User Online: 1 | Timeout: 07:51Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Ist das Maidorf doch noch zu retten?
 
Politiker geben Maidorf noch nicht auf
 
Facebook-Nutzer feinden Stadtbaurat an
 
Marketingchefin ist „fassungslos″
Zwischenüberschrift:
CDU und SPD wollen weitere Gespräche – Scharfe Kritik der Jungen Union
 
Geteiltes Echo im Netz – Rückkehr zur ursprünglichen Maiwoche?
 
Rückschlag für die Maiwoche befürchtet –Eventmanager Sierp: Absage ist eine Frechheit
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
 
Kleinbild
 
Kleinbild
 
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Die Nichtgenehmigung des Maidorfes auf der Maiwoche 2018 schlägt hohe Wellen. CDU und SPD wollen die Zukunft des Maiwochen-Magnets in der Sitzung des Verwaltungsausschusses am kommenden Dienstag zum Thema machen und die Beteiligten drängen, noch einmal intensiv nach einer Lösung zu suchen. Stadtbaurat Frank Otte hatte die Politik vorige Woche über Sicherheitsbedenken informiert und angekündigt, dass er das Maidorf dieses Jahr nicht genehmigen könne. Die Chefin des Stadtmarketings, Petra Rosenbach, wurde von dieser Nachricht überrascht und reagierte fassungslos″. Sie befürchtet einen Rückschlag für das größte Stadtfest im Nordwesten. Lebhaft diskutiert wurde die Absage im Netz. Einige Facebook-Nutzer feinden Stadtbaurat Otte an, andere äußern ihr Verständnis.

Die Politik will versuchen, das Maidorf zu retten. Am kommenden Dienstag werde sich der Verwaltungsausschuss der Sache erneut annehmen, sagte CDU-Fraktionschef Fritz Brickwedde am Mittwoch. Scharfe Kritik kommt von der Jungen Union.

Osnabrück. Stadtbaurat Frank Otte hatte vorige Woche die Fraktionsspitzen am Ende der Verwaltungsausschusssitzung über die Sicherheitsprobleme im Maidorf informiert und angekündigt, dass der Eigenbau nicht mehr reinen Gewissens genehmigt werden könne. Der Verwaltungsausschuss forderte in einem mehrheitlich gefassten Beschluss die Verwaltung auf, Maidorf-Betreiber Frederik Heede so weit wie möglich entgegenzukommen. Wir wollen, dass das Maidorf erhalten bleibt″, sagte Brickwedde, die Verwaltung könne aber natürlich nicht geltendes Recht brechen. Auch die vom Betreiber bestellten Gutachter hätten einräumen müssen, dass nicht alle Anforderungen hundertprozentig zu erfüllen seien.

Brickwedde sieht die Probleme eher in der Statik als im Brandschutz. Deshalb werde er im Verwaltungsausschuss anregen, noch einmal zu prüfen, ob durch strengere Auflagen etwas zu heilen sei. Brickwedde brachte eine Obergrenze bei der Zahl der Besucher auf der oberen Etage ins Spiel, streng kontrolliert durch einen personell aufgestockten Ordnungsdienst. Das Maidorf habe schon 2017 auf des Messers Schneide gestanden″, sagte Brickwedde. Er könne nicht verstehen, warum in einem Jahr keine Lösung gefunden worden sei. Diese Frage geht in beide Richtungen, an den Betreiber und das Bauamt″, so Brickwedde.

Großes Bedauern

Auch SPD-Fraktionschef Frank Henning hat die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben. Er werde prüfen, ob sich auf politischem Wege etwas bewegen lasse. Das Ende des Maidorfes sei außerordentlich bedauerlich″, die Entscheidung des Stadtbaurates aber verständlich. Ich kann die handelnden Personen verstehen, dass sie nicht den Kopf hinhalten wollen.″ Das Verbot sei auch ein Ergebnis eines übersteigerten Sicherheitsbedürfnisses″ in unserer Gesellschaft.

Henning machte Oberbürgermeister Wolfgang Griesert (CDU) Vorhaltungen: Es gab Zeiten in unserer Stadt, da haben Oberbürgermeister der Verwaltung gesagt: Sucht nicht die Probleme, sucht die Lösung.″ Diese Haltung und den Willen zur Führung vermisse er bei Griesert.

Scharfe Töne kommen aus der Jungen Union. Die Stadt trete erneut als Bedenkenträger und Bremser auf, anstatt aktiv an einer guten Lösung für 2018 zu arbeiten″, so JU-Vorsitzender Christopher Peiler in einer Stellungnahme. Stadtbaurat Otte muss klar darlegen, was sich aus Sicherheitsgründen im Vergleich zur Genehmigung vom letzten Jahr verschlechtert hat. Wenn das letzte Jahr genehmigt wurde, muss dasselbe Konzept für dieses Jahr konsequenterweise wieder genehmigungsfähig sein. Vor allem, wenn in den letzten Jahren die Berufsfeuerwehr täglich im Maidorf war und alles kontrolliert hat. Wir fragen uns ernsthaft, ob es vielleicht andere Gründe für ein Verbot des Maidorfs gibt. In der Jungen Union habe die Entscheidung des Stadtbaurates nur zu Kopfschütteln geführt.

