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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Kann eine Ueberschwemmung der Neustadt für die Zukunft vermieden werden?
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Originaltext:
Um die vorstehende Frage beantworten zu können, muß man annähernd wissen, wie viel Wasser pro Secunde dem Wehr bei der Neuenmühle zufließt, resp. durch dasselbe abgeführt werden muß und ob die Durchlaßöffnungen so groß sind, diese Wassermenge ohne eine zu große Stauung durchzulassen.
Das jetzt vorhandene Wehr kann bei normalem Oberwasserspiegel d. h. bei rot.1, 6 Meter Schützenhöhe und 11, 58 Meter Schützenweite sämmtlicher Schützen nur eine Wassermenge von rot. 52 Kubikmeter pro Sekunde durchlassen. Diese 52 Kubikmeter pro Secunde können nur dann durch das Wehr fließen, wenn der Rückstau unterhalb des Wehres nicht höher wird, als die Flußsohle unter den Schützen liegt. Sobald nun eine größere Wassermenge eintritt, etwa 70 - 80 Kubikmeter pro Secunde, wie es am 25. Januar der Fall war, so ist ein Steigen des Oberwasserspiegels bedingt, und zwar steigt das Wasser so hoch, daß sich eine Durchflußfläche bilden wird, welche der abzuführenden Menge, also 70 - 80 Kubikmeter pro Secunde entspricht. Die Durchlässe unter der Köln-Mindener Eisenbahn (welche wohl einer Reinigung resp. einer Ausbaggerung namentlich an der linken Uferseite bedürfen) lassen weit mehr Wasser, als 52 Kubikmeter pro Sekunde durch und haben thatsächlich bei der letzten Hochfluth etwa 90 - 100 Kubikmeter durchgelassen. Diese letzteren fanden am Wehr bei der Neuenmühle bei normaler Stauhöhe keinen Durchfluß, und so lag es klar auf der Hand, daß ein übergroßer Aufstau des Wassers stattfinden mußte. Der Oberwasserspiegel vor der neuen Brücke hat etwa 2, 7 Meter über der Flußsohle unter den Schützen gestanden, und da der normale Oberwasserspiegel nur 1, 6 Meter über der Flußsohle liegt, so hat eine Anstauung von 1, 1 Meter stattgefunden. Bei dieser Anstauung ist aber die vorhandene Wassermenge noch nicht durch das Wehr gegangen, sondern ein erheblicher Theil ist in die Stadt gekommen. Es hätte demnach durch das Wehr noch mehr Wasser abgeführt werden müssen, als bei diesem höchsten Stau durchgegangen ist. Es ist aber andererseits anzunehmen, daß, wenn man bei einer genügenden Weite des Wehres gleich beim Beginn der Fluth 70 - 80 Kubikmeter pro Secunde hätte durchlassen können, ohne dadurch einen Aufstau herbeizuführen, daß dann diese Wassermenge überhaupt auch für eine bestimmte Zeit nicht überschritten worden wäre. Die Wassermenge wurde ja nur deshalb größer, weil man nicht in der Lage war, zeitig genug mehr Wasser abzuführen.
Das vorhandene Wehr ist zwar nicht in dem Maße defekt, daß ein Umstürzen direkt zu befürchten ist, es befindet sich aber in einem solchen Zustande, daß an eine gründliche Reparatur nicht zu denken ist; denn an vielen Stellen ist der Mörtel zwischen den Steinen fortgespült und, wenn man die Fugen auch auswendig wieder zustreicht, im Innern des Mauerwerks kann man die Lücken nicht ausfüllen. Durch den Frost im Winter wird der außen angebrachte Mörtel immer wieder zerstört und dann fortgespült. Es dürfte daher wohl zu erwägen sein, ob es rathsam ist, die Reparatur überhaupt vorzunehmen, womit sich wohl eine Erweiterung der Schützenöffnungen und ein Tieferlegen der Flußsohle verbinden läßt, indeß würden die dicken Pfeiler immerhin den Raum noch sehr beeinträchtigen. Bricht man das Wehr ab und verwendet die freigewordenen Steine, soweit sie noch gut sind, zum neuen Wehre, dann läßt sich eine lichte Weite von etwa 18 Meter erzielen. Nimmt man dann die Schützenhöhe zu 1, 9 Meter an, dann läßt das neue Wehr, ohne daß sich der Oberwasserspiegel erheblich über den normalen Stand hinausstaut, rot. 100 Kubikmeter Wasser durch, allerdings auch nur dann, wenn der Durchfluß durch keinen Rückstau beeinträchtigt wird. Um einen Rückstau möglichst zu verhindern, muß das Wehr an der früheren Westerkamp` schen Mühle (Pernickelthurm) mindestens dieselbe Durchflußfläche erhalten, als das zu erneuernde Wehr an der Neuenmühle, besser ist es noch, wenn das erstere 4 - 5 Meter Querschnitt mehr erhält.
