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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Immer mehr Menschen ohne Wohnung
 
Zahl der Obdachlosen steigt
Zwischenüberschrift:
In Osnabrück leben immer mehr Menschen ohne festen Wohnsitz
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Die Zahl der Wohnungs- und Obdachlosen in Osnabrück ist seit 2015 klar gestiegen. Gab es im November 2015 noch 113 Menschen, die keine Wohnung hatten, waren es Ende 2017 bereits 175. 2015 machten elf davon Platte″, schliefen also tatsächlich auf der Straße und kamen nicht bei Freunden oder Bekannten unter. Derzeit sind es etwa 30. Der katholische Verein für soziale Dienste (SKM), der in Osnabrück für die Wohnungslosenhilfe zuständig ist, erhebt die Werte regelmäßig, indem die Mitarbeiter alle ihnen namentlich bekannten Wohnungslosen zählen. Hinzu kommen noch 42 Bewohner des Laurentiushauses, das der SKM unterhält. Erstmals gibt es eine Warteliste für einen Platz in dem Wohnheim. Die Stadtverwaltung bezeichnet die Lage auf dem Wohnungsmarkt als prekär″.

Immer mehr Menschen in Osnabrück haben kein Dach über dem Kopf. Die gestiegene Zahl der Wohnungs- und Obdachlosen hängt mit der derzeitigen Situation auf dem Wohnungsmarkt zusammen, die die Stadtverwaltung als prekär″ bezeichnet.

Osnabrück. Auch den Mitarbeitern des katholischen Vereins für soziale Dienste (SKM) bereitet die Entwicklung Sorgen. Der SKM ist in Osnabrück zuständig für die Wohnungslosenhilfe. Wir haben steigende Zahlen, die wir eigentlich nicht wollen″, sagt SKM-Geschäftsführer Michael Strob. Seit 29 Jahren arbeitet sein Kollege Heinz Hermann Flint in der ambulanten Wohnungslosenhilfe. In den letzten Jahren kommen auch Leute zu uns, die früher im unteren Segment immer noch eine Wohnung gefunden haben″, sagt er.

Dem SKM sind namentlich zurzeit etwa 30 Menschen bekannt die Platte machen″, also tatsächlich auf der Straße leben und in Garten- oder Abbruchhäusern schlafen. Im November 2015 waren es noch elf, im November 2016 waren es 20.

Die meisten übrigen Wohnungslosen kommen bei Freunden, Bekannten oder Verwandten unter und schlagen sich irgendwie durch. Doch auch deren Zahl ist gestiegen. Im November 2015 waren dem SKM insgesamt 113 Menschen ohne mietvertraglich abgesicherte Wohnung bekannt, im 2016 waren es 148 und 2017 bereits 175 diejenigen, die Platte machen″, sind jeweils eingerechnet. Wie hoch die Dunkelziffer ist, weiß niemand.

Hinzu kommen die 42 Bewohner des Laurentiushauses, der stationären Einrichtung des SKM. Das Wohnheim ist nicht nur voll belegt zurzeit stehen auch noch zwei Frauen und fünf Männer auf der Warteliste, sagt Hausleiter Ferdinand Flohre. Wartelisten hatten wir früher nicht″, sagt Strob. Luxus erwartet die Wohnungslosen m Laurentiushaus nicht. In Wohngruppen bekommen sie für maximal zwei Jahre ein eigenes kleines Zimmer, das mit dem Nötigsten und einem Waschbecken ausgestattet ist; Bad, WC und Küchenzeile teilen sie sich mit mehreren anderen.

Alle Plätze belegt

Im ambulanten Bereich bietet der SKM außerdem 35 Plätze in 25 Wohnungen an, die den Bewohnern etwas mehr Eigenständigkeit als in den Wohngruppen bieten. Regelmäßig schauen dort Sozialarbeiter nach dem Rechten. Auch diese 35 Plätze sind alle belegt.

