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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Die hängenden Wagen von Osnabrück
Zwischenüberschrift:
Skulptur vor dem Theater bringt Autofahrer aus dem Gleichgewicht
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Kunst rüttelt auf, irritiert, rächt sich. Die Skulptur vorm Theater Gleiches Gewicht Gleichgewicht″ setzt auf Interaktion: Wer nicht genau hinschaut, wird aufgegabelt.

Osnabrück. Nein, das ist keine Rampe. Das ist Kunst. Die in den Boden eingelassenen, gekippten und verkeilten Plattensegmente aus Kupfer und Stahl vor dem Osnabrücker Theater wollen ein Zeichen setzen für Toleranz. Das Gleichgewicht der Kräfte ist hier zementiert. Dass es sich um einen Balanceakt handelt, wird dem Betrachter aber oft erst dann klar, wenn der Abschleppdienst anrückt, um einen Falschfahrer von der Platte zu angeln.

Ein Geschenk

Die Herrenteichslaischaft hatte die Skulptur des Bildhauers Joachim Bandau 1998 als Impuls gestiftet und damit schon damals für ordentlich Zündstoff gesorgt. Wer darf eigentlich über die Platzierung von Kunst im öffentlichen Raum bestimmen? Der Kulturausschuss des Rates fühlte sich bei der Installation vom Stadtentwicklungsausschuss übergangen. Man wolle in Zukunft alle Gremien und Institutionen gleichermaßen beteiligen, einigte man sich in Politik und Verwaltung und die Skulptur als ein Geschenk annehmen″.

Und so liegt es da, das Geschenk, mitten in der Stadt und pikt ab und an einen Irrfahrer auf. Im Jahr 2003 zog die Skulptur einen Bulli aus dem Verkehr. Der Fahrer vom Kundenservice mit Kompetenz und Ideen″ und einem Händchen für ungewöhnliche Parkbuchten nahm die Hängepartie mit Humor. Er konnte schnell befreit werden, bis auf ein paar kleine Kratzer blieben Kunst und Befahrer bei diesem Exkurs unversehrt.

Vor Publikum

Gewichtiger war der Schwenk eines Baustellen-Lkw im Jahr 2007. Beim Wenden hatte der Fahrer die Kunst am Boden übersehen und konnte erst nach zwei Stunden Wartezeit mit einem Kran heruntergehoben werden. Die Skulptur aber bekam, was sie wollte: die Aufmerksamkeit von vier Streifenwagen und etlichen Passanten. Zuletzt übersah ein 86-Jähriger vor ein paar Wochen die Platte und musste dafür mit dem Wagen hängen vor großem Publikum.

Nur elf Sekunden verharren wir durchschnittlich vor einem Bild, sagt mit wissenschaftlicher Genauigkeit eine Museumsstudie des Friedrichshafener Kulturforschers Martin Tröndle. Drei Atemzüge für die hängende Kunst. Die Wagen auf dem Osnabrücker Podest der Toleranz dürften die Blicke länger auf sich gezogen haben wenn auch nicht in einer Dauerausstellung.

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Bildtexte:
2003.
2007.
2018
Archivfoto:
Egmont Seiler, Michael Hehmann
Foto:
Ralf Geisenhanslüke
Autor:
Anne Spielmeyer


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