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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Stadt stuft 36 Hunde als gefährlich ein
Zwischenüberschrift:
Tödliche Attacken in Hessen und Hannover werfen Fragen auf
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
In Hessen beißt ein Hund ein Baby zu Tode, in Hannover tötet ein Hund zwei Menschen in ihrer Wohnung. Das Veterinäramt in Hannover war per Hinweis auf die Gefährlichkeit des Hundes bereits 2011 aufmerksam gemacht worden, doch es unternahm nichts. Auch in Osnabrück gibt es einige als gefährlich eingestufte Hunde. Wie geht die Verwaltung mit ihnen um und mit ihren Haltern? Fragen und Antworten.

Osnabrück. Anders als in allen anderen Bundesländern gibt es in Niedersachsen keine Liste für gefährliche Hunde, oftmals als Kampfhunde bezeichnet. Stattdessen ermitteln die Kommunen die Gefährlichkeit eines Hundes rasseunabhängig und nur nach Hinweisen. So sieht es das Niedersächsische Gesetz über das Halten von Hunden (NHundG) vor. Erhält die Verwaltung einen Hinweis auf einen Hund, der eine gesteigerte Aggressivität aufweist oder einen Menschen angriff, muss sie dem nachgehen.

Wie viele Hinweise erhielt die Verwaltung auf womöglich gefährliche Hunde in 2017 und 2018? 29 solcher Hinweise erhielt die Verwaltung im vergangenen Jahr, wie Gerhard Meyering, Sprecher der Stadt, auf Anfrage unserer Redaktion sagt. In 27 Fällen ging sie diesen nach. In zwei Fällen konnte der Halter des angreifenden Hundes nicht ermittelt werden″, sagt Meyering. Im laufenden Jahr erhielt die Verwaltung bislang sieben Hinweise. Allen ging sie nach.

Wie viele der überprüften Hunde stufte die Verwaltung als gefährlich ein? Von den 29 überprüften Hunden im Jahr 2017 stufte die Verwaltung acht als gefährlich ein. In diesem Jahr sind es bislang drei der sieben. Insgesamt sind in Osnabrück derzeit 36 Hunde als gefährlich eingestuft.

Wie viele Wesenstests ordnete die Verwaltung nach der Überprüfung an? Sieben Hunde mussten sich im Jahr 2017 einem solchen Test unterziehen. In einem Fall wurde ein Hund direkt nach einem Beißvorfall ins Tierheim nach Hellern gebracht. Dem Halter wurde die Haltung des Hundes untersagt. Daher ist kein Wesenstest angeordnet worden″, erklärt Meyering. Diesen werde die Verwaltung anordnen, falls der Hund vermittelt werden sollte. In diesem Jahr mussten sich bislang drei Hunde einem Wesenstest unterziehen.

Wie viele Hunde bestanden den Test nicht? Von den sieben Hunden im Jahr 2017 fiel einer durch den Test. In diesem Jahr bestand ihn einer der drei Hunde nicht.

Was passiert mit diesen Hunden? Hunde, die den Wesenstest nicht bestehen, kämen ins Tierheim oder würden an einen Tierschutzverein vermittelt, sagt Meyering. Es besteht zudem die Möglichkeit, einen anderen, zuverlässigen und geeigneten Halter für den Hund zu finden. Dieser kann seinen Hund den Wesenstest wiederholen lassen nach einem intensiven Hundetraining, wenn die Chance besteht, dass der Hund ein sozial verträgliches Verhalten erlernen kann″, so Meyering.

Wie sieht ein solcher Wesenstest aus? Durch diesen Test soll der Hund sozial verträgliches Verhalten nachweisen. In Niedersachsen führen sie Tierärzte durch, die über Erfahrungen in der Verhaltenstherapie mit Hunden verfügen oder spezielle Kenntnisse in der Verhaltenskunde haben″, erklärt Meyering.

In dem Test prüft der Tierarzt das Sozial- und Kommunikationsverhalten des Hundes. Hierzu wird der Vierbeiner einer Vielzahl von optischen, akustischen und olfaktorischen Reizen ausgesetzt insbesondere solchen, die bekanntlich Aggressionsverhalten bei Hunden auslösen.

Um davon einen Eindruck zu bekommen: Bei dem Test werden unter anderem vier weitere Hunde benötigt (je zwei männlich und weiblich), vier weitere Personen, ein Kinderwagen, ein Kassettenrekorder mit Kindergeschrei, benutzte Windeln, Luftballons, Blechdosen, Fahrradklingel und weitere Gegenstände, die einen Hund womöglich aggressiv werden lassen. In Osnabrück sind derzeit neun Veterinäre zur Durchführung eines Tests anerkannt. Im Landkreis kommen zahlreiche hinzu.

Wie vielen Haltern wurde die Zuverlässigkeit oder Eignung abgesprochen? Ob Hund und Halter zusammenbleiben dürfen, ist nicht nur vom Wesen des Tieres abhängig. Die Verwaltung kann dem Halter die Eignung oder Zuverlässigkeit zur Haltung eines gefährlichen Hundes absprechen. Im vergangenen Jahr war das sechsmal der Fall, in diesem bislang einmal.

Als ungeeignet gelten Halter etwa, wenn sie alkohol- oder drogenabhängig oder körperlich schlichtweg nicht in der Lage sind, ihren Hund sicher führen zu können. Als unzuverlässig gelten Halter unter anderem, wenn sie in den vergangenen fünf Jahren rechtskräftig verurteilt im Gefängnis saßen.

In wie vielen Fällen untersagte die Verwaltung die Haltung eines als gefährlich eingestuften Hundes? Das Halten eines als gefährlich eingestuften Hundes bedarf der Erlaubnis. Im Jahr 2017 untersagte die Verwaltung die Haltung in fünf Fällen, im laufenden in einem Fall.

Bildtext:
Der Staffordshire-Terrier-Mischling Chico steht in einem Gehege im Tierheim Hannover. Der Hund hat seine 27 und 52 Jahre alten Besitzer in ihrer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus in Hannover-Buchholz getötet.
Foto:
imago/ localpic
Autor:
Jörg Sanders


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