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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Jeck – oder weg?
 
Wissenswertes zum heutigen Ossensamstag
Zwischenüberschrift:
So halten es heute die Anwohner der Ossensamstagsroute
Artikel:
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Originaltext:
Viele Osnabrücker lieben den Ossensamstag. Anderen ist er herzlich egal solange sie ihm aus dem Weg gehen können. Diese Option haben Anwohner der Zugstrecke nicht.

Osnabrück. Von ihren Fenstern aus blicken sie direkt auf die Straßenparty. Schlagerbässe wummern, Alkoholschwaden liegen in der Luft, und vor der Tür landen leider nicht nur Kamelle, sondern auch Müll, Erbrochenes und Exkremente.

Von der Johannisstraße bis in die Altstadt: Wir waren entlang der Route spazieren und haben mit Anwohnern gesprochen. Wofür entscheiden sie sich heute: Feiern oder fluchen? Verkleiden oder verreisen? Bonbons fangen oder Fenster verrammeln?

Johannisstraße: Für Jonas kommt Karneval zur Unzeit wie eigentlich jedes Jahr. Denn die fünfte Jahreszeit fällt genau in die Klausurenphase des 21-jährigen Jurastudenten. Seine Einzimmerwohnung an der Johannisstraße würde sich eigentlich perfekt für eine Karnevalsparty eignen. Ein Panoramafenster gibt den Blick auf den Start des Zuges frei. Aber Jonas wird es geschlossen halten. Er flieht in die Unibibliothek. Vor zwei Jahren habe ich mal versucht, hier zu lernen und bin gescheitert. Die Kneipe nebenan hat morgens direkt den Soundcheck mit Helene Fischer gemacht. Selbst bei geschlossenem Fenster konnte ich jedes Wort mitsingen.″ Statt sich auf die Klausuren vorzubereiten, schaute Jonas damals die Bundesligakonferenz. Das ging nur mit Kopfhörern. Sonst hätte ich kein Wort verstanden.″

Ein Vordach versperrt Marianne die Sicht auf den Umzug über die Johannisstraße. Deswegen trifft sich die 78-Jährige am Ossensamstag immer mit ihrer Schwester, die ein Stockwerk tiefer wohnt. Hier stellen sie sich ans Fenster, schauen die Wagen an und beobachten die kleinen Kinder beim Kamellesammeln. Das ist wirklich niedlich, und die Eltern geben sich viel Mühe mit den Kostümen″, sagt sie. Sie selbst lasse das Fenster aber geschlossen. Die Bonbons würde ich nicht essen″, sagt die Rentnerin, die seit mehr als 20 Jahren an der Johannisstraße wohnt. Früher seien die Exzesse von Betrunkenen beim Karneval schlimmer gewesen, ist ihr Eindruck. Aber dass die immer so eine Schweinerei hinterlassen müssen! Gläser, Flaschen, Dosen: Das ist doch gefährlich für die Kinder.″

Neumarkt: Dietmar ist neu in Osnabrück. Am Samstagmorgen muss der 49-Jährige noch in Münster arbeiten. Ob ich mittags hier einen Parkplatz bekomme?″, fragt er sich. Sein riesiges Wohnzimmer liegt in einem Obergeschoss am Neumarkt. Der Balkon zeigt zur Straße hin. Ich weiß ja nicht genau, was mich hier erwartet, aber einen Blick werde ich bestimmt runterwerfen″, sagt er.

Möserstraße: Katharina steht eigentlich jeden Tag am Fenster und blickt gemeinsam mit ihrem Sohn nach unten auf die Möserstraße. Ilyas liebt das, er ist ein Jahr alt. Wir schauen immer nach dem Rechten, ob noch alles da ist und was sich seit gestern getan hat″, sagt die 33-Jährige. Am Ossensamstag wird der Kleine besonders viel zu gucken bekommen. Mal sehen, was er davon hält.″ Eine Verkleidung wird Ilyas noch nicht tragen. Dafür ist er noch zu klein.″

Unten im Haus ist eine Pizzeria. Da habe man sich in den vergangenen Jahren immer mit den Nachbarn getroffen, Musik gehört, dem Zug zugejubelt und angestoßen, erzählt Katharina. Vielleicht bekommt Ilyas am Samstag ja sein erstes Stück aus dem Pizzaofen.

