User Online: 1 | Timeout: 08:19Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Übertreibt es die Stadt mit dem Brandschutz?
Zwischenüberschrift:
Kommunalberater Reinhart Richter fordert eine systematische Analyse der Gefährdungsrisiken
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Elf Millionen Euro will die Stadt für eine zweite Feuerwache aufwenden, um die Brandschutzvorschriften zu erfüllen. Das Risiko, bei einem Brand zu sterben, ist jedoch erheblich geringer als bei Unfällen auf der Straße oder im Haus. Sollte das Geld nicht besser an anderer Stelle investiert werden?

Osnabrück. Der Osnabrücker Kommunalberater Reinhart Richter beobachtet seit Jahren, dass die Städte erhebliche Summen für den Brandschutz bereithalten müssen, obwohl es, wie er meint, nur selten Tote bei Bränden zu beklagen gebe. In den vergangenen zehn Jahren, gibt er zu bedenken, sei niemand gestorben oder lebensgefährlich verletzt worden, weil die Osnabrücker Feuerwehr zu spät kam.

Mit großer Skepsis verfolgt er, dass die Stadt trotz knapper Kassen viele Millionen Euro in den Bau einer neuen Feuerwache im Nordosten der Stadt stecken will. Nach Expertenansicht soll die Feuerwehr innerhalb von acht Minuten bei einem Wohnungsbrand zur Stelle sein. Ein Gutachter hat der Stadt Osnabrück aber bescheinigt, dass die Anfahrt in einigen Stadtteilen länger dauern könnte. Dennoch ist Richter der Meinung, dass die zweite Feuerwache keine keine optimale Investition″ ist. Die Gesellschaft lasse sich die Feuersicherheit ungleich mehr Geld kosten als den Schutz vor tatsächlichen Risiken.

Prügelnde Männer

Richter, der auch den Plan B für den Neumarkt initiiert hat, fordert eine systematische Analyse der Gefährdungsrisiken. Nur so könnten die öffentlichen Mittel optimal zum Schutz von Leben und Gesundheit eingesetzt werden. Nach seiner Beobachtung lauert der Tod vor allem auf der Straße. Radfahrern, die unter abbiegende Lastwagen geraten, müsste in seinen Augen die größte Aufmerksamkeit gelten.

Junge Leute, die sich nach dem Disco-Besuch auf gefährliche Autofahrten oder Mutproben einlassen, schätzt er ebenfalls als Risikogruppe ein. In hohem Maße gefährdet sieht der Querdenker außerdem Frauen, die sich nicht vor ihren prügelnden Männern schützen können, zumal das Frauenhaus nur begrenzte Aufnahmekapazitäten hat. Und wenn es nach ihm ginge, müsste sich die Gesellschaft stärker um junge Männer kümmern, die nach einer Kette von Misserfolgen leicht zu Gewalttätern würden.

Statistiken, die das allgemeine Gefährdungsrisiko in Osnabrück abbilden, gibt es bislang nicht. Seit 2007 hat die Polizei 43 Unfalltote gezählt, das sind durchschnittlich 3, 9 pro Jahr. Sieben Menschen wurden seit 2013 bei Gewaltverbrechen getötet im Jahresschnitt also 1, 4. Zwei von ihnen kamen im Januar 2013 bei einem Feuer an der Bramscher Straße ums Leben. Allerdings nicht, weil die Feuerwehr zu spät eingetroffen wäre, sondern weil die beiden Männer Opfer einer Brandstiftung wurden.

14 Suizide in einem Jahr

Bei der Auflistung nicht natürlicher Todesfälle nennt Polizeisprecher Frank Oevermann eine Zahl, die erschreckt. Seit 2013 kamen 347 Menschen im Stadtgebiet durch äußere Einwirkungen ums Leben das sind fast 70 pro Jahr. Suizide und Drogentote sind darin erfasst, aber vor allem häusliche Unfälle. In der Mehrzahl handle es sich um Stürze, an deren Folgen ältere Menschen sterben, sagt Oevermann.

