User Online: 1 | Timeout: 16:07Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Zahnbrecher als Patienten-Albtraum
Zwischenüberschrift:
Wie Fritz Wolf 1956 seinen Freund Dr. Heinrich Wehberg foppte
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Zahnarztbesuche sind für viele Zeitgenossen ein Quell unergründlicher Ängste. Der Osnabrücker Karikaturist Fritz Wolf war nicht nur mit einem Dentisten befreundet, sondern hat für diesen zum Jahreswechsel 1956/ 57 eine persönliche Horrorvision ins Bild gesetzt.

Dem grün angelaufenen Fritz Wolf ist der Schrecken ob seiner weiteren Zahnbehandlung ins Gesicht geschrieben: Ein Eimer mit Blut sowie gezogene Zähne auf dem Fußboden und in einer alten Pappkiste lassen das Schlimmste befürchten.

Während die Zahnarzthelferin eine furchterregend überdimensionierte Kneifzange an die Wand zurückhängt, ist Dr. Heinrich Wehberg im Begriff, den bibbernden Patienten per narkotisierenden Holzhammer ruhigzustellen. In Erwartung unermesslicher Torturen hatte dieser vor der Behandlung mit der geliebten Zeichenfeder sein Testament gemacht: Dessen einziger Satz lautet: Mir ist alles egal! Für den persönlichen Weihnachtsgruß 1956 setzte Fritz Wolf seinen Freund Heinrich Wehberg als archaischen Zahnbrecher in Szene, aus dessen bluttriefender Handwerkskunst es kein Entrinnen gibt. Die Zeichnung aus der Frühzeit des Wolf′schen Schaffens in Osnabrück ist ein prägnantes Beispiel dafür, wie der Karikaturist seinen Freundes- und Bekanntenkreis einerseits mit Augenmaß aufs Korn nahm, dabei aber auch Humor und Selbstironie der Opfer″ voraussetzte. Heinrich Wehberg konnte den zeichnerischen Holzhammer zum Jahreswechsel 1956/ 57 sicher gut wegstecken, denn auch ihm saß der Schalk im Nacken. Fritz Wolf zog es damals durchweg vier- bis fünfmal in der Woche ins Domizil des Zahnarztes, wenn er sein zeichnerisches Tagewerk verrichtet hatte.

Heinrich Wehberg vererbte das Blatt von 1956 seinem Schwiegersohn Dr. Robert Berges, der ebenfalls als Zahnarzt praktizierte. Inzwischen schmückt es in dritter Generation die Praxis des Wehberg-Enkels Dr. Robert Berges jun. in Cloppenburg. Die Familie erinnert sich gern jener Operation, die Fritz Wolf und Opa Heini″ zeitgleich in die Klinik führte. Nach deren übereinstimmendem Urteil zeichnete sich der behandelnde Urologe durch trockene Humorlosigkeit aus, die es herauszufordern galt: Dies gelang, indem sowohl Fritz Wolf als auch Heinrich Wehberg jeweils einen Bocksbeutel besten Frankenweins am Ständer ihres Infusionsbeutels montierten und dies gegen jegliche medizinische Vernunft.

Bildtext:
Diese inzwischen leicht beschädigte Zeichnung verehrte Fritz Wolf seinem Freund und Zahnarzt Dr. Heinrich Wehberg im Jahr 1956.
Repro:
Scholtysek/ Diösezanmuseum

Fritz Wolf und seine Karikaturen

Die Neue Osnabrücker Zeitung widmet ihrem langjährigen Hauskarikaturisten Fritz Wolf zum 100. Geburtstag am 7. Mai 2018 eine Karikaturen-Serie. Im Diözesanmuseum Osnabrück sind vom morgigen Freitag bis zum 15 Juli in der Sonderausstellung Er war ein Osnabrücker! Karikaturen des Altmeisters zu regionalen Themen zu sehen: darunter auch das Zahnbrecher-Blatt von 1956.

Die Fritz-Wolf-Gesellschaft sucht weiterhin nach unbekannten Zeichnungen, um diese im Begleitbuch zu veröffentlichen und möglicherweise noch kurzfristig in die Ausstellung zu integrieren: Tel. 01 76/ 31 11 06 63 oder E-Mail post@ Fritz-Wolf.de.
Autor:
Hermann Queckenstedt


Anfang der Liste Ende der Liste