User Online: 1 | Timeout: 03:50Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Früher sagte man „Staublunge″
Zwischenüberschrift:
Selbsthilfegruppe bei chronisch-obstruktiven Atemwegserkrankungen macht Betroffenen Mut
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Circa jeder zehnte Bundesbürger ist von chronisch obstruktiven Atemwegserkrankungen (COPD) betroffen. Es handelt sich um eine Gruppe von bislang nicht heilbaren Lungenerkrankungen, bei denen aufgrund chronischer Verengung der Atemwege die Atmungsfähigkeit des Patienten zunehmend eingeschränkt ist.

Osnabrück. In Osnabrück haben Betroffene im Oktober 2012 eine Selbsthilfegruppe für Erkrankte und Angehörige gegründet. Beate Rother, unterstützt von ihrem Ehemann Heinz-Wilhelm Rosien, und Clemens Adam wollen mit ihrem Wissen anderen Patienten Mut machen, sich nach der Diagnose nicht hängen zu lassen″ und vor allem aktiv zu bleiben. Körperliche Bewegung, Rauchstopp und medikamentöse Versorgung können, das ist ihre Erfahrung, viel zu einer Verbesserung der Lebensqualität beitragen. Und selbst mit einer Langzeit-Sauerstofftherapie muss man nicht zu Hause rumsitzen, man kann damit auch gut verreisen″, unterstreicht Beate Rother, die erst jüngst einen Urlaub in Cuxhaven genossen hat.

Häufig entsteht eine COPD durch äußere Einwirkung von Partikeln und Toxinen wie Rauchen, Feinstaub, Asbest oder Abgase. Zwar kann es auch eine genetisch bedingte Veranlagung zu COPD geben, etwa ein Drittel der Erkrankten war lebenslang Nichtraucher, aber viele der Erkrankten wissen heute, dass sie ihren Lungen, oft unwissentlich und über Jahrzehnte, zu viel zugemutet haben. Ich habe mit 17 Jahren zu rauchen begonnen″, berichtet die zierliche 67-Jährige. Leider haben mein Vater und mein Onkel, die auch an COPD erkrankten, nicht laut genug gesagt, dass man besser nicht rauchen sollte.″

Durch ständige Reizung werden die zarten Flimmerhärchen zerstört, die eigentlich für die Befeuchtung und Reinigung der Atemwegsschleimhaut sorgen, und es kommt zu Entzündungen und Verdickungen, die Atemwege werden enger. Erstes Anzeichen einer COPD-Erkrankung ist chronischer Husten, im weiteren Verlauf stellen sich durch Schleimüberproduktion Auswurf und Atemnot ein.

Clemens Adam, 68, war ebenfalls lange Raucher und hatte als Kfz-Mechaniker viel mit Asbest auf Bremsbelägen zu tun. Wir haben den Staub einfach mit Pressluft weggepustet, und der schwebte dann in der Werkstatt″, kann er sich über seine frühere Unkenntnis und Leichtfertigkeit nur wundern. Zudem besaß er eine Voliere mit 30 Wellensittichen die feinsten Federn stehen ebenfalls im Verdacht, sich auf die Atemwege zu legen. Mit 60 Jahren ging er frühzeitig in Rente.

Viele COPD-Patienten leiden zudem an einem Lungenemphysem. Dabei lässt die Elastizität des Lungengewebes nach, die Lungenbläschen leiern aus″ und gehen schließlich zugrunde. Damit wird die Sauerstoffversorgung ineffizienter. Der Patient fühlt sich müde und empfindet alltägliche Bewegungen wie Treppensteigen als große Anstrengung. Wenn die Krankheit fortschreitet, kommt es durchgehend zu Atemnot. Gefürchtet sind Exazerbationen plötzliche Verschlechterung der täglichen Symptome und des Allgemeinzustands, oft durch eine Infektion. Händeschütteln kann für uns in der Grippezeit schon echt gefährlich sein″, weist Rother auf das erhöhte Risiko einer Infektion hin.

Mehrere Therapien

Die meisten Erkrankungen werden bei über 50-Jährigen diagnostiziert. Verschiedene Lungenfunktionstests sowie bildgebende Verfahren vermitteln Klarheit über das Erkrankungsstadium und eine angemessene Behandlung. Es gibt eine ganze Reihe von Möglichkeiten, die Folgen der Erkrankung durch Therapien zu mildern und das Atmen zu erleichtern. Allerdings kommen häufig Begleiterkrankungen aus dem Herz-Kreislauf-Bereich oder Lungenkrebs aufgrund von Rauchen sowie Depressionen hinzu.

