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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Vom Krämerladen zur Großbäckerei
Zwischenüberschrift:
Die Bäckerei Wellmann wird heute in dritter Generation von Familie Külkens geleitet
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Gegründet 1936 als kleine Backstube plus Tante-Emma-Laden in der Katharinenstraße, hat sich die Bäckerei Wellmann in den 82 Jahren seither zu einer Großbäckerei mit 26 Verkaufsstellen und 280 Mitarbeitern entwickelt. Der Stammsitz ist an der Lotter Straße.

Osnabrück. Karl Wellmann (1908–1979) stammte aus Bissendorf. 1936 heiratete der Bäckermeister die gelernte Köchin Toni (Antonia) aus Lünne im Emsland. Ihr Bestreben war es, sich in der Großstadt Osnabrück eine Existenz aufzubauen. Es traf sich, dass in der Katharinenstraße 98 Bäcker Jakoblinnert soeben pleitegemacht hatte. Karl und Toni stiegen in den Mietvertrag ein. Die Infrastruktur″ passte, sie konnten sofort loslegen.

Damals war in den Wohnvierteln an jeder Straßenecke eine Kneipe oder ein Geschäft. Wie sah so ein Nahversorger″ damals aus? Karls und Tonis Tochter Hildegard, die heute 78-jährige Seniorin des Familienunternehmens, schildert es folgendermaßen: Vorne ging es zwei Stufen hoch in den klitzekleinen Laden von vielleicht 50 Quadratmetern. Dahinter kam ein langer Flur, an dessen Ende die Backstube lag. Dazwischen war unsere Wohnung. Wir lebten also mittendrin. Das war aber nicht nur bei uns so, sondern in allen anderen Bäckereien auch. In Osnabrück gab es vor dem Krieg mehr als hundert derartige Bäckereibetriebe.″

Vater Karl arbeitete mit einem Gesellen hinten in der Backstube und Mutter Toni mit einer Verkaufshilfe vorne im Laden. Da kam von meiner Oma der Ratschlag: Nehmt doch auch ein paar Lebensmittel mit in den Laden auf, und wenn ihr nur so viel verkauft, dass ihr davon umsonst mitessen könnt.′ So geschah es. Plötzlich waren wir eine Bäckerei und ein Kolonialwarengeschäft.″ Karl und Toni waren sehr fleißig, das Geschäft brummte.

Dann kam der Krieg. Karl wurde eingezogen, der Backofen blieb kalt. Die Frauen zogen frühmorgens mit einem Gummikarren zu einer anderen Bäckerei, die noch weiterarbeiten konnte, und holten dort das Brot ab, das wir dann in unserem Laden weiterverkauften″, schildert Hildegard Külkens die Not der Kriegsjahre. Nach 1945 blieb der Hunger. Die Menschen erhielten Brot und Lebensmittel auf Bezugsmarken. Es war für uns kein Verkaufen, es war ein Zuteilen. Wir selbst brauchten zwar nicht zu hungern. Wie jede Bäckersfamilie hielten wir ein Schwein und fütterten es mit den Backstubenabfällen. So hatten wir ab und an Fleisch. Aber unseren Kunden konnten wir nur wenig bieten.″

Die Wellmanns wohnten noch zur Miete, wollten aber gern etwas Eigenes haben. Der angepeilte Kauf des Hauses in der Katharinenstraße zerschlug sich. In Wahrheit war das ein großes Glück für uns, denn mein Vater fand nun in der Nachbarschaft mit der Lotter Straße 57 ein Objekt, das uns viel bessere Entwicklungschancen bot″, urteilt Hildegard Külkens im Rückblick.

Auf dem Eckgrundstück zur Gellertstraße stand vorn ein kleines Wohnhaus und dahinter war ein Hof, auf dem die Vorbesitzer, eine Schaustellerfamilie, allerlei Jahrmarktgerät wie ihren Nagel-Balken und Ähnliches abgestellt hatten. Dann wollten die nicht ausziehen, obwohl es längst uns gehörte. Wir haben denen einen Kirmes-Wohnwagen gekauft, damit sie das Wohnhaus frei machten″, erinnert sich Hildegard Külkens.

