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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Autobauer wegen Schadstofftests am Pranger
 
Skandal oder normal?
 
Städtetag macht bei Feinstaub Druck – Hofreiter nennt Bund fahrlässig
Zwischenüberschrift:
Kanzlerin Merkel verlangt Aufklärung
 
Gesundheitstests sind nicht ungewöhnlich, doch diesmal schlägt einer hohe Wellen
Artikel:
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Originaltext:
Affen mussten Dieselabgase einatmen, dazu der Verdacht auf Versuche an Menschen: Mit umstrittenen Schadstofftests haben sich Deutschlands Autobauer schlagartig wieder mitten in den Abgasskandal katapultiert.

Wolfsburg. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verurteilte die Diesel-Schadstoffversuche an Affen scharf und forderte Aufklärung. Bundesverkehrsminister Christian Schmidt (CSU) sprach von einem gestörten Vertrauen in die Autoindustrie. Diese Tests an Affen oder sogar Menschen sind ethisch in keiner Weise zu rechtfertigen″, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin.

Denn zuvor war sogar der Verdacht aufgekommen, dass es im Abgasskandal Schadstofftests nicht nur mit Affen, sondern auch mit Menschen gegeben haben soll. VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch teilte mit: Im Namen des gesamten Aufsichtsrates distanziere ich mich mit allem Nachdruck von derlei Praktiken.″ Die Vorgänge müssten vorbehaltlos und vollständig aufgeklärt werden″.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil forderte umfassende Aufklärung, Betriebsratschef Bernd Osterloh verlangte personelle Konsequenzen. Weil bezeichnete die Versuche zunächst als absurd und widerlich″, schränkte aber später ein, maßgeblich sei der Zweck solcher Testreihen. Gehe es darum, die Belastung am Arbeitsplatz zu testen, lasse sich das vertreten, so Weil. Dienten die Testreihen Marketing und Verkaufsförderung, fällt mir keine auch nur von ferne akzeptable Begründung für ein solches Vorgehen ein″.

Auch der Verband der Automobilindustrie (VDA) hat die Schadstofftests mit Affen verurteilt. Der Verband distanzierte sich wie die betroffenen Unternehmen VW, Daimler und BMW von den Vorgängen. Hier zeigt sich einmal mehr: Technik und Wissenschaft müssen sich grundsätzlich im Rahmen des gesellschaftlich und ethisch Verantwortbaren bewegen″, sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann unserer Redaktion. Diese Balance zu halten sei eine ständige Aufgabe für jede Industrie. Ohne ethisches Fundament gewinnt man keine Zukunft″, betonte Wissmann.

Der geschäftsführende Ressortchef Schmidt betonte, er sei als Verkehrsminister und auch als Tierschutzminister in keiner Weise bereit, solche Verhaltensweisen hinzunehmen″. Die betroffenen Hersteller seien zu einer Sondersitzung der Untersuchungskommission des Verkehrsministeriums zum Abgasskandal gebeten worden und sollten dort umgehend und detailliert informieren. Der Verdacht, dass mit Menschen experimentiert worden sei, war aus einem Report des Lobby-Instituts EUGT hervorgegangen, über den Stuttgarter Zeitung″ und Süddeutsche Zeitung″ berichtet hatten.

Diesem Vorwurf trat allerdings der zuständige Institutsleiter Thomas Kraus von der Universität Aachen entgegen: Eine entsprechende Studie befasse sich nicht mit der Dieselbelastung von Menschen. In der Studie von 2013 lange vor Bekanntwerden des VW-Dieselskandals gehe es um den Stickstoffdioxidgrenzwert am Arbeitsplatz, sagte er. 25 gesunde Menschen seien Konzentrationen ausgesetzt worden, die unterhalb der Belastung am Arbeitsplatz lägen. Die Ethikkommission der Uniklinik Aachen habe die 2016 veröffentlichte Studie geprüft und genehmigt.