Wenn die beiden Wehre in diesem Verhältniß und in dieser Größe ausgeführt werden, dann ist die Gefahr einer Ueberschwemmung in der Stadt und am Stahlwerk beseitigt, selbst bei größerem Wasserandrang, als am 25. Januar, welcher bei Platzregen oder länger anhaltendem Regen leicht hätte eintreten können.
Die wesentliche Wassermenge, die hier zum Vorschein kam, hat sich zwischen Stockum und Osnabrück angesammelt. Auf Stockum hat die Hase an dem verhängnißvollen Sonntage nicht so viel Wasser gehabt, daß es nöthig gewesen wäre, sämmtliche Schützen zu ziehen und den Mühlenbetrieb einzustellen. Gegen 11 Uhr Vormittags war dort der höchste Wasserstand erreicht. Man hört hier vielfach Bemerkungen über hohe Wasserstände aus alter Zeit, es werden uns aber keine Anhaltspunkte gegeben, um annähernd eine Wassermenge pro Sekunde ausrechnen zu können. Daher scheint uns dies belanglos und wir rechnen besser mit der Wassermenge, die wir jetzt gesehen haben und der Annahme, daß sie noch größer werden kann.
Man hörte neulich auch die Meinung äußern, die Träger der neuen Brücke an der Neuenmühle lägen zu niedrig und schienen zu hoch construirt. Beides trifft nach unserer Ansicht nicht zu. Ein abnorm hoher Wasserstand vor dem Wehr kann nur durch einen genügenden Querschnitt desselben vermieden werden; ein Höherlegen der Brücke würde eine unnöthige Steigung der Fahrbahn zur Folge haben; wohl könnte die Brücke bei einem oben geschilderten Wehr noch etwas tiefer liegen.
Es dürfte sich sehr empfehlen, das Flußbett zwischen der Eisenbahn und der Neuenmühle möglichst zu begradigen und zu erweitern und unterhalb der Stadt zu reinigen, wodurch der Abfluß des Wassers wesentlich gefördert würde.
Sämmtliche Brücken, welche unterhalb des Wehres der Neuenmühle liegen, lassen, wie wir bei der Hochfluth durch Augenschein festgestellt haben, ohne irgend welchen Nachtheil 10 - 20 Kubikmeter Wasser mehr durch, als bei der letzten Hochfluth durchgegangen sind.
Wie bereits oben bemerkt, soll der wesentliche Zweck der größeren Wehre nur darin bestehen, das ankommende Wasser bei Hochfluthen bei geringerer Druckhöhe durchfließen lassen zu können, als es bisher bei den kleineren Wehren der Fall war. Das zur Zeit an der Neuenmühle bestehende Wehr müßte unserer Ansicht nach im allgemeinen Interesse abgebrochen werden, und wir glauben, daß die Stadt ein solches Opfer den enormen Vortheilen gegenüber wohl bringen kann.
Wir sind, da wir nur die Sache vom praktischen und technischen Standpunkte betrachten wollen, nicht im Geringsten über den angerichteten Schaden unterrichtet, wir glauben aber, daß man eine ganze Anzahl Wehre mit dem durch die Ueberschwemmung verloren gegangenen Capital hätte bauen können.
Wir glauben nun die Frage, ob Osnabrück (Neustadt) und namentlich auch das Stahlwerk gegen eine Ueberschwemmung gesichert werden kann, nach Theorie und Praxis im vollen Maaße bejahen zu können.


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