Über Suizide führt die Polizei keine eigene Statistik. Nach unseren Informationen haben im vergangenen Jahr 14 Menschen in Osnabrück ihrem Leben ein Ende gesetzt. Ob das mehr oder weniger waren als in früheren Zeiträumen, ließ sich bislang nicht in Erfahrung bringen. Zu erheblichen Schwankungen kommt es bei der Zahl der Drogentoten. 53 waren es von Mitte 2012 bis Mitte 2017. Im Durchschnitt sterben jedes Jahr 10, 6 Menschen in Osnabrück an ihrer Sucht.

Unfälle und Stürze, Mord und Rauschgift: Beim Blick auf die Ursachen nicht natürlicher Tode fällt auf, dass Feuer und Rauch die Ausnahme sind. Das könnte ein Indiz sein, dass der Brandschutz schon sehr wirksam ist. Feuerwehrchef Dietrich Bettenbrock will, dass es so bleibt, denn am Schutzziel, die Ausbreitung von Feuer und Rauch zu minimieren, gebe es nichts zu rütteln. Dass es zu Engpässen im östlichen Stadtgebiet kommen könnte, sei im Übrigen keine Erkenntnis aus der jüngeren Vergangenheit. Schon bei der Gebietsreform von 1972 habe die Stadt ein Grundstück am Huxmühlenbach für eine zweite Feuerwache ins Auge gefasst.

Keine eigenen Standards

Mit dem jetzt geplanten Bau in Gretesch bekomme Osnabrück endlich den Standard, der in anderen Städten schon lange verwirklicht sei. Bettenbrock findet, dass Ausgaben für den Brandschutz gut angelegtes Geld sind. Die Leute, die sich über die Kosten beschwerten, seien oft die ersten, die großes Theater machten, sobald mal etwas nicht hundertprozentig funktioniere.

Stadtbaurat Frank Otte, der auch für die Feuerwehr zuständig ist, hat Verständnis für die Forderung nach einer detaillierten Risiko-Analyse. Welche Risiken hingenommen oder vermieden werden, entscheide aber nicht die Kommune, sondern die Gesellschaft. Mit dem Ergebnis, dass Tote und Verletzte in Kauf genommen würden, um die Freiheit, Auto zu fahren, nicht einzuschränken. Es erscheine heute zwar anachronistisch, den Feuertod mehr zu fürchten als den Unfalltod. Aber diese Einsicht müsse sich in der Gesellschaft durchsetzen. Die Stadt Osnabrück könne nicht ihre eigenen Standards für den Brandschutz festlegen.

Piloten vor Ort″

Das weiß auch Reinhart Richter. Aber wenn die Stadt schon unter Zugzwang stehe, könne sie das Problem mit der schnellen Anfahrt vielleicht auch lösen, ohne gleich elf Millionen Euro auszugeben, meint der Kommunalberater. Etwa mit der Anschaffung von Motorrädern für die freiwilligen Feuerwehrleute. Schicke Maschinen für die Piloten vor Ort″ das habe Charme. So lasse sich zugleich das ehrenamtliche Engagement stärken.

Was passiert in Osnabrück? Über Sturm und Hagel, Verbrechen und Unfälle finden Sie alles im Internet auf noz.de

Bildtexte:
Für die östlichen Stadtteile könnte die Hilfe zu spät kommen, lautet die Begründung für den Bau einer zweiten Feuerwache. Muss die Stadt dafür wirklich elf Millionen Euro ausgeben?
Querdenker: Der Kommunalberater Reinhart Richter fordert eine systematische Analyse der Gefährdungsrisiken.
Foto:
Michael Gründel, Swaantje Hehmann

Kommentar
Mit zweierlei Maß

Wenn die Risiken, die vom Autoverkehr ausgehen, ebenso streng bewertet würden wie das Feuerrisiko, dann wären unsere Straßen und Autobahnen ziemlich leer. Es erscheint kurios, wie arglos offizielle Stellen mit zweierlei Maß messen. Da stellen sich allerlei Fragen nach den Risiken, denen wir im Alltag ausgesetzt sind.

