User Online: 1 | Timeout: 23:22Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Bauland für soziales Wohnen zu teuer
 
Grundstücke in Osnabrück zu teuer
Zwischenüberschrift:
Sozialer Wohnungsbau: Baugenossenschaften stellen Forderungen
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Für bezahlbares Wohnen in Osnabrück sind nach Ansicht der Baugenossenschaften die Grundstücke zu teuer. WGO und Heimstättenverein wollen sich stärker im sozialen Wohnungsbau engagieren, wenn die Stadt Bauland billig überlässt.

Wohnungsbaugenossenschaft und Heimstättenverein erklären sich bereit, in Osnabrück öffentlich geförderten Wohnraum zu schaffen. Unter einer Bedingung: Die Stadt muss ihnen die benötigten Grundstücke möglichst billig überlassen.

Osnabrück. Bezahlbares Wohnen ist das Spezialgebiet der Osnabrücker Baugenossenschaften. Mit dem Geld ihrer Anteilseigner errichten sie Häuser, in denen Mitglieder sich lebenslang und zu niedrigen Preisen einmieten können. Ein Erfolgsmodell seit fast 100 Jahren: Der Heimstättenverein Osnabrück (HVO) besteht seit 1919. Ihm gehören 2000 Genossen an. In seinem Bestand befinden sich 1800 Mietwohnungen. Die Wohnungsbaugenossenschaft Osnabrück (WGO) wurde 1949 gegründet. Sie hat nach eigenen Angaben 4000 Mitglieder und verfügt über 2900 Mietwohnungen.

Derlei Erfahrung und Expertise sollte sich die Stadt nach Meinung führender Kommunalpolitiker zunutze machen, wenn sie wie angekündigt auf die Schnelle 3000 zusätzliche, bezahlbare Wohnungen schaffen will. Erst vor wenigen Monaten forderte CDU-Fraktionsvorsitzender Fritz Brickwedde öffentlich dazu auf, solch wunderbaren nichtgewinnorientierten Einrichtungen″ dabei zu helfen, ihren Immobilienbestand zu vergrößern. Eine städtische Wohnungsbaugesellschaft sei unnötig.

Was die beiden Baugenossenschaften jedoch für weitere Häuser dringend bräuchten, sind Flächen. Ausgerechnet die sind aber ziemlich knapp im engen Osnabrück. Und wenn doch einmal etwas zu haben ist, dann teilweise zu utopischen Preisen″, sagt Jürgen Silies, Vorstand des Heimstättenvereins. Selbst mit den doppelten Beträgen aus der Bodenrichtwertkarte sei kaum noch ein Grundstücksverkäufer zufrieden. Inzwischen werde das Drei-, Vier-, Fünffache verlangt. Beim Wettbieten um Flächen können die Baugenossenschaften aber nur bis zu einem gewissen Grad mithalten. Wirtschaftlichkeit stehe für sie im Vordergrund, erklärt Silies. Andernfalls sei es unmöglich, Mietwohnungen insbesondere für Geringverdiener zu errichten.

Sogar Grundstücke aus öffentlicher Hand sind für die Baugenossenschaften im heißgelaufenen Osnabrücker Markt unerschwinglich geworden. WGO-Vorstand Thomas Droit: Wir können uns keine Flächen mehr leisten, die von der Stadt direkt angeboten werden. Auch da sind die Preisvorstellungen zu hoch Beispiel Landwehrviertel.″ Und wenn wie in diesem Neubaugebiet zusätzlich die Auflage besteht, öffentlich geförderten Wohnraum für Menschen mit Wohnberechtigungsschein zu schaffen, sei eine wirtschaftliche Investition nicht möglich.

