User Online: 1 | Timeout: 08:18Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Ein Eigitter für die Liebesschlösser
 
Ein Ei für die Liebelei
Zwischenüberschrift:
Worüber sich Osnabrück Gedanken macht – Ein Platz für die Liebesschlösser
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Wohin mit den Liebesschlössern, die Osnabrücks Brücken beschweren und vorzeitig rosten lassen? Diese Frage treibt die Verantwortlichen der Stadt schon seit Monaten um. Nun gibt es einen Standortvorschlag und sogar eine Skizze, wie das Denkmal metallgewordener Liebesschwüre aussehen könnte.

Der Künstler Volker-Johannes Trieb hat sich der Frage angenommen und ein Eigitter aus Edelstahl entworfen, an dem Liebestolle aus nah und fern in Zukunft ihre inniglichsten Gefühle in Form von profanen Vorhängeschlössern ketten können. Standort des Gebildes soll an der Neuen Mühle im Bereich Heinrich-Heine-Straße sein.

Was das Ei des Künstlers kosten könnte, ist noch nicht klar. Nur für die Übernahme der Planungskosten hatte sich schon ein Sponsor gemeldet.

Seitdem Liebende auf die Idee gekommen sind, ihr Glück durch an Brücken befestigte Vorhängeschlösser einer breiten Öffentlichkeit zu dokumentieren, ächzen die Tragwerke unter der Last des überflüssigen Metalls. Osnabrück will den rostenden Liebesbeweisen zu Leibe rücken und sucht einen neuen Standort für die Schlösser.

Osnabrück. Dem Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt kommt die ehrenvolle Aufgabe zu, sich maßgeblich an der Standortsuche und dem Design der Schlosshalterung zu beteiligen. In ihrer Sitzung am Donnerstag, 8. Februar, um 17 Uhr im Ratssitzungssaal des Rathauses dürfen sich die Kommunalpolitiker gänzlich unprosaisch mit dem Thema man möchte es ja fast schon Liebe im Zeitalter von Heavy Metal nennen beschäftigen. Denn für die Liebesschlösser bedarf es einer stabilen Konstruktion, die all die vielen Schloss gewordenen Schwüre Osnabrücker Pärchen tragen kann.

Amor sei Dank, hat sich zumindest für die Planungen nicht nur ein Sponsor gefunden, sondern mit Volker-Johannes Trieb auch ein namhafter Sohn dieser Stadt, der sich als Künstler im Umgang mit Metall durchaus einen guten Ruf erarbeitet hat. Die Kulturverwaltung hatte Trieb um einen gestalterischen Vorschlag gebeten. Der Künstler hat geliefert, und der StUA darf den Entwurf nun in Form einer Verwaltungsmitteilung begutachten und diskutieren.

Der im Stadtteil Sutthausen ansässige Trieb sieht die Zukunft der Liebesschlösser im Bereich der sogenannten Bastion″ an der Neuen Mühle im Bereich Heinrich-Heine-Straße. Mit diesem Standort ist die Vorgabe wassernaher Standort″ erfüllt. Der Künstler halte den Ort für perfekt″ mit einem wunderschönen Blick auf die Hase″, lässt die Verwaltung in ihrem Papier wissen. Wenn die bereits an den Hasebrücken verbauten Schlösser im Frühjahr entfernt werden, sollen diese, so niemand einen Anspruch erhebt, weiter verwendet werden. Bleiben also Schlösser übrig vielleicht weil die Liebe am Ende doch nicht so haltbar war wie Stahl –, sollen sie, zu einer Standplatte verarbeitet, die Basis bilden für eine begehbare, mit einer Bank aus Eichenholz möblierten ei-förmige Installation aus einem Geflecht aus Edelstahlstäben. Dieses Ei der Liebe wird nach den Vorstellungen Triebs etwa 3, 80 Meter lang und etwa 2, 20 Meter hoch werden. An das Gitter können dann zukünftig Liebende ihre Schlösser hängen. Und noch einmal lässt die Verwaltung in ihrer Mitteilungsvorlage den Künstler zwecks näherer Erläuterung seiner Idee zu Wort kommen: Seine Ei-Form nimmt Bezug auf das Ei als Symbol neuen Lebens, der Schöpfung, der Fruchtbarkeit. Das Ei, die Keimzelle menschlichen Glücks, konkret oder sinnbildlich. Das Ei, die Keimzelle des Wandels der Zukunft. Ein Kraftort mit Aufforderungscharakter durch das in der Standplatte gespeicherte Glück, durch das hinzukommende das Wandnischen füllt.″

