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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Aufschwung in Schwarz-Weiß
Zwischenüberschrift:
Fotos von Georg Bosselmann zeigen Stadtgeschichte der 50er Jahre
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Beim Stichwort Museum″ denken die meisten Menschen an Ausstellungen. Doch das Präsentieren ist nicht die einzige Aufgabe von Museen. Auch Sammeln und Forschen gehören dazu. Das Museum Industriekultur hat jetzt seine Sammlung erweitert und die Negative aus dem Nachlass des Osnabrücker Fotografen Georg Bosselmann erworben.
Zwölf große Umzugskartons, randvoll mit Negativen, stapeln sich im Flur des Magazingebäudes am Süberweg. Sie zu beschaffen war noch die leichteste Aufgabe für Rolf Spilker, den Leiter des Museums. Denn jetzt müssen die Bilder durchgesehen, ausgewertet und erfasst werden, um sie zu erhalten und für mögliche Ausstellungen aufzubereiten: Die Mitarbeiter des Museums Industriekultur erforschen die Geschichte der Industrialisierung der Region und präsentieren sie in Ausstellungen.
Arbeit im Verborgenen
Kein Mensch hat im Kopf, was sich hinter den Kulissen eines Museums abspielt″, meint Spilker, reibt sich mit der Hand über die Stirn und seufzt leise. Dabei finde die meiste Arbeit abseits der Ausstellungen und zumeist unsichtbar für die Besucher statt.
Studentin Sarah Monique Lücker kennt das Ausmaß dieser Arbeit aus eigener Erfahrung. Nachdem Spilker die Negative vorsortiert hat, geht die Studentin nun die Auswahl durch, scannt die Negative ein, tippt Stichworte in eine Sammeldatei und vergibt Inventarnummern. So können die Fotos später nach verschiedenen Kriterien wiedergefunden werden. Diese Arbeit teilt sich Lücker zwar mit Sören Meyer, einem Kommilitonen von der Universität Osnabrück, dennoch dauert es Wochen, bis alle Bilder erfasst sind.
Wie viele Negative es sind? Spilker und Lücker zucken mit den Schultern und blättern in den kleinen Hüllen aus Pergamentpapier, mit denen die Negative zum Schutz umhüllt sind. Viele″, sagen sie dann schlicht.
Während Sarah Monique Lücker die Bilder erfasst, wandert eine Menge Osnabrücker Wirtschaftsgeschichte durch ihre Hände. Beispielsweise Bilder vom Fahrzeugbau Krebs. Das Unternehmen hat einst Fahrzeuge für spezielle Zwecke umgebaut: Aus Kombis wurden Leichen- oder Krankenwagen, aus Kleintransportern Schauwagen für Gewerbetreibende.
Andere Bilder zeigen die Belegschaft der Firma Vatthauer stolz präsentiert sie den 1000. von ihnen verkauften Magirus Deutz.
Vor allem Gebäude fotografierte Georg Bosselmann (1914–1984) und hielt in den 50er Jahren fest, wie der Aufschwung in das im Krieg zerstörte Osnabrück einzog.
So zeigen einige Bilder die Veränderungen an der Kreuzung Möserstraße/ Wittekindstraße. 1954 wurde hier nicht nur das Postgebäude errichtet, das heute noch steht, sondern auch das der Galeria Kaufhof: Am 7. Juli 1955 öffnete hier das Kaufhaus Merkur seine Pforten für die Kundschaft. Nachfolger war das Kaufhaus Horten.
Mitte der 50er Jahre wurde gegenüber das Gebäude der Sparkasse errichtet. Hier hielt Bosselmann die typische Innenausstattung dieser Zeit fest: schlicht, klar und großzügig, mit geschwungenen Elementen. Eine klare funktionale Linie durchzog die Kundenhalle.
Lieblingsmotiv: Firmen
Er hat zumeist große Firmen fotografiert″, erinnert sich Christa Borchers an ihren ehemaligen Chef. Bosselmann hat sein Atelier 1950 an der Johannisstraße/ Ecke Große Rosenstraße eröffnet. 1968 hat Borchers als Lehrling bei ihm angefangen. Sie blieb über Jahrzehnte und war zwischenzeitlich in Wolfsburg tätig, bis sie das Atelier Bosselmanns 1980 mit ihrem Mann übernahm.
Dazu gehörten auch die Negative, die sie jetzt an das Museum verkauft hat. Eine Erleichterung für Borchers: Er hat ja alles aufgehoben, was er aufgenommen hatte.″ Auch für sie selbst waren die Bilder ein interessanter Fundus: Er war ein sehr guter Industriefotograf″, betont sie und: Er hatte einen Blick für die richtige Aufnahme, wohl auch durch sein technisches Verständnis.″ Vor allem die Aufnahmen vom Stahlwerk Osnabrück nennt sie beispielhaft für seine Arbeit.
Stadtgeschichte erhalten
Er war ein strenger Chef″, sagt Christa Borchers. Etwa zehn Angestellte beschäftigte Bosselmann in seinem Atelier. Oft hat sie ihrem damaligen Chef assistiert: Große Aufträge hat er immer selbst gemacht″, erinnert sie und beschreibt Bosselmann als sehr kreativ, sehr genau, sorgsam im Umgang mit seinen Kameras und vielleicht auch ein wenig pingelig″. Allerdings habe sein Ordnungssinn auch auf sie abgefärbt.
So steckt nicht nur Stadtgeschichte in den Kartons mit den Negativen, sondern auch viel persönliche Geschichte. Und auch Rolf Spilker fand in den Kartons Erinnerungen an seine Vergangenheit: Auf einem der Bilder entdeckte er den Laden, in dem er als Kind mit einer metallenen Kanne Milch gekauft hat.
Solche Erinnerungen können wichtig sein, um Fotos zeitlich bestimmen und in einen Zusammenhang einordnen zu können. Deshalb ist es gut, solche Zeugnisse der Stadtgeschichte zeitnah zu archivieren auch wenn Rolf Spilker noch nicht weiß, wie die Bilder eines Tages in eine Ausstellung einfließen. Möglichkeiten gibt es vieleangesichts der zahlreichen Aufnahmen, die Bosselmann hinterlassen hat. Nur eins fehlt in der Sammlung: ein Porträt des Fotografen.

Bildtexte:
Klar und funktional: Hochmodern präsentierte sich die Halle der Sparkassenfiliale am Wittekindplatz kurz nach ihrer Eröffnung Mitte der 50er Jahre. Farbfotografie war damals noch recht teuer.
Stolze Belegschaft: Die Firma Vatthauer & Co nahm Bosselmann auf dem Gelände des Unternehmens auf. Anlass war der 1000. verkaufte Magirus Deutz.
Mit dem Tankwagen wurde das Bier früher angeliefert. Ein Fahrzeug der Dortmunder Aktienbrauerei nahm Bosselmann in Osnabrück auf.
Merkur heißt jetzt Galeria: Am 7. Juli 1955 eröffnete das Kaufhaus, das zwischenheitlich unter dem Namen Horten betrieben wurde. 40 000 Menschen sollen hier bei der Eröffnung durchgeströmt sein.
Mitte der 50er Jahre wurde an der Wittekindstraße kräftig gebaut. 1954 entstanden das neue Postgebäude (Mitte) und die Filiale der Sparkasse. Im Hintergrund: der Gasometer.

Fotos:
Georg Bosselmann
Autor:
Marie-Luise Braun


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