Anna kann sich noch gut an den Ossensamstag vor einem Jahr erinnern. Mit ihrem Mitbewohner und ein paar Freunden machten sie es sich auf der breiten Fensterbank in ihrem Zimmer gemütlich, das Richtung Möserstraße zeigt. Mein Mitbewohner hat damals eine Orange geschält und die Schalen nach unten geschmissen. Das hat die Leute so geärgert, dass sie mit Bonbons zurückgeworfen haben. Ich hab noch ein halbes Jahr später beim Aufräumen diese Billigbonbons gefunden″, erzählt die Auszubildende der Ergotherapie. Dieses Jahr bekommt die 22-Jährige Besuch von Freunden aus Hamburg und will das vergangene Jahr noch toppen. Ein bisschen freu ich mich schon drauf. Vielleicht basteln wir einen Kescher, mit dem wir die Bonbons fangen″, überlegt sie.

Ihre Dreier-WG liegt in einem Mehrfamilienhaus, zu dem ein Hinterhof gehört. Die Kehrseite von Volksfesten wie Karneval bemerke man spätestens am nächsten Tag, erzählt Anna. In der Gasse zum Hof verrichteten die Betrunkenen gerne mal ihre Geschäfte – „ klein und groß″.

Markt: Franz-Walter hat nichts dagegen, dass Karnevalisten ihren Ossensamstag feiern er will nur nicht dabei sein. Normalerweise verbringt der 68-jährige Rentner die jecken Tage bei seiner Freundin in Hamburg. Doch die fing sich vor ein paar Tagen eine Grippe ein und konnte keine Zuflucht geben.

Deshalb geht Franz-Walter für zwei Tage ins Hotel. Altweiberfastnacht hat er sich schon ausquartiert, und am Samstag wird er es wieder tun. Sein Schlafzimmer zeigt direkt zum Markt. Gegenüber liegt eine Kneipe, die am Ossensamstag die gesamte Nachbarschaft mit Schlagermusik beschallt. Das ist lauter als ein Düsenjäger″, sagt er. Die Fenster sind vierfach verglast, aber es ist trotzdem nicht auszuhalten.″

Eine Videoumfrage finden Sie auf noz.de. Vom Ossensamstag gibt es dort einen Liveticker.

Bildtexte:
Feiern oder fluchen? Wer an der Route des Ossensamstagszugs wohnt, muss sich entscheiden.
Neumarkt: Dietmar muss morgens arbeiten und fürchtet, mittags keinen Parkplatz mehr zu finden.
Möserstraße: Für den kleinen Ilyas ist es der erste Karneval. Seine Mutter Katharina wird sich mit ihm ans Fenster stellen.
Möserstraße: Anna wird mit Freunden auf der Fensterbank feiern und vielleicht einen Kescher für Kamelle basteln.
Johannisstraße: Anwohnerin Marianne will die verkleideten Kinder am Wegesrand beobachten.
Fotos:
Archiv/ Michael Gründel

Osnabrück. Am heutigen Samstag erreicht der Karneval in Osnabrück mit dem Ossensamstagsumzug seinen Höhepunkt.

Der Zug, der aus 77 Gruppen besteht, startet um 14 Uhr an der Johanniskirche, wo es bereits von 13 Uhr an ein Familienprogramm mit Frank und seinen Freunden″ gibt. Die Narren ziehen über Johannisstraße, Neumarkt, Wittekindstraße, Möserstraße und Kleine Domsfreiheit bis zum Domhof. Auf dem Schulhof der Domschule wird eine Sanitätsstation eingerichtet.

Gegen 16 Uhr werden die Narren zum Rathaussturm auf dem Markt erwartet, wo das Jeckendorf der Schausteller bis in den Abend Speisen, Getränke und musikalische Unterhaltung bereithält. Auch in den meisten Altstadtkneipen dürften vorwiegend karnevalistische Töne angeschlagen werden.

Viele Geschäfte in der Innenstadt haben ihre Öffnungszeiten an den Ossensamstag angepasst und schließen früher als gewohnt. Eine einheitliche Regelung gibt es aber nicht. Einige Läden machen bereits um 13 Uhr zu, andere um 14 oder 15 Uhr. Wieder andere öffnen wie an einem normalen Samstag bis 19 oder 20 Uhr.

Es gibt außerdem Straßen- und Parkhaussperrungen zu beachten: Die Hasestraße ist von Samstag, 11.30 Uhr, bis Sonntag, 8 Uhr, nicht passierbar. Der Neumarkt kann am Samstag von 11.30 bis circa 17 Uhr nicht befahren werden. Die Parkgarage von Galeria-Kaufhof schließt von 13 bis 18 Uhr und das Parkhaus des Modehauses L+ T von 13 bis 17.30 Uhr.
Autor:
Meike Baars, ack


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