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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Wohin, wenn die Blase drückt?
 
Wenn sich plötzlich die Toilettentür öffnet …
Zwischenüberschrift:
Wie die Stadt mit einer Übersicht ihr Toilettenproblem lösen will (das womöglich gar keines ist)
 
Ein paar Highlights aus drei Jahrzehnten öffentlicher Bedürfnisanstalten in Osnabrück
Artikel:
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Originaltext:
Die Osnabrücker Verwaltung soll auflisten, wo es öffentlich zugängliche Toiletten in der Stadt gibt. Das sind nämlich gar nicht so wenige. Die SPD-Fraktion hatte mit einem Ratsantrag zunächst ein umfassendes Konzept für mehr öffentliche Toiletten gefordert. Das ist damit vom Tisch.

Osnabrück. Es gibt mehr Möglichkeiten, sich legal in der Stadt zu erleichtern, als es auf den ersten Blick scheint. Das Toilettenangebot beschränkt sich nicht auf die zwei Anlagen am Dom und an der Johanniskirche, wie Jürgen Wiethäuper vom Fachbereich Bürger und Ordnung anhand einer Karte deutlich machte, die er im Ausschuss für Feuerwehr und Ordnung an die Wand projizierte. Immer mehr bunte Punkte ließ er aufploppen: Da wären zunächst einmal die Toiletten im Rathaus, in der Stadtbibliothek und in den beiden Stadthäusern. Dann die kostenpflichtige Toilettenanlage im Bahnhof und die WCs in den Parkhäusern. Und schließlich all die Einzelhändler, die Kundentoiletten anbieten – „ die sind aber nicht immer leicht und schnell zu finden″, gab Wiethäuper zu bedenken. Richtig bunt wurde die Karte, als er auch noch die Gastronomiebetriebe der Innenstadt mit in die Darstellung nahm, die schließlich auch alle Toiletten vorhalten müssen.

Ein Aha-Erlebnis für die Ausschussmitglieder. Andreas Reinisch-Klaß (SPD) schlug direkt vor, alle öffentlich zugänglichen WCs in eine Übersicht aufzunehmen und damit vom ursprünglichen SPD-Antrag Abstand zu nehmen. Seine Fraktion hatten angeregt, dass die Stadt sich der Initiative Nette Toilette″ anschließen könnte, an der bundesweit bereits mehr als 200 Kommunen beteiligt sind. Teilnehmende Einzelhändler und Gastronomen kleben ein Logo in ihre Fenster, das sie als Nette-Toilette-Standort″ ausweist und im Gegenzug einen Pflegezuschuss von der Kommune. Bei einem Beispiel, das Wiethäuper nannte, waren das jährlich 1000 Euro pro Betrieb.

Wozu kompliziert?

Diese Ausgabe kann sich die Stadt nun aber sparen, da sich der Ausschuss einmütig dafür aussprach, dass die Stadt eine digitale Übersicht der existierenden Toiletten erstellt allerdings ohne teilnahmewillige Gastronomiebetriebe zu berücksichtigen. Das wäre bei dem häufigen Wechsel in der Gastronomie eine Lebensaufgabe″, sagte Wiethäuper. Dafür schlug Christoph Bertels (CDU) vor, die Universität zu fragen, ob sie sich einem solchen Verzeichnis anschließen würde.

Wenn es nach FDP-Ratsmitglied Oliver Hasskamp gegangen wäre, hätte sich die Verwaltung die gesamte Recherche schenken können. Hier wurde ein Bedarf vorgegaukelt, den es gar nicht gibt″, sagte er in Richtung SPD. Wir müssen dem Bürger nicht alles abnehmen, wir brauchen nicht einen Flyer hier und einen Aufkleber da.″ Thomas Klein (Grüne) konterte: Aus der Initiative der SPD ist doch etwas Gutes entstanden. Ich finde, das ist ein ernstes Anliegen.″ In dieselbe Kerbe wie Hasskamp schlug jedoch auch Kerstin Albrecht (BOB): „ Ich habe wirklich eine schwache Blase, und ich habe es noch nirgendwo erlebt, dass mir ein Gastronom einen Toilettengang verwehrt hätte.″ Was Josef Franke (hinzugewähltes Mitglied für die CDU) zu der Frage veranlasste: Darf ein Gastwirt überhaupt den Toilettengang verwehren? Ist das nicht unterlassene Hilfeleistung?