Neue Sicherheitsdebatte

Die Grünen zeigen Verständnis für die Absage. Wir können die Gründe der Verwaltung und die erheblichen Sicherheitsbedenken nachvollziehen. Wer genehmigt, trägt die volle Verantwortung″, heißt es in einer Erklärung von Michael Hagedorn und Thomas Klein.

Die Grünen hoffen, dass die Sicherheitsdefizite spätestens 2019 gelöst sind. Die Tüv-Überprüfung müsse umgehend stattfinden. Wenn es stimmt, dass der Tüv-Nord nur eine zuständige Person hat, zeigt das aber auch die ganzen Widersprüche der Sicherheitsauflagen″, so Hagedorn. Diese nähmen jedes Jahr zu, aber die Behörden kämen mit dem Kontrollieren nicht hinterher.

Aus Sicht der Grünen hat das Thema technische Sicherheit im öffentlichen Raum ohnehin eine Schieflage. Das Sicherheitsniveau etwa beim Brandschutz steige und steige, während in anderen Bereichen, wie dem Straßenverkehr, viel mehr Risiken in Kauf genommen würden. Wir brauchen dringend eine neue Grundsatzdebatte über das richtige Maß an Sicherheit und die Bereitschaft der Öffentlichkeit, Risiken miteinander zu vergleichen und Prioritäten zu setzen″, so Thomas Klein.

Das Maidorf von Alando-Chef Frederik Heede ist seit 2004 fester Bestandteil der Maiwoche. Stadtbaurat Otte teilte am Dienstag mit, dass es aus Sicherheitsgründen in diesem Jahr nicht genehmigt wird.

Bildtext:
er Aufbau des Maidorfes ist ein komplexer Vorgang. Seit 14 Jahren wird es zur Maiwoche auf dem Platz des Westfälischen Friedens errichtet. In diesem Jahr voraussichtlich nicht.
Foto:
Jens Lintel

Kommentar
Da geht noch was

Die Junge Union zeigt auf den wunden Punkt: Was hat nach 14 Jahren plötzlich den Ausschlag gegeben, das Maidorf zu verbieten? Wenn die Besucher in den Vorjahren sicher waren, warum sollen sie es jetzt nicht mehr sein?

Variante 1: Das Maidorf war immer schon zu gefährlich. Dann sollte Stadtbaurat Otte das auch öffentlich so sagen. Dann wäre klar: Die Behörden haben einen Fehler gemacht, den sie jetzt korrigieren. Und alle dürfen froh sein, dass nichts passiert ist.

Variante 2: Das Maidorf ist sicher, es bedarf nur noch Verbesserungen im Detail und des amtlichen Sicherheitsstempels, damit die Party weitergehen kann. Wenn das stimmt, kann die Lösung doch nicht weit sein.

Gut, dass CDU und SPD das Maidorf noch nicht aufgegeben haben. Die Politiker können zwar die Sicherheitsbestimmungen nicht außer Kraft setzen, aber darauf drängen, dass alle Beteiligten Bauamt, Tüv und Betreiber noch einmal intensiv an einer Lösung arbeiten. Vor allem der Tüv, in diesem Sektor offenbar personell katastrophal unterbesetzt, muss endlich eine klare Antwort geben.

Osnabrück. Auf der NOZ-Facebookseite stieß die Absage des Maidorfes auf ein geteiltes Echo mit differenzierten Kommentaren.

Das Gros der mehr als 200 Kommentatoren zeigt sich nicht sonderlich verständnisvoll. Viele Mitglieder feinden Stadtbaurat Frank Otte an. Wir leben in einer Zeit, in der der Bürger nicht mehr zur Selbstständigkeit gefordert, sondern mit Verboten bemuttert wird″, schreibt das Mitglied Kai Mo. René Wieczorek schreibt: Eine Frechheit! Das beste Event im Jahr zu schließen. Die Sicherheit war die letzten Jahre immer gewehrleistet! Frank Otten wird sehen, was er sich für ein Eigentor geschossen hat.″ André Overbeck meint: Was ist nur aus der Maiwoche geworden? Keine Bands mehr am Herrenteichswall, kaum Bands, die man noch kennt, und jetzt auch noch Tschüß Maidorf.″

Es gibt aber auch andere Stimmen. So schreibt Iris Höne: Das Maidorf werde ich nicht vermissen. Die anderen Bühnen machen für mich den Charakter der Maiwoche aus. Ich freue mich darauf.″ Thomas Richter findet die Entscheidung gut. Vielleicht kehrt die Maiwoche dann zu ihrem ursprünglichen Charakter eines lockeren Straßenfestes zurück. Leider hat das Maidorf von der Maiwoche so viele Gäste abgezogen, dass viele Marktgeschäfte keine ausreichenden Gewinne mehr erwirtschaften konnten.″ Und Rocky Beauregard meint: Vielleicht gibt′s dann ja endlich mal wieder das, was die Maiwoche immer ausgemacht hat. Ne Bühne mit richtig geilen Bands.″

Protest-Seite

Am Mittwoch formierte sich im Internet eine Protestbewegung: Auf Facebook gründete die Alando Gastro GmbH von Frederik Heede die Seite Wir wollen das Maidorf Osnabrück!″.