Seit 2017 gibt es in Osnabrück eine Lungen-Fachabteilung am Klinikum. Bis dahin mussten Erkrankte sich an die Lungenchirurgie in Ostercappeln oder das Ibbenbürener Krankenhaus wenden, wollten sie nicht in die COPD-Zentren ins Ruhrgebiet fahren. Dort, inmitten von Bergbau und Schwerindustrie, ist die Staublunge″, wie man früher sagte, zuerst und schon seit Langem von Spezialisten diagnostiziert und behandelt worden. In Hattingen befindet sich auch die Zentrale des COPD Deutschland, zu dessen 67 SHGs sich die Osnabrücker Gruppe zählt. Einmal jährlich findet dort ein Symposium zu Themen rund um die COPD statt.

Wer sich vor Ort informieren möchte, ist in der Osnabrücker SHG herzlich willkommen: Wir bieten ebenfalls Vorträge an, kürzlich zum Beispiel über die Langzeit-Sauerstoffversorgung, wir verteilen kostenlos Informationsmaterial, beraten über geeignete Hilfsmittel und sind bereit, über unsere persönlichen Erfahrungen zu sprechen″, versichern Rother und Adam.

Als länger Erkrankte kennen sich beide mit der Sauerstoffversorgung aus. Sie haben zu Hause ein großes Reservoir mit Flüssigsauerstoff, das regelmäßig vom Versorger nachgefüllt wird. Über einen flexiblen Schlauch und eine Nasenbrille gelangt der Sauerstoff, der bei Umgebungstemperatur gasförmig wird, in die Atemwege. Als deutliche Erleichterung empfinden es die Betroffenen, dass man seit einiger Zeit auch Sauerstoff für unterwegs mitführen kann. In einem Rucksack hat Clemens Adam sein mobiles Sauerstoffgerät dabei, das ihm Ausflüge in die Stadt oder die Umgebung erlaubt. Selbst Radfahren ist für ihn kein Problem. Ich kann nicht lange still sitzen, bin gern in Bewegung″, freut sich Adam über die hinzugewonnene Lebensqualität. Meine Angehörigen wollten mich anfangs ständig schonen, aber das ist nichts für mich″, erklärt der 68-Jährige. Er nimmt regelmäßig an pneumologischem Training und Lungensport teil, Aktivitäten, die zu einer Erhaltung und Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit beitragen.

Auch Beate Rother, inzwischen zu 100 Prozent schwerbehindert und im Alltag, beim Autofahren ebenso wie beim Anziehen, auf die Hilfe ihres Partners angewiesen, schätzt die durch mobile Sauerstoffversorgung wiedergewonnene Erweiterung ihres Lebensradius: Die Krankenkassen bezahlen eine dreiwöchige Sauerstoffversorgung an einem anderen Ort.″

Für Angehörige ist der Austausch mit anderen Betroffenen und Angehörigen ebenfalls von Vorteil: Man bekommt ein vertieftes Verständnis für die Erkrankung und lernt zum Beispiel, wie man bei einer Panikattacke des Erkrankten aufgrund von Atemnot ruhig bleibt und hilfreich agiert″, erläutert Heinz-Wilhelm Rosien.

Die SHG COPD trifft sich jeden 4. Dienstag eines Monats im Haus der Gesundheit, Hakenstraße 6, ab 18 Uhr, also heute, am 23. Januar. Am 27. Februar wird es einen Fachvortrag von Dr. Hagen Vorwerk zum Thema Schlafapnoe in Verbindung mit COPD″ geben. Interessenten sind stets willkommen. Eine telefonische Kontaktaufnahme ist unter 05 41/ 1 71 63 möglich.

Weitere Folgen der Serie Selbsthilfegruppen″ finden Sie auf www.noz.de.

Bildtext:
Laden zum Erfahrungsaustausch in der Selbsthilfegruppe COPD ein (von links): Clemens Adam, Heinz-Wilhelm Rosien und Beate Rother.
Foto:
Petra Pieper
Autor:
Petra Pieper


Anfang der Liste Ende der Liste