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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Szenen einer Groko-Ehe
Zwischenüberschrift:
Wie Fritz Wolf 1968 die Polit-Liaison des Brautpaares Kiesinger/Brandt beleuchtete
Artikel:
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Originaltext:
Mit der Vereidigung von Angela Merkel als Bundeskanzlerin ist die Neuauflage der Großen Koalition beschlossene Sache. Ihre erste Vorläuferin kam 1966 durch die politische Trauung″ von Bundeskanzler Kurt-Georg Kiesinger (CDU) mit seiner sozialdemokratischen Braut″ Willy Brandt zustande, die Fritz Wolf in einer schwarz-roten Familienchronik″ aufs Korn nahm.

Osnabrück. Auf der Doppelseite 14/ 15 des 64-seitigen Büchleins treten die Brautleute in Frack und Hochzeitskleid vor den studierten Pfarrer und Bundestagspräsidenten Eugen Gerstenmaier, um sich das politische Ja-Wort zu geben. Erleichtert stimmen die ausschließlich männlichen Hochzeitsgäste um Franz Josef Strauß, Herbert Wehner, Rainer Barzel und Helmut Schmidt den Choral Nun danket alle Gott …″ an, während CDU-Exkanzler Ludwig Erhard in der letzten Reihe ob des eigenen Amtsverlustes eine Träne über die Wange kullert.

In insgesamt 88 Zeichnungen würdigt Fritz Wolf zudem die beziehungstechnische Vorgeschichte dieser vollkommenen Mischehe″ sowie die ersten zwei Jahre eines mehr oder weniger friedlichen schwarz-roten Ehealltags. Dabei sind die Parallelen zur Gegenwart geradezu frappierend: Als die Braut Brandt mit ihrem väterlichen Begleiter Herbert Wehner vor der Hochzeit die zahllosen Glückwünsche″ sichtet, wird das Duo mit teils bedenklichen Botschaften linker Gratulanten konfrontiert: Ich trete aus!″ – „ Nie wieder SPD! oder Schämt Euch!

Zwei Seiten später schreitet das Brautpaar am 1. Dezember 1966 unter Anteilnahme weitester Bevölkerungskreise″ zum Traualtar, doch auch hier prangen über den Köpfen der Zaungäste Schilder mit Botschaften wie Miese Ehe! oder Verrat″. Selbst der deutsche Michel eine Lieblingsfigur Fritz Wolfs trägt den Schleier Fräulein Brandts mit betrübtem Blick.

Verlegt hat das ausgesprochen anregende Bändchen Gustav Lübbe, einer der frühen Osnabrücker Weggefährten Fritz Wolfs, den dieser noch als Feuilletonredakteur der Neuen Tagespost kennengelernt und für dessen Bastei-Verlag er einst zum Preis von 25 DM eine stilisierte Zinne als Logo entworfen hatte. Am Ende des Buches prognostiziert Fritz Wolf im Blick auf die 1969 anstehenden Bundestagswahlen im Begleittext zu drei abschließenden Bildern der schwarz-roten Verbindung: Es ist ziemlich wahrscheinlich, daß die Ehe bald geschieden wird und das Paar davor bewahrt, zusammen alt zu werden.″

Bei aller Aktualität der Wolf′schen Sicht auf die Groko Kiesinger/ Brandt gibt es einen fundamentalen Unterschied: In dieser frühen schwarz-roten Familienchronik″ fehlen Politikerinnen. Dies wird besonders deutlich in der Groko-Porträtgalerie″ auf den Vorsatzblättern des Buches, die ausschließlich aus Männerhäuptern besteht: Eine Bundeskanzlerin war vor 50 Jahren eben noch unvorstellbar.

Fritz Wolf und seine Karikaturen

Die Neue Osnabrücker Zeitung widmet ihrem langjährigen Hauskarikaturisten Fritz Wolf zum 100. Geburtstag am 7. Mai 2018 eine Karikaturen-Serie. Im Diözesanmuseum Osnabrück sind noch bis zum 15. Juli in der Sonderausstellung Er war ein Osnabrücker! Karikaturen des Altmeisters zu regionalen Themen zu sehen, wobei auch die vollkommene Mischehe″ von 1966 vorübergehend durch Originalkarikaturen und das Buch in einer zusätzlichen Vitrine thematisiert wird.

Eine erste Kuratorenführung findet am kommenden Sonntag, 18. März, um 11.30 Uhr statt. Die Fritz-Wolf-Gesellschaft sucht weiterhin nach unbekannten Zeichnungen, um diese im Begleitbuch zu veröffentlichen und möglicherweise noch kurzfristig in die laufende Ausstellung zu integrieren. Ansprechpartner ist der Medienwissenschaftler Sebastian Scholtysek, Telefon 01 76/ 31 11 06 63 oder E-Mail post@ Fritz-Wolf.de.
Autor:
Hermann Queckenstedt


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