HVO und WGO haben deshalb eine klare Forderung: Wenn die Stadt öffentlich geförderten Wohnraum haben will, dann muss sie auch bereit sein, die Grundstücke dafür günstig zur Verfügung zu stellen. Sonst rechnet sich das für uns nicht.″ Mindestens auf eine mittelbare Belegungsbindung solle die Stadt sich einlassen: Das bedeutet, die Baugenossenschaften schaffen die geforderten Sozialwohnungen im Bestand und können zum Ausgleich dafür in den Neubauten durchweg auskömmliche Mieten vereinbaren. Akzeptabel sei auch eine Grundstücksvergabe im Erbbaurecht inklusive Kaufoption. Die Baugenossenschaft Landkreis Osnabrück erhalte von vielen Umlandgemeinden Flächen sogar gratis, um dort bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

Einstweilen konzentriert sich das Geschäft von Wohnungsbaugenossenschaft und Heimstättenverein auf Ersatzneubau und Nachverdichtung, sprich: auf eine optimale Ausnutzung der eigenen Grundstücke. Doch hier stoßen WGO und HVO auf andere Probleme. Ausufernde Baukosten und bremsende Behörden zum Beispiel.

Allein was der Gesetzgeber heute an energetischen Standards fordert, schließe bezahlbares Wohnen im Neubau beinahe aus, sagt Droit. Enge Vorgaben etwa bei der Barrierefreiheit sowie eine strenge, kommunale Stellplatzsatzung machten ein Vorhaben ebenfalls schnell unrentabel. Von Handwerksfirmen, die zurzeit anscheinend Mondpreise verlangen können, ganz zu schweigen. Besonders ärgerlich sei es jedoch, wenn Genehmigungsverfahren nur schleppend verlaufen, weil mögliche Ermessensspielräume nicht genutzt werden. So vergehen oft Jahre von der Planung bis zum Einzug.″

Manchmal stehe die Stadt sich sogar selbst im Weg, meint Droit. In der Dodesheide beispielsweise habe das Bauamt einen Neubau von drei Häusern mit 54 kleinen Wohnungen abgelehnt, weil der Bebauungsplan in denselben Objekten 37 große Wohnungen vorsah. Dabei ist die Nachfrage nach Ein- bis Zwei-Zimmer-Wohnungen am größten. Und hier wäre sogar noch öffentlich geförderter Wohnraum über das eigentliche Maß hinaus entstanden.″ Von der Osnabrücker Verwaltung wünschen sich die Genossenschaften deshalb künftig weniger Paragrafenreiterei und mehr Pragmatismus. Über Bauanträge solle nicht nur schneller, sondern auch wohlwollender entschieden werden. Die Stadt produziert sonst unnötige Mehrkosten″, sagt Droit.

Anders als CDU-Chef Brickwedde lehnen beide Baugenossenschaften eine städtische Wohnungsbaugesellschaft übrigens nicht kategorisch ab. Es gebe in Osnabrück verschiedene Gruppen sozial benachteiligter Menschen, um deren Unterbringung die Stadt sich kümmern muss″, sagen sie. Im aktuellen Markt blieben die Schwächsten auf der Strecke. Ihnen zu helfen, sei eine Gemeinschaftsaufgabe. Und überall, wo eine Kommune den sozialen Wohnungsbau selbst regele, funktioniere es besser.

Mehr aktuelle Nachrichten, Hintergründe und Analysen lesen Sie im Internet auf noz.de

Bildtexte:
Bezahlbarer Wohnraum ist in Osnabrück Mangelware. Baugenossenschaften wie WGO und HVO würden der Stadt mit neuen Häusern aus der Patsche helfen, wenn sie für die Grundstücke nichts mehr bezahlen müssten.
Richten klare Forderungen an die Stadt: die Vorstandsvorsitzenden der Wohnungsbaugenossenschaft Osnabrück (WGO), Thomas Droit (links), und des Heimstättenvereins Osnabrück (HVO), Jürgen Silies.
Fotos:
David Ebener, Egmont Seiler
Autor:
Sebastian Stricker


Anfang der Liste Ende der Liste