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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Es mangelt an Unterkünften für Flüchtlinge
 
Es wird eng in den Flüchtlingsunterkünften
Zwischenüberschrift:
Bis Ende 2018 muss die Stadt zwei Häuser an der Landwehrstraße räumen – 113 Plätze fallen weg
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Die Stadt Osnabrück muss bis Ende des Jahres zwei ihrer zehn Gemeinschaftsunterkünfte für Flüchtlinge räumen, weil die Mietverträge auslaufen. Mit den beiden ehemaligen Kasernengebäuden an der Landwehrstraße fallen 113 Plätze weg. Zurzeit leben dort 127 Menschen. Das Problem: Alle übrigen Gemeinschaftsunterkünfte im Stadtgebiet sind bereits voll und zum Teil sogar überbelegt. 776 Plätze gibt es die 113 an der Landwehrkaserne eingerechnet. Belegt sind 722. Viele Flüchtlinge, deren Asylverfahren längst abgeschlossen sind, werden auf dem angespannten Wohnungsmarkt nicht fündig und bleiben deshalb in den Gemeinschaftsunterkünften. Im März wird die Stadt erfahren, wie viele weitere Flüchtlinge sie in diesem Jahr aufnehmen muss. Derzeit rechnet die Verwaltung mit rund 400.

Es ist bereits eng in den Osnabrücker Gemeinschaftsunterkünften für Flüchtlinge, und es wird noch enger. Bis Ende des Jahres muss die Stadt die beiden gemieteten ehemaligen Kasernengebäude an der Landwehrstraße räumen und der Zuzug reißt nicht ab.

Osnabrück. Mit den beiden Häusern fallen 113 Plätze weg. Aktuell leben dort 127 Flüchtlinge in Notfällen hätte die Stadt maximal 222 Menschen unterbringen können.

Eigentümerin der beiden Gebäude ist die hundertprozentige Stadtwerke-Tochter Esos, die das Kasernengelände derzeit zu Osnabrücks größtem Neubaugebiet entwickelt. Wir wollen die beiden Gebäude umbauen″, sagt Stadtwerke-Sprecher Marco Hörmeyer. Für welche Art der Nachnutzung sie vorgesehen sind, sagen die Stadtwerke noch nicht.

Klar ist nur: Die Flüchtlinge müssen raus. Doch wohin? Derzeit sind wir auf der Suche nach angemessenem Ersatz″, sagt Klaus Rußwinkel. Der Fachdienstleiter ist derjenige, der sich im Osnabrücker Sozialamt um das Wohnungsmanagement kümmert. Und das ist momentan keine leichte Aufgabe.

Zehn Unterkünfte

Zehn Gemeinschaftsunterkünfte für Flüchtlinge betreibt die Stadt die beiden an der Landwehrstraße eingeschlossen. Und alle sind voll. Die Zahl der offiziellen Plätze beläuft sich nach Angaben der Stadt insgesamt auf 776 belegt sind derzeit 722. Mit Überbelegungen können demnach maximal 996 Flüchtlinge untergebracht werden. Als sozial verträglich erachtet die Stadt jedoch eine Belegung mit lediglich 549 Menschen und von dieser eigenen Zielvorgabe ist Osnabrück weit entfernt. In einer Unterkunft in Eversburg mit 100 Plätzen beispielsweise leben aktuell 124 Flüchtlinge. Die größte Unterkunft befindet sich auf dem Gelände der ehemaligen Limbergkaserne. Von 289 Plätzen sind derzeit 245 belegt.

Neue Quote ab März

Wie viele Geflüchtete Osnabrück in diesem Jahr aufnehmen muss, wird die Stadt im März erfahren, für Anfang des Monats hat das Land die neuen Zuweisungsquoten angekündigt. Wir erwarten nach derzeitigem Stand circa 400 weitere aufzunehmende Personen″, so Rußwinkel.

Wer einmal in einer Gemeinschaftsunterkunft angekommen ist, muss sich wegen des Mangels an günstigen Wohnungen auf einen langen Aufenthalt einstellen. Viele Bewohner, die als Flüchtlinge längst anerkannt sind und manchmal sogar schon einen Job haben, suchen, finden aber keine eigene Wohnung. Da es in Niedersachsen im Gegensatz zu fast allen anderen Bundesländern keine Wohnsitzauflage gibt, konkurrieren sie mit Flüchtlingen aus den ländlichen Regionen um den raren Wohnraum. Viele zieht es in die Oberzentren, obwohl auf dem Land sehr viel mehr freier Wohnraum zur Verfügung steht″, gibt Rußwinkel zu bedenken. Ein weiterer Faktor: Abschiebungen, Rückführungen oder freiwillige Ausreisen würden kaum funktionieren, so Rußwinkel also bleibt es in den Gemeinschaftsunterkünften voll.