Stickstoffdioxid (NO2) ist der Schadstoff, dessen Messwerte von VW in den USA jahrelang manipuliert worden waren, um die gesetzlichen Grenzwerte für Dieselfahrzeuge offiziell einzuhalten. Tierversuche beim Test von Dieselabgasen, die durch US-Ermittlungen zur VW-Abgasaffäre bekannt geworden waren, hatten Empörung ausgelöst.

Der Dieselskandal: Mehr dazu lesen Sie auf noz.de/ vw

Bildtext:
Als wäre die Abgasmanipulation nicht schon schlimm genug: Deutschlands Autobauer ließen Affen zu Testzwecken Dieselabgase einatmen.
Foto:
imago/ JOKER

Kommentar
Dumm, dümmer, Dieselhersteller

Gesundheitsgefahren als Hersteller wissenschaftlich untersuchen zu lassen ist zunächst einmal ja nicht verwerflich. Aber Menschen dazu giftiges Gas einatmen zu lassen hätte bei jedem, der mit den Mechanismen öffentlicher Prozesse vertraut ist, Alarm auslösen müssen. Die Wirkung von Tierversuchen im Dienste der Automobilindustrie ist nicht viel besser.

Immerhin, die Arbeit der merkwürdigen Branchenvereinigung EUGT wurde bereits eingestellt und ihre Sinnlosigkeit, genauer: ihr Risiko für das Image der Hersteller erkannt. Somit bleiben die bekannt gewordenen Messungen eine Fußnote eines Wirtschaftskrimis, in dem VW, Daimler & Co so ziemlich alles falsch gemacht haben, was man falsch machen kann. Besonders bitter ist das, weil neue Diesel eine vorzügliche Bilanz haben. Zugleich wird immer sichtbarer, dass der vermeintliche Branchenkiller Tesla Probleme hat, E-Mobilität ungelöste Fragen aufwirft, Gerichte die Umwelthilfe in ihren Gelüsten beschneiden und die E-Strategien etablierter Hersteller durchaus greifen, während die Brennstoffzelle zunehmend diskutiert wird.

Auch die Abgas-Versuche sind nicht per se zu verurteilen. Wie will man die Gefahren von Stickoxid bewerten, ohne die Effekte je gemessen zu haben? Die Vorstellung eines Affen im Käfig reduziert die Komplexität nun allerdings beträchtlich, denn sie illustriert Skrupellosigkeit besser, als jeder Dieselkritiker es sich hätte ausdenken können.

Firmen unterstützen Studien an öffentlichen Forschungseinrichtungen. So bekannt, so normal. Doch eine Untersuchung zu Stickstoffdioxid sorgt für Aufregung.

Osnabrück/ Berlin. Eine Forschungsvereinigung deutscher Autobauer hat eine Studie an der Universität Aachen finanziell gefördert, die die Wirkung von Stickstoffdioxid (NO2) auf den menschlichen Körper untersucht. Doch was genau steckt hinter der Untersuchung in Aachen? Und sind solche Tests an Menschen üblich? Einige Antworten.

Was genau wurde gemacht? Es ging darum, die gesundheitlichen Auswirkungen verschiedener NO2-Konzentrationen auf die Gesundheit zu testen. Dafür verbrachten 25 Probanden, laut den Forschern in erster Linie Studenten, jeweils drei Stunden in einem rund 40 Quadratmeter großen Versuchsraum, in den das Gas eingeleitet wurde. Institutsleiter Thomas Kraus erklärte, die Konzentrationen seien vergleichbar mit der in der Umwelt vorhandenen gewesen. Die Probanden hatten der Teilnahme zugestimmt.

Was kam heraus? Die Forscher nahmen unter anderem die Lungenfunktion und Blutwerte der Probanden unter die Lupe. Dabei stellten sie fest, dass die Daten keine beträchtlichen akuten Negativwirkungen″ bei den Probanden nahelegten.