1947 eröffneten die Wellmanns einen kleinen Laden neben dem Wohnhaus das war der Start für den Verkauf von Backwaren und Lebensmitteln an der Lotter Straße. Wiederum entwickelten sich die Geschäfte prächtig. 1958 holte Karl Wellmann zum großen Schlag aus: Der alte Gebäudebestand verschwand, und an seine Stelle rückte ein viergeschossiges Wohn- und Geschäftshaus mit dahinterliegender Backstube. Im Erdgeschoss fand das für damalige Verhältnisse großzügige Ladengeschäft Platz, in dem neben Bedientheken auch schon die Selbstbedienung Einzug hielt. Man war dem Rewe-Einkaufsverbund angeschlossen.

1963 kam ein junger Konditormeister vom Niederrhein, Jakob Külkens, nach Osnabrück und lernte Wellmanns Hildegard kennen und lieben. Bald wurde geheiratet. Hildegard brachte zwei Söhne zur Welt, die wie könnte es anders sein von Kindsbeinen an im Betrieb mithalfen, etwa beim Führen des Sauerteigs oder beim allabendlichen Einräumen des Gemüses. Im Laden war es nämlich so eng geworden, dass die gesamte Obst- und Gemüseabteilung vor dem Laden unter dem Kragdach stattfand. Sohn Christoph wurde Arzt, Sohn Johannes (Jahrgang 1965) trat in die Stapfen von Vater und Großvater und wurde Bäcker- und Konditormeister. Als er noch in Mönchengladbach in einem Fremdbetrieb Erfahrung sammelte, lernte er als Kollegin seine heutige Frau Natalie, ebenfalls Konditormeisterin, kennen. Die beiden leiten heute die Geschäfte der Bäckerei Wellmann in dritter Generation.

Doch zunächst hatte man noch mit dem Raumproblem an der Lotter Straße 57 zu kämpfen. Der Laden wurde etwas vergrößert, dann ein Stück an die Backstube angebaut und ein Treppenhaus verlegt. Trotzdem musste die Konditorei in den Keller ausgelagert werden der Platz fehlte an allen Ecken und Enden. Wieder kam das Glück dem eigenen kaufmännischen Geschick zu Hilfe: Es gelang, auf der anderen Seite der Gellertstraße vier nebeneinanderliegende Grundstücke zu erwerben. Ab 1993 ließen die Külkens die Altbausubstanz Lotter Straße 58 bis 61 niederlegen und den fünfgeschossigen Komplex Wellmanns Marktplatz″ mit Supermarkt, Arztpraxen, Wohnungen und Tiefgarage errichten.

So schön, so gut. Man ließ keine Wachstumsmöglichkeiten aus, und so stieß man zehn Jahre später wieder an Grenzen. Der Platz an der Lotter Straße war zu schade für eine nochmals zu vergrößernde Backstube″, sagt Johannes Külkens. Und so entstand 2004 in Atter an der Birkenallee, auf dem zwei Hektar großen Gelände des vormaligen Containerbauers Wiedenlübbert, die Gläserne Backstube″, dazu ein Bistro-Bereich mit mehr als 100 Sitzplätzen. Die Expansion der Verkaufsstellen schritt fort, wobei Külkens mehrfach nicht die Rolle eines einfachen Mieters einnahm, sondern selbst als Immobilienentwickler auftrat. So etwa beim Weidencarree″ in der Wüste oder zuletzt in Form der Blankenburg″ in Hellern.

Unterdessen laufen sich bereits die Urenkel Karl Wellmanns warm, um einmal in vierter Generation das Geschäft fortzuführen. Konstantin macht im nächsten Jahr Abitur, während Katharina Külkens, 21, schon in einer Münchner Konditorei in der Berufsausbildung steckt. Gerade hat sie ihre Zwischenprüfungsarbeit fertiggestellt. Stolz zeigt Hildegard Külkens das Foto, das ihr die Enkelin aufs Handy geschickt hat: eine Torte in Weiß und Gelb mit der Aufschrift Frohe Ostern″.

Bildtexte:
Diese Altbauten an der Lotter Straße mussten vor 1993 für den Neubau von Wellmanns Marktplatz″ fallen. Links hinter der Einmündung der Gellertstraße sieht man das ältere Ladengeschäft Wellmann.
Dritte und zweite Generation: Johannes, Natalie und Hildegard Külkens.
Der fünfgeschossige Neubau Lotter Straße 58–61 von 1993 mit Wellmann-Backshop und Allfrisch-Supermarkt.
Firmengründer: Toni und Karl Wellmann.
Der erste Wellmann-Laden an der Lotter Straße 57 eröffnete 1947.
Die Warenwelt der Wirtschaftswunderzeit präsentierte das Einzelhandelsgeschäft Wellmann ab 1958.
Fotos:
Archiv Wellmann, Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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