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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Der stramme SA-Mann war „Halbjude″
Zwischenüberschrift:
Rätsel um „Iwan″ Thal gelöst
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Er wusste nicht, dass er zwei jüdische Großeltern hatte. Als er es erfuhr, brachte er sich um. Der Vermessungsinspektor Georg Thal (1905–1940) ist zweifellos ein Opfer der Nazi-Ideologie. Aber er war zugleich strammer″ SA-Mann.
Der Osnabrücker Historiker Peter Niebaum stieß bei seinen Recherchen zur NS-Geschichte auf den Namen Iwan Thal. Dessen Selbstmord war im Preußischen Kulturamt noch Jahre später Gesprächsthema. Niebaum hatte zunächst vermutet, dass der Tod des Vermessungsinspektors im Zusammenhang mit Hitlers Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums von 1933 stand. Damit wollten die Nazis Nicht-Arier″ aus dem Staatsdienst entfernen.
Inzwischen steht aber fest, dass der Gesuchte am 9. April 1940 aus dem Leben ging sieben Jahre nach den ersten Judenverfolgungen, anderthalb Jahre nach der Reichspogromnacht. Neue Erkenntnisse verdankt Peter Niebaum Zeitzeugen, die nach dem Tod des Vermessungsinspektors in der Behörde gearbeitet haben. Sie meldeten sich, nachdem unsere Zeitung das tragische Ende von Iwan Thal aufgegriffen hatte.
Für Peter Niebaum ist das Rätsel um Iwan″ Thal nun aufgeklärt. Zu seiner Überraschung passt hier aber nicht die gängige Schablone, nach der Menschen mit jüdischer Herkunft für nationalsozialistisches Gedankengut resistent waren. Georg Thal wird übereinstimmend als kultivierter, aufmerksamer und kompetenter Mitarbeiter beschrieben, keineswegs als SA-Rüpel. An linientreuen Nazis soll es in der Behörde aber nicht gefehlt haben, heißt es. Einer befestigte im Amt sogar einen SA-Mann aus Pappe, den die Kollegen zu Dienstbeginn mit Heil Hitler″ grüßen mussten.
Niebaum vermutet, dass Georg Thal der Vorname Iwan angehängt wurde, um ihn zu mobben. Vielleicht, weil er 1905 in St. Petersburg zur Welt gekommen war. Es muss den Vermessungsinspektor mehr und mehr gewundert haben, dass er nicht zum Lebenszeitbeamten befördert wurde. Deshalb fuhr er an einem freien Tag mit der Bahn zur vorgesetzten Behörde in Hannover. Dort erfuhr er, dass er kein lupenreiner Arier″ sei und dass er wohl eher mit einer Entlassung als mit einer Beförderung zu rechnen habe.
Thal kehrte nach Osnabrück zurück und ließ sich nach Feierabend in seiner Dienststelle einschließen. Auf der Toilette vergiftete er sich mit Gas. Die elektrischen Sicherungen hatte er zuvor herausgedreht, um keine Menschen zu gefährden.
Woher mochte die Information stammen, dass Georg Thal jüdische Großeltern hatte? Peter Niebaum vermutet, dass die deutschen Behörden nach dem Hitler-Stalin-Pakt vom August 1939 Familiendaten aus St. Petersburg erhielten, die Thal zum Verhängnis wurden. Für den Historiker stellt sich nun eine weitere Frage, die sich als bitterböse Pointe erweisen könnte. War Georg Thal etwa der Mann, der im Amt den SA-Grüßaugust anbrachte?
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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