Der SKM versucht, die Menschen mit diesen Angeboten nach einer Zeit der Obdachlosigkeit wieder auf das Leben in einer eigenen Wohnung vorzubereiten. Sie sollen wieder Boden unter den Füßen bekommen sofern sie noch stehen können″, erläutert SKM-Geschäftsführer Strob. Das muss man so drastisch sagen.″ Das Problem: Wenn sie so weit sind, wieder eine eigene Wohnung zu mieten, haben sie derzeit so gut wie keine Chance, eine zu finden. Ein Viertel der Laurentiushaus-Bewohner sei auf der Suche, sagt Hausleiter Ferdinand Flohre. Auch die Anzahl der Obdachlosen, die die drei städtischen Notunterkünfte nutzen, ist in den vergangenen drei Jahren gestiegen. Der Jahresdurchschnitt lag nach Angaben der Stadtverwaltung 2015 bei rund 25 Menschen, 2016 bei 33 und 2017 bei 35, 5. Bis Mitte des Jahres muss die Stadt die Unterkunft in der Buerschen Straße mit 42 Plätzen räumen, da das verwohnte Haus abgerissen werden soll. Zurzeit sucht die Verwaltung nach einer Alternative.

Damit in der kalten Jahreszeit niemand nachts auf der Straße erfrieren muss, gibt es zusätzlich zu sechs Übernachtungsplätzen im Laurentiushaus in Osnabrück noch die ehrenamtlich und mithilfe von Spendengeldern organisierte warme Platte″, wo Obdachlose die Nacht verbringen können.

Die Grünen im Osnabrücker Rat hatten die Obdach- und Wohnungslosenzahlen erfragt. Im November 2017 hatte die Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Wohnungslosenhilfe eine aktuelle Schätzung zur Menge der wohnungslosen Menschen in Deutschland veröffentlicht. Demnach sollen 2016 etwa 860 000 Menschen ohne Wohnung gewesen sein, die Hälfte davon Flüchtlinge. Die BAG erwartet bis Ende 2018 einen weiteren Anstieg um 40 Prozent. Die Zahlen sind jedoch umstritten, da es sich erstens um eine Schätzung handelt und die BAG zweitens Flüchtlinge mitzählt, die keine eigene Mietwohnung haben, aber in Gemeinschaftsunterkünften leben.

Wie sich die Zahlen in Osnabrück entwickeln werden, dazu gibt die Stadt keine Prognose ab. Der SKM sucht jedoch weiter händeringend Wohnungen, am liebsten Ein-Zimmer-Apartments, so Strob.

Bildtext:
Etwa 30 Menschen machen in Osnabrück zurzeit Platte″, leben und schlafen also auf der Straße so wie hier am Neumarkt. Im November 2015 waren es noch elf.
Luxus bietet das Laurentiushaus nicht trotzdem gibt es erstmals eine Warteliste für eines der 42 Zimmer. Bad und Küche teilen sich die Bewohner in Gruppen.
Den Mitarbeitern des SKM bereitet die Entwicklung Sorgen (von links): Heinz Hermann Flint (ambulante Hilfen), Ferdinand Flohre (stationäre Hilfen) und SKM-Geschäftsführer Michael Strob.
In der Cafeteria des Laurentiushauses können die Bewohner miteinander ins Gespräch kommen.
Fotos:
Gert Westdörp, Jörn Martens

Kommentar
Ins Leere

Sogar die Osnabrücker Verwaltung bezeichnet die Situation auf dem Wohnungsmarkt jetzt schon als prekär″, und das leider zu Recht. Kein Wunder, dass die Zahl der Menschen ohne Wohnung wächst. Das Problem ist erkannt, doch die Lösung lässt weiter auf sich warten.

Die meisten Wohnungslosen sind keine einfache Klientel. Wer sich mehrere Jahre auf der Straße durchgeschlagen hat, dazu womöglich noch alkohol- oder drogenabhängig ist, muss sich an ein geregeltes Leben in den eigenen vier Wänden erst wieder gewöhnen. Der SKM hilft dabei, sowohl ambulant als auch stationär. Aber ohne günstige Wohnungen läuft die beste Sozialarbeit ins Leere.

Man kann es nur gebetsmühlenartig wiederholen: Der soziale Wohnungsbau muss endlich wirksam angekurbelt werden.
Autor:
Sandra Dorn


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