Osnabrück. Das Aus für das Maidorf macht Osnabrücks Marketingchefin Petra Rosenbach fassungslos″. Die Absage sei eine Riesenenttäuschung″. Christoph Sierp, Beschicker der Maiwoche, erachtet die Absage an das Maidorf als Frechheit″.

Die Geschäftsführerin der Osnabrück Marketing und Tourismus GmbH (OMT) hat bei der Organisation der Maiwoche die Fäden in der Hand, vom Ende des Maidorfes erfuhr Petra Rosenbach aber auch erst am Dienstag nach der Pressekonferenz der Stadt. Ich war fassungslos, als ich das hörte″, sagte Rosenbach. Das Maidorf sei ein sehr wichtiger Bestandteil der Maiwoche. So etwas gibt es auf keinem anderen Straßenfest.″

Rosenbach äußerte Verständnis für Stadtbaurat Frank Otte und die Mitarbeiter der Baubehörde, dass sie für die Sicherheit des Maidorfes nicht die Verantwortung übernehmen wollen. In Sicherheitsfragen dürfe es keine Kompromisse geben, so Rosenbach. Sie hatte nach eigenen Angaben im Hintergrund von Sicherheitsbedenken gehört, aber fest erwartet, dass aufgrund der Erfahrungen der vergangenen 14 Jahre und nach den vielen Verbesserungen eine Lösung gefunden würde.

Die Marketingchefin befürchtet einen Rückschlag für die Maiwoche. Sie erinnerte an einen Workshop vor zwei Jahren, in dem alle Maiwochen-Beteiligten gemeinsam ein Konzept für ein lebendiges und zukunftsfestes Stadtfest erarbeitet hatten. Kernpunkte waren zum Beispiel mehr Lokalkolorit, ein breiteres Angebot für unterschiedliche Zielgruppen, mehr Raum für Kinder und Familien. Das Maidorf in seiner Einmaligkeit und Ausstrahlung ist ein fester Bestandteil dieses Konzeptes.

Eine gleichwertige Alternative sieht Rosenbach nicht. Der Gedanke, den Platz hinter der Stadtbibliothek in diesem Jahr mit einem Food-Court zu bespielen, ist nach ihrer Ansicht nicht optimal. Denn Veranstalter Christoph Sierp bietet auf der Großen Straße ebenfalls einen Food-Circus. Die beiden Kulinaria-Meilen würden sich Konkurrenz machen. Maidorf-Betreiber Frederik Heede hat im Vergabeverfahren die Fläche unterhalb der Stadtbibliothek erhalten und muss sie zur Maiwoche irgendwie bespielen.

Auch Sierp hält nichts von der Idee eines weiteren Food-Courts am Platz des Westfälischen Friedens. Da muss ich überlegen, ob ich mein Konzept überarbeite oder ganz weglasse″, sagte Sierp im Gespräch mit unserer Redaktion. Zweimal dasselbe Konzept auf einem Stadtfest hält er für unangebracht.

Verständnis für die Absage an das Maidorf hat Sierp nicht. Das ist eine Frechheit zum Kotzen.″ Sierp ist ein großer Beschicker auf der Maiwoche für den kompletten Bereich zwischen Neumarkt und Domhof. Maidorf-Betreiber Frederik Heede habe sein Konzept in 14 Jahren aufgebaut und stets verbessert sowie die ständig gestiegenen Auflagen erfüllt, so Sierp. 14 Jahre lang war das sicher warum nicht im 15.?

Sierp zufolge ist das Maidorf mit seiner Anziehungskraft ein Höhepunkt der Maiwoche. Daher habe ich wenig Verständnis für die Entscheidung.″ Den Vorwurf richtet er direkt an die Politik und Verwaltung. Auf der anderen Seite kann ich aber auch verstehen, wenn städtische Mitarbeiter nicht den Kopf dafür hinhalten wollen.″

Feuerwehr schweigt

Die Feuerwehr will sich zu der Absage ans Maidorf nicht äußern und verweist an die Bauaufsicht. Zwar nimmt die Feuerwehr die Maiwoche Jahr für Jahr ab, aber immer nur für die Bauaufsicht″, sagte Feuerwehrchef Dietrich Bettenbrock und spielte den Ball damit zurück an Stadtbaurat Otte.

Maiwoche ohne Maidorf? Die Debatte geht weiter: noz.de

Bildtexte:
Petra Rosenbach, Marketingchefin.
Das Maidorf.
Fotos:
Jörn Martens, Stasa-Foto
Autor:
Jörg Sanders, Wilfried Hinrichs


Anfang der Liste Ende der Liste