Sind solche Studien ethisch vertretbar? Bei geplanten Studien mit Menschen am Aachener Universitätsklinikum muss grundsätzlich die Ethikkommission zustimmen. Die Zustimmung sei nachvollziehbar, wie ein Sprecher des Uni-Klinikums meinte: Wenn Probanden einem Stoff unterhalb des Grenzwertes ausgesetzt würden, sei das per Definition nicht problematisch. Das seien Werte, wie sie ein Lkw-Fahrer oder ein Busfahrer jeden Tag erlebe. In einem modellhaften Versuch sei es durchaus statthaft, Menschen einmal einem solchen Einfluss auszusetzen.

Ging es bei der Untersuchung um Autoabgase? Nein. Der Fokus lag nicht auf Autoabgasen. Die Tests seien zudem im Jahr 2013 und damit vor Bekanntwerden des VW-Dieselskandals gemacht worden, sagte Institutsleiter Thomas Kraus.

Wie gängig sind solche Untersuchungen? Eigentlich, sagten Wissenschaftler gestern unserer Redaktion, müsste man Schadstoff-Untersuchungen wie die jetzt bekannt gewordene in Aachen sogar häufiger machen. Angesichts der allgemeinen Unklarheit und der zahlreichen, häufig politisch getriebenen Auseinandersetzungen über die richtige Höhe von Grenzwerten sowie der international oft verschiedenen Schwellenwerte sei die Forschung gefragt, heißt es bei ihnen ohne dass sich ein Gesprächspartner angesichts der aktuellen Debatte namentlich würde zitieren lassen wollen.

Ihr Hinweis gilt allerdings dem Umstand, dass die Versuchspersonen im konkreten Fall ja einer Konzentration unterhalb des Grenzwertes ausgesetzt worden seien, um festzustellen, ob der Wert für Stickoxid in Innenräumen nicht womöglich zu niedrig angesetzt worden sei. Eine solche empirische Messung sei nötig und sinnvoll gewesen, weil die Deutsche Forschungsgemeinschaft darauf hingewiesen habe, dass anders als bei einigen anderen Grenzwerten die Datenlage für Stickoxid unzureichend sei. Auf Basis dieser Einschätzung erfolgte der Aachener Versuch, und zwar im Kontext der Belastung in Innenräumen von Arbeitsplätzen, nicht etwa auf Veranlassung der Automobilhersteller mit Blick auf Abgase in der Außenluft.

Vergleichbar sei etwa die Messung von Gewebereaktionen auf Handystrahlen, wobei stets die Maßgabe gelte, dass zwar Reaktionen des Körpers gemessen werden sollen, gesundheitliche Schäden damit aber nach menschlichem Ermessen nicht zu erwarten sind, was bei manchen Arzneimittelstudien schon einmal anders gelagert sein kann.

Gibt es einen Zusammenhang der Aachener Versuche mit den Affentests? Institutsleiter Kraus erklärte, es gebe keinen Zusammenhang zu den Abgas-Versuchen mit Affen in den USA, außer dass die von den Konzernen VW, Daimler und BMW gegründete Europäische Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor (EUGT) beide Vorhaben förderte.

In Aachen sei dies transparent ausgewiesen worden, ferner seien die Forscher aber in keinster Weise″ beeinflusst worden, womit die Kriterien für gängige Drittmittelforschung vollständig eingehalten worden seien.

Auch Volkswagen widersprach dem Anschein, die Schadstoffversuche mit Menschen stünden im Zusammenhang mit der Dieselaffäre. Ab Anfang 2016 habe Volkswagen die grundsätzliche Frage aufgeworfen, ob eine solche Einrichtung wie EUGT noch zeitgemäß und sinnvoll sei. Dafür seien sowohl inhaltliche als auch wirtschaftliche und personelle Gründe mit ausschlaggebend gewesen. Zum 30. Juni 2017 sei die EUGT aufgelöst worden.