Den Eingangsbereich zu diesem Glücksort soll eine Texttafel akzentuieren″. Auf ihr soll folgender Satz stehen: Sag mir, dass du mich liebst.″ Diese Worte richtete in ihrer profanen Schönheit einst der Osnabrücker Erich Maria Remarque in einem Liebesbrief an keine Geringere als Marlene Dietrich.

Zu den Kosten macht die Mitteilungsvorlage keine Mitteilung. Die Planungskosten übernimmt, wie schon erwähnt, ein Sponsor. Alles Weitere wird man sehen müssen. Sobald die Kosten für die Installation konkretisiert werden können, ist ein Beschluss über die weitere Finanzierung herbeizuführen″, heißt es dazu eher lieblos seitens der Verwaltung zu diesem Liebesthema. Ach so, das soll hier nicht vergessen werden: Die im Frühjahr dieses Jahres abzubauenden Liebesschlösser an den Brücken werden bis zur Realisierung einer solchen Installation auf dem Bauhof zwischengelagert.″ Wer also sein Schloss wiederhaben möchte, kann da ja mal nachschauen. Und wenn es für die Liebe nicht mehr reicht, lässt sich ja vielleicht noch eine Schuppentür damit sichern wenn es denn noch einen Schlüssel gibt.

Mehr aktuelle Nachrichten, Hintergründe und Analysen lesen Sie im Internet auf noz.de

Bildtexte:
Das Eigitter als Glücksort für Liebende und ihre Liebesschlösser, wie es sich der Künstler Volker-Johannes Trieb im Bereich der sogenannten Bastion″ an der Neuen Mühle an der Heinrich-Heine-Straße vorstellt.
So sieht der mögliche Platz für das Eigitter heute aus. Der Baum würde der Liebesschlösserhalterung wahrscheinlich weichen müssAn der Konrad-Bäumer-Brücke haben Paare Vorhängeschlösser, sogenannte Liebesschlösser, als Zeichen ihrer Liebe angebracht.en.

Skizze:
Volker-Johannes Trieb
Fotos:
Michael Gründel

Kommentar
Kuckucksei

Ein Eigitter für Liebesschlösser? Kann man machen, muss man aber nicht. Der vermeintliche Brauch, rostende Vorhängeschlösser als Liebesbeweis an Brückengeländer zu schließen, ist an sich schon eher befremdlich. Ob dieser Trend (mehr ist es wohl kaum) dann auch noch von einer Kommune gefördert werden muss, erscheint zumindest so lange fraglich, wie Menschen ohne Wohnung sind, wie Schulen marode vor sich hinschimmeln und in Turnhallen Slalomkurse um Regenpfützen gebaut werden.

Nur weil in anderen Städten dieser putzige Blödsinn mit den Schlössern praktiziert wird, muss das in Osnabrück ja nicht auch stattfinden. Und wenn es dann doch sein soll, so sind Politik und Verwaltung gut beraten, für ein Eigitter nicht einen Cent auszugeben. Zumal nicht garantiert ist, dass die Liebestollen ihre Schlösser nicht doch weiter an den Hasebrücken befestigen. Sollte sich ein Sponsor finden, der einen Trend zum Brauch erheben will, dann sei es drum, aber bitte kostenneutral für die Allgemeinheit.
Autor:
Dietmar Kröger


Anfang der Liste Ende der Liste