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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
119 Jahre lebendige Schulentwicklung
Zwischenüberschrift:
Rosenplatzschule überstand zwei Kriege und zahllose pädagogische Neuausrichtungen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Die Osnabrücker Schullandschaft kennt nur wenige Konstanten. Namen, Standorte und Strukturen wechseln in dem Tempo, das Demografie, Bildungsziele und Reformeifer vorgeben. Die Rosenplatzschule hat immerhin ihren Namen bewahrt. Sie liegt ja schließlich auch am Rosenplatz.

Osnabrück. Es war allerdings auch nicht exakt ihr Gründungsname. 1899 ging sie als Schule zu St. Johann am Rosenplatz″ an den Start. Daraus lässt sich der Gründungsanlass ablesen: Die erste katholische Volksschule in der Neustadt, die Johannisschule an der Pfaffenstraße im Schatten von St. Johann, platzte aus allen Nähten.

Die Schulvorsteher Tischlermeister Sandkühler und Zigarrenfabrikant van Lindt organisierten den Ankauf der Gärten des Schlachtermeisters Gerhard Essen und der Erben Westerkamp auf der Südseite des Rosenplatzes.

Architekt Franz Xaver Lütz (1840–1898), der beim Bistum gut im Geschäft war und unter anderem auch die neugotische Alexanderkirche in Wallenhorst baute, entwarf 1897 das 14-klassige Schulgebäude nebst sieben Wohnungen für Lehrerinnen und einer Wohnung für den Schulwärter. Lütz starb noch während der Bauzeit, Dombaumeister Alexander Behnes (1843–1924) führte die Bauleitung zu Ende. Am 24. April 1899 nahm die Schule mit 694 Kindern in den Klassen 1 bis 7 den Betrieb auf. 1908 wurde auf der Hofseite eine Turnhalle ergänzt.

1909 eröffnete die Schule in Nahne und 1910 die Overbergschule, was jeweils einen Abgang von Schülern bedeutete und die Raumnot linderte. Dennoch war es unumgänglich, die Wohnungen im zweiten Obergeschoss in zusätzliche Klassenzimmer und einen Zeichensaal umzuwandeln.

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs bedienten sich die Militärbehörden unkonventioneller Orte in der Stadt, um dort Reserve-Einheiten zusammenzuziehen. Schulräume und Turnhallen wurden zeitweilig zu Untersuchungszimmern, Kompanieschreibstuben oder Waffenlagern. In der Rosenplatzschule war in der Mobilmachungszeit das Landsturmbataillon untergebracht.

Auch danach war der Schulbetrieb von Normalität weit entfernt. Häufig fiel der Unterricht aus. Schon allein weil viele jüngere Lehrer zum Militärdienst eingezogen waren. Daneben wurden die Kinder zu Sammelaktionen von Rohstoffen, Metallen und Papier verpflichtet. Der Vaterländische Hilfsdienst″ erwartete, dass sie ihre Kräfte in den Dienst der großen Aufgabe″ stellten, wozu auch Erntehilfe in der Landwirtschaft und Hilfsdienste in Rüstungsbetrieben zählten.

Seit der Jahreswende 1916/ 17 kam noch hinzu, dass aufgrund des Brennstoffmangels Kohleferien″ ausgerufen wurden und die Schule im Winter wochenlang ausfiel.

Schließlich waren es gegen Ende des Krieges die Hamsterfahrten″ aufs Land, die Kinder und Jugendliche den Unterricht schwänzen ließen: Im sogenannten Steckrübenwinter″ war der Kampf gegen den Hunger wichtiger als Rechnen und Gedichtelernen. Das kleine Einmaleins lernten sie ohnehin perfekt auf dem Schwarzmarkt. In der Schulchronik heißt es: Die Schwäche der Kinder infolge Unterernährung machte sie unfähig zu anhaltendem Aufmerken.″ Mittwochs und samstags fehlten viele Kinder wegen Anstehens zum Fleischholen.

Hilfe kam aus Amerika: Religionsgemeinschaften unter Federführung der Quäker schickten im Winter 1920/ 21 Nahrungsmittel. Die Badeanstalt″ im Keller diente als Speiseraum. Bedürftige Kinder erhielten um 10 Uhr ein Brötchen aus feinstem Mehl, einen halben Liter Kakao, Reis und Graupen.

In der Weimarer Republik wurde die Gemeinschaftsschule zur Regelschule, es sei denn, die Elternschaft wünschte weiterhin ausdrücklich eine konfessionelle Prägung. Das war bei der Rosenplatzschule der Fall. 1938 war es damit aber vorbei. Unter den Nazis wurde aus der katholischen Bekenntnisschule eine Deutsche Schule″.

Der Zweite Weltkrieg bescherte der Schule wiederum mannigfache Zweckentfremdungen einzelner Räume und Einquartierungen anderer Schulen. So diente etwa die Turnhalle als Getreidelager. Der Turnunterricht musste auf dem Schulhof stattfinden. Für die vom russischen Winter an der Ostfront überraschten deutschen Soldaten veranlasste das Propagandaministerium eine Wollsammlung. Im Werkraum und im Keller wurde Wolle angenommen, sortiert und umgearbeitet. Auch konnten Osnabrücker hier ihre Skier und Schneeschuhe als Spenden für die Front abliefern.

Palmsonntag 1945 („ Qualmarum″) ließ der letzte Großangriff auf die Stadt nur Ruinen von der Rosenplatzschule übrig. Der Neubau von 1952/ 53 orientierte sich an den alten Proportionen. Über viele Jahre, mit Unterbrechungen bis zu ihrer Auflösung 1988, war die Martin-Luther-Schule in der Rosenplatzschule einquartiert.

Als erster Schule im Regierungsbezirk wurde ihr ein Schulkindergarten angegliedert. Seit 1979 ist sie nur noch Grundschule, die Hauptschuljahrgänge ab Klasse 5 wurden abgegeben. Heute besuchen 207 Kinder die dreizügige offene Ganztagsgrundschule mit Schulkindergarten. Etwa drei Viertel von ihnen haben Migrationshintergrund. Soziale, kulturelle, religiöse und ethnische Vielfalt kennzeichnen die Schülerschaft, was der kommissarische Schulleiter Carsten Böing als sehr bereichernd, aber stellenweise auch herausfordernd″ beschreibt.

Die Stadtgeschichte im Blick: Lesen Sie mehr auf www.noz.de / historisch-os

Bildtexte:
Die 1899 eingeweihte Rosenplatzschule bot in der Anfangszeit Platz für 14 Klassenräume und sieben Lehrerinnen-Wohnungen. Der Blick geht an der Südseite des Rosenplatzes entlang zur Iburger Straße. Am linken Bildrand erhebt sich das Städtische Dienstgebäude von 1902 mit dem Sitz des 2. Polizeireviers.

Ansichtskarte des Verlages Ideal″, 1908 an Fräulein Anna Eichholz in Iburg verschickt, aus der Sammlung Helmut Riecken
Der Schulhof auf der Rückseite der Rosenplatzschule diente im Ersten Weltkrieg als Sammelort für Kriegsgerät aller Art. Im Vordergrund vor der Mauer verläuft die Spichernstraße.
Der Wiederaufbau nach der Kriegszerstörung fiel wesentlich schlichter als der Ursprungsentwurf aus. Immerhin wurden aber die Anzahl der Fensterachsen und die beiden leicht hervorspringenden Seitenrisalite beibehalten.
Fotos:
Sammlung Middendorff/ Vonhöne, Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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