Bildtext:
Nicht einatmen! Mit Mundschutz und einer plakativen Aufschrift demonstrieren diese Frauen gegen Dieselabgase.
Foto:
dpa

Abgase

Wenn Du an einer viel befahrenen Straße stehst, kann das ziemlich unangenehm riechen. Das, was da aus dem Auspuff der Fahrzeuge kommt, nennt man Abgase. Es sind Abfallprodukte, die entstehen, wenn etwas verbrannt wird. Bei einem Auto wird der Treibstoff, zum Beispiel Benzin oder Diesel, meist im Motor verbrannt. Abgase bezeichnet man auch als Schadstoffe, da die meisten für den Menschen und die Umwelt schädlich sind. Manche Abgase kann man weder sehen noch riechen. Deswegen sind sie besonders gefährlich, weil man nicht merkt, dass man sie einatmet. Das kann nämlich zu gesundheitlichen Problemen führen. Zu den Schadstoffen gehören verschiedene chemische Verbindungen.

Damit nicht zu viele der Abgase die Luft verpesten, gibt es eine Abgasnorm. Diese schreibt vor, wie viele Schadstoffe höchstens von einem Kraftfahrzeug ausgestoßen werden dürfen. Die Grenzwerte sind für jedes Fahrzeug und jeden Motor unterschiedlich. Unternehmen müssen dafür sorgen, dass die Grenzwerte nicht überschritten werden.

Berlin. Der Deutsche Städtetag hat vor dem heutigen Stickoxid-Gipfel in Brüssel die Automobilindustrie zu rascherem Handeln aufgefordert. Die drohende EU-Klage gegen Deutschland zeigt den Ernst der Lage. Die Stickoxid-Emissionen müssen so schnell wie möglich sinken″, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, Helmut Dedy, unserer Redaktion. Dedy forderte die Konzerne auf, Dieselfahrzeuge sauberer zu machen und endlich darzulegen, was die Software-Updates in der Praxis tatsächlich bewirken″. Im Verkehr in der Stadt verursachten Diesel-Pkw bis zu drei Viertel der Stickoxid-Emissionen, unterstrich der Hauptgeschäftsführer des Städtetags.

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter forderte derweil die Bundesregierung auf, aus ihrem Tiefschlaf zu erwachen″ und endlich wirksame Maßnahmen für die Gesundheit und die Umwelt einzuleiten. Hofreiter sagte unserer Redaktion, die Tatenlosigkeit des Kabinetts sei angesichts alarmierender Feinstaubwerte atemberaubend″. Die gesetzlichen Bestimmungen zum Gesundheitsschutz seien jahrelang geflissentlich ignoriert″ worden. Der Grünen-Fraktionschef nannte es peinlich und fahrlässig″, dass die Große Koalition alle Warnsignale aus Brüssel missachtet habe und sich nun eine unnötige Klage der EU einhandeln könnte. Die Große Koalition spielt mit dem Feuer. Sollte es zu Fahrverboten kommen, gehen diese auf das Konto von Union und SPD″, so Hofreiter. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) reist heute zu dem Stickoxid-Krisengipfel nach Brüssel, um eine EU-Klage abzuwenden.

Der Städtetag mahnte die Koalitionsunterhändler von Union und SPD, die blaue Plakette für schadstoffarme Autos einzuführen. Die Städte wollen Fahrverbote vermeiden und die Gesundheit der Bürger schützen″, erklärte Hauptgeschäftsführer Dedy. Falls aber Gerichte Fahrverbote anordneten, sei die blaue Plakette ein vernünftiges Mittel, damit nicht alle Dieselautos ausgesperrt werden müssten.
Autor:
dpa, ten, Burkhard Ewert, Valentin Frimmer, Yuriko Wahl-Immel, nib, Beate Tenfelde


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