User Online: 1 | Timeout: 04:54Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
„Brandschutz ist keine Spaßveranstaltung″
Zwischenüberschrift:
Leserbriefe
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Zum Artikel Übertreibt es die Stadt mit dem Brandschutz? und dem Kommentar Mit zweierlei Maß″ von Rainer Lahmann-Lammert (Ausgabe vom 20. Januar).

Ich glaube nicht, dass das Risiko, bei einem Brand zu sterben, geringer ist, als bei einem Autounfall ums Leben zu kommen.

Ende November oder Anfang Dezember wurde in der Sendung , Quarks′ vom WDR untersucht, ob bei uns Häuser ebenso schnell in Brand geraten wie zuletzt das Hochhaus in England, wo es über 70 Tote gab. Auch bei uns wird beim Isolieren der Außenfassaden das preiswerte Styropor bevorzugt. Da es aus Erdöl hergestellt wird, ist es natürlich leicht entflammbar. Allerdings haben deutsche Experten der Bundesregierung verneint, dass Brände wie in England auch bei uns geschehen können, da dem Styropor Brandschutzmittel zugesetzt würden.

Daraufhin hat , Quarks′ ein neutrales Gutachten erstellen lassen, aus dem einwandfrei hervorgeht, dass das bei uns verwendete Material genau fünf Minuten länger als in England braucht, bis die gesamte Fassade in Flammen steht. Sobald sich am Boden eine Erdölpfütze bildet, haben die Bewohner nur noch sehr wenig Zeit, um sich in Sicherheit zu bringen. Doch die Gefahr von Bränden wird immer größer, weil ja auch immer mehr Häuser Alt- und Neubauten mit Styropor isoliert werden und es immer mehr Idioten gibt, die es lustig finden, nahe an Hauswänden stehende Mülltonnen und Carports in Brand zu setzen.

Deshalb sind modernste, schnell einsatzbereite Feuerwachen in den Stadtteilen nötiger denn je, um Menschenleben zu retten. Aber auch bei Orkantiefs und Überschwemmungen ist ein schnelles Eingreifen der Feuerwehr oft nötig und auch bei Unfällen, wenn zum Beispiel Leute aus Fahrzeugen befreit werden müssen.

Wenn sich Radfahrer an die Verkehrsregeln halten und auf den fließenden Verkehr achten und an Zebrastreifen wie vorgeschrieben absteigen würden, anstatt aufs Handy zu schauen oder Musik zu hören oder Radwege und Bürgersteige entgegen der Fahrtrichtung zu benutzen, könnten sie selbst viele Unfälle vermeiden. Außerdem verplempern die Kommunen oft sehr viel Geld für den Erwerb von Kunstwerken, die kein Mensch braucht und die oft eher die Landschaft verschandeln als verschönern. Dies Geld könnte man zum Beispiel für den Ausbau von Frauenhäusern oder Kitas verwenden.″

Gotho Ley

Bad Rothenfelde

Bisher war kein Versuch erfolgreich, Risiken zu quantifizieren und damit vergleichbar zu machen. Die dafür erforderlichen Variablen , Eintrittswahrscheinlichkeit′ und , Schadensschwere′ sind eben nicht mit der erforderlichen Zuverlässigkeit zu prognostizieren. Auch ein selbst ernannter Kommunalberater mit schwarzer Katze auf der Schulter und Glaskugel wäre da chancenlos.

Besonders für Maßnahmen des vorbeugenden Brandschutzes ist Prävention gefordert, die sich aber nicht mit hinreichender Sicherheit auf Analysen der Vergangenheit stützen kann.

Erinnert sei hier nur an die Aussage des OVG Münster (10 A 363/ 86 v. 11. Dezember 1987): , Es entspricht der Lebenserfahrung, dass mit der Entstehung eines Brandes praktisch jederzeit gerechnet werden muss. Der Umstand, dass in vielen Gebäuden jahrzehntelang kein Brand ausbricht, beweist nicht, dass keine Gefahr besteht, sondern stellt für die Betroffenen einen Glücksfall dar, mit dessen Ende jederzeit gerechnet werden muss!

Wenn der Kommunalberater Reinhart Richter daraus die Empfehlung ableitet, die , Piloten vor Ort′ mit schicken Motorrädern auszustatten, kann mir das nur ein kräftiges , Osna helau′ entlocken.

Für den Rat der Stadt Osnabrück bedeutet dies, dass er sich bei Planungen zum vorbeugenden Brandschutz weder vom allgemeinen Gefasel unter dem Motto , Leben ist immer voller Risiken′ noch vom hirnrissigen Vergleich zum Risiko der Verletzung durch prügelnde Männer beeinflussen lassen sollte. Vielmehr sollte er seine Entscheidung für eine zusätzliche Feuerwache auf der Basis des Niedersächsischen Brandschutzgesetzes und der Empfehlungen der AGBF (Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren in der Bundesrepublik Deutschland) treffen.″

Klaus-H. Bick

Osnabrück

„[...] Der von einer Kommune sicherzustellende Brandschutz ist keine , Spaßveranstaltung′, die jede Gemeinde nach eigenem Gusto selbst festlegen kann. Ausschlaggebend sind vielmehr die in den jeweiligen Brandschutzgesetzen der einzelnen Bundesländer definierten Mindeststandards. Diese wiederum basieren auf den Empfehlungen von Deutschlands wichtigster Fachorganisation, der AGBF (Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren in der Bundesreupublik Deutschland). Den hier implementierten sogenannten , Hilfsfristen′ liegt das wissenschaftlich gesicherte Modell des , kritischen Wohnungsbrands′ zugrunde.

Im Übrigen geht es bei der Definition mitnichten nur um Brandschutzeinsätze wie diesen, sondern unter anderem auch um Hilfeleistungen jeglicher Art. Kommt eine Kommune ihren diesbezüglichen Verpflichtungen nicht nach, so handelt sie nicht nur rechtswidrig, sondern setzt sich auch der Gefahr etwaiger Schadenersatzforderungen im Sinne des sogenannten , Organisationsversagens′ aus.

Außer den als besonders eklatant empfundenen Personenschäden gilt es darüber hinaus, Sachschäden aller Art zu verhindern: Dies ist für den Wirtschaftsstandort Osnabrück von großer Bedeutung. Das Gleiche gilt für Umweltschäden. [...]

Grotesk der Vorschlag, freiwillige Feuerwehrleute (FF) mittels gestifteter Motorräder , schneller′ zu machen: Nicht die Feuerwehrleute sind zu langsam, sondern es gibt einfach zu wenige davon (Stichwort: Unzureichende Tagesalarmstärke der FFs), außerdem fehlen mehrere FF-Standorte in Bereichen mit besonders kritischen, latenten Hilfsfristüberschreitungen. Hier wäre dann also anzusetzen. [...]″

Stefan Ludwig

Osnabrück

Bildtext:
Stets einsatzbereit ist die Osnabrücker Feuerwehr. Dennoch gehen Experten davon aus, dass eine zusätzliche Feuerwache benötigt wird, um in Osnabrück die gesetzlich geforderten Brandschutzstandards einhalten zu können.
Foto:
Michael Gründel
Autor:
Gotho Ley, Klaus-H. Bick, Stefan Ludwig


Anfang der Liste Ende der Liste