User Online: 1 | Timeout: 07:40Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Wohnheim: Studentenwerk baut nun doch
 
Studentenwerk baut Wohnheim nun doch
Zwischenüberschrift:
Erster Spatenstich im Wissenschaftspark am kommenden Montag
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Nach einem unrühmlichen Hin und Her ist am Montag in der Aufsichtsratssitzung der Osnabrücker Beteiligungs- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft (OBG) die Entscheidung gefallen: Das Studentenwerk Osnabrück wird das Albert-Einstein-Wohnheim am Wissenschaftspark nun doch bauen.

Die Anstalt öffentlichen Rechts hatte im Februar einen Rückzieher gemacht, weil das Projekt nicht wirtschaftlich zu realisieren sei. Am Montag kam dann die Einsicht, dass es sich lediglich um ein geringes Defizit″ handelt, dass das Studentenwerk in Kauf″ nehmen will. Möglich macht dies laut Studentenwerk die interne Umstellung des Finanzierungsmodells. Dem lange geplanten ersten Spatenstich am kommenden Montag dürfte jetzt nichts mehr im Wege stehen.

Nach einem nur schwer verständlichen Hin und Her baut das Studentenwerk Osnabrück das Albert-Einstein-Wohnheim am Wissenschaftspark nun doch und zwar genau wie geplant und zu den vor etwa 18 Monaten vereinbarten Konditionen.

Osnabrück. Die Entscheidung fiel nach einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung der Osnabrücker Beteiligungs- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft (OBG). Zu der Sitzung geladen waren unter anderen der kommissarische Geschäftsführer des Studentenwerks, Stefan Kobilke, sowie der Vorsitzende des Verwaltungsrates, Uni-Präsident Wolfgang Lücke. Am Ende der Sitzung stand fest, dass das Studentenwerk das Wohnheim wie geplant bauen wird. Sowohl der Mietpreis (5, 30 Euro Kaltmiete) als auch die Gestaltung des Gebäudes bleiben nach Aussagen von Sitzungsteilnehmern unverändert. Wir konnten das Studentenwerk durch unsere Argumentation zum Umdenken bewegen″, so OBG-Geschäftsführer und Kämmerer Thomas Fillep auf Nachfrage.

Zur Geschichte: Die OBG hatte nach einer öffentlichen Ausschreibung ihre eigens gegründete Albert Einstein Studentenwohnheim GmbH als Eigentümerin der Fläche an der Ecke Friedrich-Janssen-Straße/ Albert-Einstein-Straße an das Studentenwerk verkauft. Vor allem der günstige Mietpreis von 5, 30 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter dürfte seinerzeit ausschlaggebendes Kriterium für den Zuschlag gewesen sein, blieb das Studentenwerk mit diesem Kurs doch satte 3, 20 Euro unter dem in der Ausschreibung genannten Höchstmietzins.

Nicht wirtschaftlich

Fast zwei Jahre und zwei Geschäftsführer später bekam das Studentenwerk Ende Februar kalte Füße. Die Anstalt öffentlichen Rechts beschloss, von dem Projekt zurückzutreten, wohl auf Anraten des kommissarischen Geschäftsführers Stefan Kobilke. Der hatte nachgerechnet und war zu dem Schluss gekommen, dass das Wohnheim mit dem niedrigen Mietpreis nicht wirtschaftlich zu betreiben sei. Auf die anvisierte Erhöhung des Mietpreises auf 6, 84 Euro wollte sich aber die OBG nicht einlassen.

Während der jüngsten Ratssitzung am Dienstag der vergangenen Woche sickerte durch, dass ein Rückzieher vom Rückzieher des Studentenwerks wahrscheinlich ist. Die OBG-Aufsichtsratssitzung am Montag hat dann offensichtlich Klarheit gebracht: Es bleibt alles beim Alten. Anzunehmen ist, dass ein Rückzug das Studentenwerk am Ende teurer gekommen wäre als die Fortsetzung des Projekts. Geschäftsführer Kobilke hatte unter anderem mit gestiegenen Baukosten argumentiert, die einen wirtschaftlichen Betrieb des Wohnheims unmöglich machten. Allerdings hatte das Studentenwerk in den zurückliegenden Jahren bereits erhebliche Finanzmittel in das Projekt gesteckt. Nochmaliges Nachrechnen mit stecknagelspitzem Bleistift hat dann den Verwaltungsrat offensichtlich zu dem Schluss kommen lassen, dass die finanziellen Folgen eines Rücktritts eine größere Belastung darstellen würden als die Fortsetzung des Projekts.

