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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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aus Zeitung:
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Überschrift:
Hände weg vom Westerberg
Zwischenüberschrift:
Soll das Erholungsgrün für Unibauten geopfert werden?
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Hände weg vom Westerberg - Soll das Erholungsgrün für Unibauten geopfert werden? - Von unseren Redakteuren Rudolf Schachtebeck und Helmut Hertel

Diese Stadt ist in ihrer City nicht reich an Grün, jetzt deuten Planer an, daß sie noch ärmer werden soll. Diese Bürger haben wenig Auslauf, jetzt soll ihr Käfig noch enger werden. Dieses Osnabrück und die Osnabrücker sind auf den Westerberg angewiesen, wenn sie für sich werben und wenn sie sich erholen, wenn sie Atem schöpfen und einen weiten Blick gewinnen wollen. Jetzt machen Planer diesen Westerberg zum Kandidaten Nr. 1 für den Standort der Universität. Das ist - gelinde gesagte - eine Fehlleistung, denn mag der Westerberg noch so sehr für eine solche Funktion taugen, die Funktion selbst taugt für den Westerberg nicht. Dieser Westerberg ist von Natur aus zum Erholungsgrün prädestiniert.
Nicht reiche Müßiggänger wohnen hier vorzugsweise, sondern hier spazieren Bürger wie du und ich: unsere Alten, unsere Mütter, Kollegen aus den Betrieben, Kaufleute, Sekretärinnen, Busfahrer - der kleine Mann. Hier wird auch nicht eine Wohngegend für Bevorzugte durch einen Uni-Bau gefährdet, sondern ein Jedermann-Erholungsgrün.
Es gibt Planer, die schlagen um solche Grünflächen mit ihrem Zirkel einen Bogen, um sie um Himmels willen zu erhalten. Solche Flächen machen erst eine Stadt menschenfreundlich und nehmen ihr die Atemnot, sichern ihr das Gefühl, gesund zu sein, und weisen sie als Stadt im Grünen aus, ein Prädikat, das in Zukunft noch mehr an Bedeutung gewinnen wird. Wer nun ist modern? Der Planer, der flink nach jeder Grünfläche greift und sie bebaut, oder jener, der mit Freiflächen haushält, um den Bürger nicht einzusperren in Straßenschluchten und Mietblöcke?
Sehen die Planer, die den Westerberg für die Uni reklamieren, den Zusammenhang mit der Innenstadtsanierung? Da soll die City attraktiv gemacht werden, aber im gleichen Planungszuge beraubt man sie ihrer größten Attraktivität, nämlich der engen Nachbarschaft zum Erholungsgebiet Westerberg, das vom Rißmüllerplatz aus bequem in fünf Minuten zu erreichen ist.
Die Hoffnung der Planer, die Kasernenbauten am Fuß des Westerberges könnten eines Tages verschwinden, diese Hoffnung trügt sicher. Die Entscheidung darüber kann nicht einmal der Bundesminister für Verteidigung fällen, sondern sie steht der NATO zu. Die aber hat einen langen Arm, jedenfalls einen längeren, als die Osnabrücker Ratsherren haben. Und einen längeren Atem hat sie auch, so daß beim Warten auf eine entsprechende Entscheidung der jungen Osnabrücker Universität leicht die Puste ausgehen kann.
" Grün lockt Leute" heißt das Motto moderner Städteplaner, die um den immensen Wert von " grünen Lungen" wissen, und das nicht erst seit Umweltschutz-Aktionen.
Grün lockt leider aber auch Gutachter, die für ihre Bauprojekte mit Vorliebe jene letzten Natur-Reservate in den Steinwüsten unserer Großstädte auswählen. Dem Ruf " Die Stadthalle in den Schloßgarten" folgte nun der Donnerschlag " Die Uni zum Westerberg", von nicht wenigen Osnabrückern trotz vielfacher Beteuerungen, der Bau eines Verfügungszentrums neben der Fachhochschule am Westerberg präjudiziere keinesfalls die Wahl des Standortes für die Universität, insgeheim befürchtet.
Nichts gegen den Sachverstand der Gutachter, die ihre Wahl sicherlich nach bestem Gewissen getroffen haben - jedoch zu einem erheblichen Teil aus dem begrenzten Blickwinkel von Planern, die nur ihr Projekt, aber nicht dessen Auswirkungen auf die Gesamtheit der Bürgerschaft sehen. So teuer uns die Uni mit ihren 15 000 Studenten sein mag, sie ist uns nicht lieb, daß einer der wenigen Reste von Erholungsgrün für 150 000 Bürger dafür geopfert wird! Betonklötze auf dem Westerberg, mögen sie architektonisch noch so gelungen sein, sind das letzte, was man den Osnabrückern zumuten darf!
  Und wer 15 Projektzentren für etwa 13 600 Studenten (einschließlich deren Autoblech) am Westerberg unterbringen, gleichzeitig aber die Grünflächen erhalten will, kann ebenso gut behaupten, das Perpetuum mobile erfunden zu haben.
Mit Recht wird jeder Baum und jeder Quadratmeter Rasen von den Bürgern gegenüber dem wuchernden Verkehr verteidigt. Ein Erholungsgebiet vom Ausmaß des Westerberges für eine Universität zu opfern, mutet wie ein makabrer Witz an, wenn man bedenkt, daß sich die Hasestadt nach dem 1. Juli flächenmäßig verdoppeln wird und dadurch ausreichend Platz in Gebieten zur Verfügung steht, deren Bebauung das Allgemeinwohl nicht beeinträchtigen würde. Bleibt nur die Hoffnung, daß die Entscheidung über den Standort nicht von teils ortsfremden Gutachtern, sondern von Osnabrücker Ratsherren getroffen wird.
Bürgerverein fordert Bürgerversammlung - Erste Stellungnahme zu den Uni-Gutachten und zum Standort Westerberg