Mehr zum Thema auf noz.de/ os

Bildtext:
Ein Relikt aus alter Zeit: die öffentliche Toilettenanlage an der Johanniskirche.
Foto:
Michael Gründel

Kommentar
Läuft

Mehr als ein Dutzend öffentlicher WCs gab es in den 1980er-Jahren in Osnabrück. Früher oder später war jedes demoliert oder völlig versifft und verschlang in der Unterhaltung trotzdem viel Geld. Übrig geblieben sind daher zu Recht nur die Anlagen an der Johanniskirche und am Dom.

Die Frage, wo man sich in der Stadt zur Not erleichtern kann, ist derweil wichtiger geworden. Vor allem Senioren und Eltern mit kleinen Kindern stellen sie sich und deren Zahl wächst. Anstatt viel Geld für eine Initiative wie die Nette Toilette″ oder gar für völlig neue WC-Anlagen auszugeben, soll die Stadt nun einfach die (erstaunlich vielen) öffentlich zugänglichen Toiletten auflisten und bekannt machen, die es längst gibt etwa die im Rathaus. Mehr braucht es gar nicht. Die Mitglieder des Ordnungsausschusses haben damit gesunden Pragmatismus an den Tag gelegt.

Osnabrück. In den vergangenen Jahrzehnten gingen die Bemühungen um öffentliche Toiletten in Osnabrück auch ein paarmal in die Hose.

Im November 1993 wurden die City-WCs vor dem Dom feierlich eröffnet. Die drei hypermodernen Sanitärzellen mit Musikberieselung, vollautomatischem Wisch-Wasch-Verfahren und einer elektronischen 20-Minuten-Taktsteuerung haben 360 000 DM gekostet″, schrieb unsere Redaktion damals. Doch der Schließmechanismus funktionierte zunächst nicht einwandfrei. Die elektronisch betriebenen Türen öffneten sich mindestens zweimal, während die Toiletten besetzt waren. Die unschuldigen Opfer riefen um Hilfe und machten dadurch erst recht auf ihre Blöße aufmerksam″, berichtete unser Kollege. 50 Pfennig Eintritt hatten die Besucher für dieses besondere Erlebnis entrichten müssen.

Peinlich, aber harmlos im Vergleich zu dem, was im Februar 1989 ein Osnabrücker auf einer öffentlichen Toilette an der Iburger Straße erlebte. Zu spät bemerkte der 48-Jährige, dass die Tür von innen keine Klinke hatte″, schrieb unsere Kollegin. Fünf Stunden lang war er eingesperrt. Der Mann schlug eine Scheibe ein, doch seine Hilferufe verhallten im frühmorgendlichen Osnabrück ungehört. Erst eine zufällig vorbeikommende Polizeistreife befreite ihn.

Längst gibt es diese Bedürfnisanstalt nicht mehr. Zwölf öffentliche Toilettenanlagen unterhielt die Stadt noch im Jahre 1985: im Neumarkttunnel, am Domhof, am Haarmannsbrunnen, am Schlossgarten, an der Katharinen- und der Johanniskirche, am Rosenplatz, am Riedenbach, an der Ebertallee, am Konrad-Adenauer-Ring, am Heger Tor und am Augustenburger Platz. Acht Reinigungskräfte waren beschäftigt und hatten einiges zu ertragen von bestialischem Gestank bis hin zu Filzstift-Schmierereien.

Geschichte ist auch das City WC 2300″, das im Oktober 1987 angeblich vandalensicher″ auf dem Lortzingplatz installiert wurde. Sein Highlight: wohltemperierte WC-Sitze. Und an der Kette ziehen musste dank Spülautomatik auch niemand mehr. Bevor die Stadt den Prototyp für 150 000 Mark kaufte, durften die Bürger drei Monate lang kostenlos probesitzen, danach mussten sie 20 Pfennig in den Schlitz stecken.
Autor:
Sandra Dorn


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