Geringes Defizit

In einer gemeinsamen Pressemitteilung von OBG und Studentenwerk räumt das Studentenwerk denn auch ein, dass es ein geringes Defizit″ in Kauf nehme, um das Projekt zu verwirklichen. Eine Umstellung des internen Finanzierungsmodells″ habe die Verwirklichung des Wohnbauprojektes ermöglicht. Für uns war klar, dass es keinerlei Abweichungen zu Vertrag und Ausschreibung geben darf″, unterstrich Aufsichtsratsvorsitzender Marius Keite (CDU) die harte Linie der OBG in den Gesprächen mit dem Studentenwerk.

Die Differenz bei den Mieteinnahmen zwischen der Wunschkaltmiete des Studentenwerks von 6, 84 Euro und der im Wettbewerb zugesicherten Ausgangsmiete in Höhe von 5, 30 Euro beträgt im ersten Jahr bei einer Wohnfläche von 3358 Quadratmetern etwa 62 000 Euro. Eine vertraglich abgesicherte jährliche Mieterhöhung um jeweils ein Prozent ist möglich. Auf 15 Jahre gerechnet, beläuft sich das Minus gegenüber der höheren Ausgangsmiete des jährlichen einprozentigen Zuschlags auf etwa 680 000 Euro. Da ist es nicht unwahrscheinlich, dass die bereits investierten finanziellen Mittel deutlich über dem prognostizierten Verlust durch den geringeren Mietzins liegen. Zudem ist davon auszugehen, dass bei Abgabe des Angebotes mit Blick auf steigende Baukosten bereits ein Risikoaufschlag eingepreist war. Fachleute gehen davon aus, dass das Studentenwerk hier mit etwa 25 Prozent kalkuliert hat. Die Baukosten liegen dem Vernehmen nach zwischen 12 und 13 Millionen Euro.

Letztendlich dürfte aber für die zukünftigen Mieter vor allem die Warmmiete ausschlaggebend sein. Analog zu ähnlichen Einrichtungen vergibt auch das Studentenwerk seinen Wohnraum zu Gesamtmietpreisen. Für das Albert-Einstein-Wohnheim sollen dies 321 Euro für eine 25 Quadratmeter große Unterkunft sein. Im Preis enthalten sind eine Teilmöblierung, die Nutzung der Gemeinschaftsräume, Hausmeisterservice und Ähnliches sowie Heiz- und Stromkosten. Umgerechnet auf den einzelnen Quadratmeter, ergibt sich hier eine Warmmiete von 12, 84 Euro.

Mehr aktuelle Nachrichten auf noz.de

Bildtext:
Kommt doch: Das Albert-Einstein-Wohnheim des Studentenwerks wird an dieser Stelle gebaut werden.
Foto:
Wilfried Hinrichs

Kommentar
Avanti Dilettanti

Was war denn das? Erst ja″, dann nein″ und jetzt wieder ja″? Das Studentenwerk hat sich in der Causa Albert-Einstein-Wohnheim nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Zumal die jetzt aufgetretene Unterdeckung nicht nur zu verknusen ist, sondern schon frühzeitig festgestanden haben muss. Es fehlten wohl die Nerven und das Auge für eine längerfristige Betrachtung. Viel Getöse um nichts also? Offensichtlich.

Der Dank für dieses Studentenwohnheim gebührt eher der OBG als dem Studentenwerk, denn nach der Vorgeschichte gewinnt der Betrachter den Eidruck, dass die OBG dem Studentenwerk erklären musste, wie das geht mit dem Wohnheimbau. Denn was hat sich geändert zwischen dem ersten Ja″ des Studentenwerks und dem zweiten? Nichts! Da liegt der Verdacht des Dilettantismus nahe. Dem Ruf des sonst zu Recht gelobten Studentenwerks hat diese Aktion jedenfalls definitiv geschadet.
Autor:
Dietmar Kröger


Anfang der Liste Ende der Liste