik mehr Beteiligungsmöglichkeiten eröffnen, so Henning.

Zuspruch gibt es auch von Grünen und Linken. Wir unterstützen das Verfahren und die Sache, möchten aber der Zivilgesellschaft den Vortritt lassen″, sagt die Sozialausschussvorsitzende Anke Jacobsen (Grüne), die am Dienstagabend ebenso am Auftakttreffen teilnahm wie die beiden Ratsmitglieder der Linken. Wir sind natürlich dabei und unterstützen die Initiative, das ist überhaupt keine Frage″, sagt Linke-Fraktionssprecherin Giesela Brandes-Steggewentz.

Bildtext:
Bislang ist die Stadtwerke-Tochter Esos nur als Erschließungsträger und Vermarkter der städtischen Konversionsflächen wie hier in Atter aufgetreten. Das Bauen übernehmen Investoren. Doch es gibt Überlegungen, dass die Esos selbst ins Immobiliengeschäft einsteigt.
Foto:
Archiv/ Gert Westdörp

Kommentar
Alle auf einmal, leider zu spät

Jahrelang wurde der Wohnungsbau in Osnabrück dem freien Markt überlassen und plötzlich gibt es gleich zwei Ansätze, damit die Stadt wieder mehr Einfluss nehmen kann: Hier eine Bürgerkampagne, da die Idee, aus der Stadtwerke-Tochter Esos eine Art Wohnungsgesellschaft zu machen.

All denen, die aktuell verzweifelt eine bezahlbare Wohnung suchen Familien, Geringverdiener, Studenten, Alleinerziehende, Flüchtlinge und so viele andere –, bringt das erst einmal nichts. Dass sich jetzt überhaupt eine Bürgerinitiative gründet, zeigt, wie groß der Leidensdruck ist.

Man kann von solchen Initiativen ja halten, was man will in diesem Fall geben sie dem Thema jedenfalls weiteren Auftrieb. Ob letzten Endes ein Bürgerbegehren zur Gründung einer Wohnungsgesellschaft noch nötig sein wird, falls die Esos-Pläne konkret werden sollten, wird sich zeigen. Auf jeden Fall muss die Initiative ihren Vorstoß gut durchdenken und sich Experten ins Boot holen. Die Wohnungsnot bewegt so viele Menschen, dass ihre Erfolgschancen groß sind und dann wird es ernst.
Autor:
Sandra Dorn


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