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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Sie überlebte Ghetto und Zwangsarbeit
Zwischenüberschrift:
Nazi-Opfer Irmgard Ohl sprach mit Schülern über Verfolgung und Massenmord
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Geschichte aus erster Hand vermittelte jetzt die 81-jährige Holocaust-Überlende Irmgard Ohl etwa 50 Schülern der Volkshochschule (VHS) im Osnabrücker Land. Die ehemalige Osnabrückerin hielt keinen Vortrag, sondern beantwortete ausschließlich die Fragen der wissbegierigen Schüler.
Geboren wurde Irmgard Ohl 1927 in Münster. Aufgewachsen ist sie aber in Osnabrück, wo sie mit ihren Eltern ab November 1932 in der Wiesenstraße lebte. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 musste die Familie in ein Judenhaus″ in der Heger Straße umziehen.
1941 wurden die Ohls mit rund 1000 Menschen aus Osnabrück, Bielefeld und Münster nach Riga verschleppt, wo die Familie zunächst in einem Ghetto lebte und Zwangsarbeit verrichten musste. Insgesamt wurden etwa 25 000 Juden aus dem ehemaligen Reichsgebiet ins Ghetto nach Riga gebracht. Vorher lebten dort 30 000 lettische Juden, die innerhalb von zwei Wochen im Dezember 1941 erschossen wurden. Die Ohls wurden im Rigaer Ghetto in eine Wohnung einer ermordeten Familie einquartiert.
Die Nacht vor der Deportation verbrachte Irmgard Ohl in der Turnhalle der Pottgraben-Schule auf einem Strohlager. Nach Osnabrück kehrten nur sechs Überlebende zurück, berichtete Irmgard Ohl den 18- bis 26-jährigen Schülern, die an der VHS im Osnabrücker Land ihren Realschulabschluss nachholen und das Thema Nationalsozialismus im Geschichtsunterricht behandeln.
Die Nachricht von der Deportation wurde den Ohls etwa sechs Wochen vorher übermittelt. Auf die Frage, ob ihre Eltern nicht an Flucht dachten, antwortete Irmgard Ohl: Mein Vater war sehr blauäugig.″ Er war Bahnbeamter und Frontkämpfer im Ersten Weltkrieg gewesen und da dachte er, ihm und seiner Familie würde nichts passieren. Irmgard Ohls Vater starb im April 1942 in einem Arbeitslager, das 20 Kilometer entfernt von Riga war. Wie, weiß sie bis heute nicht.
Der 14-jährige Teenager und seine Mutter wurden im Juli 1943 aus dem Rigaer Ghetto in das Konzentrationslager Stutthof gebracht. Von dort forderte die AEG sie als Arbeitskräfte an. Obwohl die Verhältnisse schlimm gewesen seien, sagte Irmgard Ohl, dass diese Tätigkeit ihr das Leben gerettet habe. Ein Unteroffizier habe sie und ihre Mutter aus dem KZ geholt und ins AEG-Werk in Thorn gebracht. Nach dem Krieg hat sie von dem Unternehmen eine Entschädigungszahlung erhalten. Das war nicht viel, leider noch zu D-Mark-Zeiten″, bemerkte sie. Am 26. Januar 1945 wurden sie und ihre Mutter im Stutthofer Außenarbeitslager Bromberg von der Roten Armee befreit. Irmgard Ohl war eine der jüngsten Überlebenden. Als das Ghetto in Riga aufgelöst wurde, verschleppten die deutschen Machthaber nicht mehr arbeitsfähige und alte Menschen sowie alle Kinder unter 14 Jahren. Sie wurden in einem Wald bei Riga in Massengräbern erschossen
Nach ihrem Leidensweg sind Mutter und Tochter nach Osnabrück zurückgekehrt, um in der Rolandstraße, der heutigen Alte-Synagogen-Straße, zu wohnen. Warum nicht? Was anderes gab′s gar nicht″, erzählt sie mit Hamburger Akzent. 1955 zog sie mit ihrem Mann an die Waterkant. Heute kommt die Hansestädterin gerne zurück in die Hasestadt, wo sie 1953 im Rathaus geheiratet hat. Irmgard Ohl verfolgt auch das hiesige Geschehen. Über die Stolpersteine-Aktion hat sie sich sehr gefreut. Mit den Seligmanns, für die ein Stein in der Johannisstraße 22 eingesetzt wurde, war sie gut befreundet.
Die Osnabrücker haben nach dem Krieg mit ihnen nicht über den Holocaust geredet. Diejenigen, die Dreck am Stecken hatten, sind uns aus dem Weg gegangen. Es herrschte ein Vakuum.″ Auch mit ihrem heute 53 Jahre alten Sohn hat sie bis jetzt noch nicht über ihre Erlebnisse sprechen können. In die Schulen geht sie dennoch gerne, um offen und frei über die schrecklichen Dinge zu sprechen, die sie erlebt hat: Wenn ich gefragt werde . . . ″
Autor:
tw


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