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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Verbot für Glyphosat in Osnabrück?
 
Grüne wollen Glyphosat verbieten
Zwischenüberschrift:
Ratsantrag für Nutzflächen, die die Stadt an Dritte verpachtet
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Die Osnabrücker Grünen wollen den Einsatz von Glyphosat auf Nutzflächen verbieten, die die Stadt an Dritte verpachtet hat. Dazu hat die Fraktion einen Antrag verfasst, der heute im Rat behandelt wird. Linke und UWG/ Piraten haben einen ähnlichen Antrag eingebracht. Rund 145 Hektar Land sind im Besitz der Stadt, die Pachtverträge haben unterschiedliche Laufzeiten, wie es auf Anfrage unserer Redaktion aus der Verwaltung hieß. Neben einem Glyphosat-Verbot fordern die Grünen außerdem, dass die Stadt darauf hinwirkt, dass der Einsatz von allen Pestiziden, Herbiziden und Insektiziden auf den von der Stadt verpachteten Flächen so weit eingeschränkt wird, dass Naturhaushalt und Artenvielfalt nicht beeinträchtigt werden″. Die Ratssitzung beginnt um 17 Uhr.

Kein Glyphosat auf Flächen, die die Stadt verpachtet: Die Osnabrücker Grünen wollen in der heutigen Ratssitzung ein solches Verbot durchsetzen und außerdem den Einsatz anderer Pestizide so weit wie möglich eindämmen.

Osnabrück. Außerdem soll die Stadt prüfen, wie der Einsatz von diesen Stoffen in Kleingärten und im privaten Bereich zum Beispiel durch verbesserte Information verringert werden kann″, heißt es in einem entsprechenden Antrag.

Rund 145 Hektar landwirtschaftliche Flächen befinden sich im Besitz der Stadt, wie Gerhard Meyering aus der Pressestelle der Stadt unserer Redaktion auf Anfrage mitteilte. Ein Vergleich zur Größenordnung: Das Landwehrviertel in Atter, Osnabrücks größtes Neubaugebiet seit dem Zweiten Weltkrieg, in dem einmal 3000 Menschen leben sollen, ist 37 Hektar groß. Jeder Pachtvertrag sei anders, mit unterschiedlichen Laufzeiten, so Meyering.

Osnabrück wäre nicht die erste Kommune, die Pächtern beim Abschluss oder der Verlängerung ihrer Verträge ein Glyphosat-Verbot vorschreibt. Im Dezember beschloss der Artländer Samtgemeinderat, den Einsatz des Herbizids auf kommunalen verpachteten Flächen zu untersagen, dort sind es 60 Hektar.

Glyphosat ist das weltweit am häufigsten verkaufte Unkrautvernichtungsmittel. Der Saatguthersteller Monsanto vertreibt es unter dem Markennamen Roundup. Die EU-Kommission hat die Zulassung des umstrittenen Pestizids Ende vorigen Jahres um weitere fünf Jahre verlängert. Es steht im Verdacht, Krebs zu erregen, und in der Kritik, da es Begleitgrün auf den Äckern vernichtet und Insekten damit die Nahrungsgrundlage entzieht. Unter anderem das Umweltbundesamt sieht erhebliche Folgen für die Artenvielfalt von Insekten bis hin zu Vögeln, die mit den Insekten ihre Nahrungsgrundlage verlieren.

Einen ähnlichen Verbotsantrag wie die Osnabrücker Grünen haben auch Linke und UWG/ Piraten gestellt. Sie wollen außerdem festschreiben, dass die Stadt und ihre Eigenbetriebe auch künftig auf den Einsatz von Glyphosat und Neonikotinoiden verzichten.

Neonikotinoide sind Insektizide. Es gibt diverse Studien, die einen schädlichen Einfluss unter anderem auf das Nervensystem von (Wild-) Bienen und Hummeln festgestellt haben.Die Leitlinien über die Anwendung der Pestizide gibt die EU vor. Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) hat im November in Brüssel für die weitere Zulassung von Glyphosat gestimmt und damit die SPD brüskiert, deren Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) gegen die Zulassung ist.

Der Osnabrücker Servicebetrieb (OSB) und die Vorgängerabteilung Grünflächenabteilung setzen bereits seit mehr als 30 Jahren keine Herbizide mehr ein, teilte OSB-Pressesprecherin Katrin Hofmann auf Anfrage mit.

Weitere Themen im Rat

In einer Aktuellen Stunde will sich der Osnabrücker Rat heute zuallererst mit dem Thema Klimaschutz befassen. Außerdem auf der Tagesordnung steht ein Antrag von Grünen, FDP, Linken, UWG/ Piraten und BOB, die sich gegen die von CDU und SPD auf Landesebene vorgesehene Entmachtung kleiner Fraktionen in den kommunalen Räten wehren. Die Schulentwicklung wird ebenfalls Thema sein und nicht zuletzt der Neumarkt. Nachdem das Oberverwaltungsgericht Lüneburg die Sperrung des Neumarktes wieder aufgehoben hat, schlägt die Verwaltung vor, den Ratsbeschluss zur Neugestaltung des Areals wieder aufzuheben. Die Planungen sollten so aussehen, dass die Nutzung durch den motorisierten Individualverkehr weitgehend ausgeschlossen ist.

Live-Ticker aus dem Rat: heute ab 17 Uhr im Internet auf noz.de / os

Kommentar
Ein Zeichen

Es wäre ein Zeichen nicht mehr, aber auch nicht weniger: Falls die Stadt den Pächtern ihrer Ackerflächen künftig die Verwendung von Glyphosat verbietet, wird sie die Insektenwelt damit nicht vor dem Sterben retten, aber mit gutem Beispiel vorangehen.

Auch in Osnabrück sind Feldvögel bedroht, und um die Wildbienen ist es schlecht bestellt. Experten bezeichnen längst die Städte als Futteroasen. In Gärten finden Insekten noch ein reiches Futterangebot auf den Feldern nicht mehr. In der Stadt gibt es zudem Initiativen wie das Bienenbündnis, die etwas gegen das Artensterben tun.

Doch um wirklich einen Effekt zu erzielen, bräuchte es Pestizidverbote auf Bundes- und EU-Ebene und die sind wegen des mächtigen Einflusses der Agrarlobby nicht in Sicht. Gerade erst hat die EU-Kommission Glyphosat für weitere fünf Jahre zugelassen und Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) stimmte im Alleingang mit dafür.

Da ist es gut, wenn zumindest die Kommunen das wenige tun, das in ihrer Macht steht.
Autor:
Sandra Dorn


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