Die ohnehin schon angespannte Lage wird zudem dadurch verschärft, dass auch das Mietverhältnis für eine der drei städtischen Obdachlosenunterkünfte im Juli endet, sagt Osnabrücks Sozialdezernent Wolfgang Beckermann. Betroffen ist das Haus in der Buerschen Straße 75 mit sieben Wohnungen. Es gehört den evangelischen Stiftungen Osnabrück, die es abreißen und an seiner Stelle ein neues Wohnhaus mit sechs Sozialwohnungen bauen wollen. Das Haus ist auf″, bringt der Vorstandsvorsitzende der Stiftungen, Johannes Andrews, es lapidar auf den Punkt. Seit 1993 war es als Obdachlosenunterkunft in Betrieb, jetzt ist es verwohnt. 13 Menschen leben dort laut Stadt noch. Flüchtlinge bringt die Stadt dort zwar nicht unter, aber, so Beckermann: Dafür brauchen wir auch Ersatz.″

Und was ist mit dem ehemaligen Finanzamt Osnabrück-Land an der Hannoverschen Straße, das von Februar 2016 bis Februar 2017 als Notunterkunft genutzt wurde? Die Stadt hat darauf keinen Zugriff. Das Land hält es weiterhin als stille Reserve, wie eine Sprecherin der Landesaufnahmebehörde bestätigte. 400 Menschen könnten dort kurzfristig untergebracht werden. Im Gebäude selbst gibt es jedoch kein heißes Leitungswasser, für eine längerfristige Unterbringung wäre es daher ungeeignet, sagt Rußwinkel. Vor zwei Jahren, auf dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle, stellte das Land draußen Duschcontainer auf.

Ziel: Dezentral

Es gibt auch noch mehrere Einzelwohnungen mit 420 Plätzen in 30 Häusern, die die Stadt nutzen kann, so Rußwinkel aber das sind dann Wohnungen, in denen die Menschen langfristig bleiben dezentral untergebracht, wie es das Ziel der Stadt ist, das jedoch nicht immer erreicht wird, wie das Beispiel Limberg zeigt.

Von Grundsatz her ist eine dezentrale Unterbringung im Sinne der Integration am besten″, betont Stadtrat Wolfgang Beckermann und hofft auf weitere Angebote. Wenn man aber keine Alternative findet, muss man das anders machen.″

Flüchtlinge in Osnabrück: Mehr zum Thema lesen Sie im Internet auf noz.de/ os

Bildtext:
Die beiden Flüchtlingsunterkünfte an der Landwehrstraße muss die Stadt Osnabrück bis Ende des Jahres räumen. Die Stadtwerke-Tochter Esos will die Gebäude im Zuge der Entwicklung des Landwehrviertels umbauen.
Foto:
Gert Westdörp

Kommentar
Riesige Herausforderung

Es ist gerade einmal drei Jahre her, dass die Stadt händeringend Raum für die vielen Geflüchteten suchte, die hier ankamen. So gut wie allen deutschen Kommunen ging es so. Turnhallen wurden hergerichtet, Provisorien vorbereitet bis die Zahl der Ankommenden mit der Sperrung der Balkanroute sank.

Heute sucht die Stadt wieder nach Unterkünften, doch die Situation ist eine ganz andere und mindestens ebenso herausfordernd. 4600 Menschen hat Osnabrück aufgenommen und dabei lernen müssen: Benötigt werden keine provisorischen Notunterkünfte, in denen die Geflüchteten für die ersten Wochen ein Dach über dem Kopf haben. Benötigt werden Unterkünfte, in denen sie es zur Not mehrere Monate bis Jahre aushalten können. Nicht weil es da so gemütlich wäre, sondern weil die Suche nach einer richtigen Wohnung fast aussichtslos geworden ist. Das ist das eigentliche Problem.

Der Wohnungsmarkt ist mittlerweile auch in Osnabrück für Menschen mit geringem Einkommen eine Katastrophe. Ob Alleinerziehende, Langzeitarbeitslose oder Flüchtlinge: Sie alle konkurrieren um die wenigen günstigen Mietwohnungen was dazu beiträgt, dass die ursprünglich so positive Stimmung den Flüchtlingen gegenüber zu kippen droht. Dies zu verhindern ist die wahre Herausforderung.
Autor:
Sandra Dorn


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