Der Bürgerverein Nordwest nimmt zur ersten Veröffentlichung über die Standortgutachten für die Universität wie folgt Stellung:
" Dieses Ergebnis der gutachterlichen Untersuchungen hatten wir nicht erwartet. Steht es doch im Widerspruch zu früheren Untersuchungen, beispielsweise die Gutachten der Professoren Wortmann und Schneider sowie aller bisherigen Untersuchungen des städtischen Planungsamtes, die Atter als besten Standort empfohlen hatten und für die der Westerberg wenigstens primär nicht in Frage kam. Wir sind deshalb gespannt auf das Ergebnis des Obergutachtergremiums und erwarten, daß hierbei nicht nur die drei neuen Gutachten, sondern gleichrangig die erwähnten früheren Untersuchungen Berücksichtigung finden.
Der Bürgerverein ist natürlich überfordert, bereits jetzt eine eindeutige Stellungnahme zu den Vorschlägen abzugeben. Wir möchten in aller Ruhe und Gründlichkeit eine sachliche und kritische Prüfung der Vorschläge vornehmen und brauchen dafür Zeit. Bereits jetzt aber erheben sich einige schwerwiegende Fragen. Wenn beispielsweise die Gruppe Linde im Hochschulentwicklungsgebiet Westerberg 15 Projektzentren für etwa 13 660 Studenten unterbringen will, fragt man sich, wie das möglich sein soll, wenn man bedenkt, daß der gesamte Bereich des Stadtteils Nordwest nur 7 000 Einwohner hat. Wenn man gleichzeitig die Grünflächen erhalten will, können die von Linde erwähnten hervorragenden Entwicklungsmöglichkeiten auf dem Westerberg nur so verstanden werden, daß der Westerberg ein amerikanisches Wolkenkratzergesicht bekommt.
Weitere schwerwiegende Fragen erheben sich zum Gutachten der Gruppe Throll, wenn Begriffe genannt werden, wie Umstrukturierung der Grünflächen und Chancengleichheit durch Umverteilung in den für die Universität vorgesehenen Stadtteilen. Zur Frage der baulichen Verdichtung und des skizzierten tiefgreifenden Wandels in der Struktur Osnabrücks werden nicht nur die Gutachtergruppen nähere Ausführungen machen müssen, sondern andere berufene Gremien müssen ebenfalls dazu Stellung nehmen.
In der Diskussion des vergangenen Jahres haben wir ausschließlich mit städtebaulichen Gesichtspunkten argumentiert, weil wir satzungsgemäß dem Allgemeinwohl verpflichtet sind. Die gleichen städtebaulichen Gründe liegen dem vom Rat beschlossenen Bebauungsplan 153 zugrunde, der von uns akzeptiert wird und die Struktur des Westerbergs erhält. Ein tiefgreifender Strukturwandel müßte Gegenstand eingehender Beratungen sein, an dem auch die Öffentlichkeit Anteil nehmen darf. Wir werden deshalb den Rat der Stadt Osnabrück bitten, in einer Bürgerversammlung nach der Niedersächsischen Gemeindeordnung alle interessierten Osnabrücker Bürger eingehend über die vorgelegten Gutachten zu informieren und die vorgeschlagenen Veränderungen zu erläutern."
Ablehnung und Zustimmung - von Wieland Köhne

Zwischen spontaner Zustimmung und rabiater Ablehnung schwanken die Meinungen in Osnabrück, wenn es um den Mikrostandort der Universität geht. Natürlich ist auch Desinteresse vertreten, so wie bei einer Hausfrau, die meinte: " Ich bin auch so ganz zufrieden, was sie mit der Uni machen, ist mir ganz egal."
Eine Blitzumfrage der Neuen Osnabrücker Zeitung gestern auf dem Neumarkt zeigte aber doch, daß die meisten Befragten um die Diskussion des Universitätsstandortes wußten.
Standort Westerberg? Hierfür hatten sich die Gutachten ausgesprochen: " Dort ist die Universität nicht richtig am Platze", meinte ein 49-jähriger Rentner, " hier muß das Städtische Krankenhaus hin." Ganz ablehnend ein 39 Jahre alter Familienvater, der konkret aussagte: " Osnabrück wird nie eine Uni bekommen, weil die Stadträte schlafen. Eher wird eine Universität in Oldenburg gebaut."
" Mein Sohn, der augenblicklich noch die Oberschule besucht, will vielleicht einmal studieren", sagte ein weiterer Rentner (60), " dann sollte die Uni auf dem Westerberg entstehen, Atter oder die Wüste wären viel zu weit weg." Diese Meinung vertraten auch eine 17jährige Studentin und ein 19 Jahre alter Lehrling: " Verkehrsmäßig liegt der Westerberg sehr günstig. Und daß die Uni einmal kommen wird, ist für mich klar!"


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