Ist es richtig, dass die Stadt so viel Aufwand treibt, um zu verhindern, dass Friedhofsbesucher von umstürzenden Grabsteinen erschlagen werden? Müssen Giftpflanzen wirklich überall dort bekämpft werden, wo ein unbedarftes Kind sie in den Mund stecken könnte? Bedeutet verantwortliches Handeln wirklich, bei zehn Zentimeter Neuschnee oder Windstärke 6 die Schule abzusagen? Wo Bürokraten zu entscheiden haben, ist überzogenes Sicherheitsdenken wohl unausweichlich. Aber ihr Blick spiegelt nicht zwingend die tatsächliche Bedrohung wider, denen die Menschen ausgesetzt sind.

Es ist nur konsequent, wenn der Kommunalberater Reinhart Richter von der öffentlichen Hand eine systematische Analyse der Gefährdungsrisiken fordert. Kaum zu glauben, dass diese Notwendigkeit nicht schon viel früher erkannt wurde. Dass Richter die zweite Feuerwache infrage stellt, könnte ein Anlass sein, das Elfmillionen-Projekt noch einmal zu überdenken. Vielleicht kommt dieser Anstoß zu spät. Aber eine offene Diskussion dürfte vielen die Augen öffnen und Osnabrück vor mancher Fehlentscheidung bewahren.

Die Todesfälle aus dem Zeitungsarchiv

Mord und Totschlag

Mord an 51-Jährigem am Prießnitzhof (Oktober 2016).

71-Jährer stirbt im Krankenhaus an schweren Verletzungen (Dezember 2015)

33-Jähriger stirbt an schweren Kopfverletzungen, Leyer Straße (November 2015)

45-jähriger Türke wird in einem Supermarkt an der Iburger Straße erschossen (Oktober 2015)

Mord an 45-jährigem Litauer am Weingarten in Pye (Dezember 2013)

Zwei Tote nach Brandstiftung in einem Haus an der Bramscher Straße (Januar 2013) Zugunglück

60-jähriger Fußgänger auf Bahnübergang Atterstraße vom Zug erfasst (April 2014) Arbeitsunfall

16-Jähriger stirbt bei Arbeitseinsatz am Zechenbahnhof in Pye (Januar 2013) Verkehrsunfälle

50-jähriger Autofahrer stirbt bei Verkehrsunfall in Voxtrup (November 2017)

71-jähriger Radfahrerin in Hellern von Lkw überrollt (Oktober 2017)

56-jähriger Fußgänger stirbt an der Kreuzung Alte Poststraße/ Buersche Straße (Oktober 2017)

59-jährige Radfahrerin auf dem Goethering von Lkw überrollt (Oktober 2016)

27-jährige Autofahrerin stirbt im Schinkel (September 2016)

90-jähriger Fußgänger an der Kreuzung Petersburger Wall/ Holtstraße von Lkw überrollt (September 2016)

82-jährige Frau an der Sutthauser Straße von Lkw erfasst (März 2016)

88-jährige Beifahrerin bei Unfall auf der Kreuzung Vehrter Landstraße/ Haneschstraße/ Haster Weg tödlich verletzt (Februar 2016)

19-Jähriger auf der A1 von Sattelzug erfasst (Februar 2016)

80-jähriger Fußgänger auf dem Blumenhalle Weg tödlich verletzt (November 2015)

21-jähriger Radfahrer stirbt nach Kollision mit Lkw auf dem Springmannskamp (Oktober 2015)

47-jähriger Radfahrer auf der Kreuzung Johannistorwall/ Kommenderiestraße von Lkw überrollt (Oktober 2014)

51-jähriger Radfahrer stirbt nach Unfall auf der Bohmter Straße (September 2014)

35-jähriger Fußgängerin auf der Iburger Straße von Lkw überrollt (August 2014)

20-jähriger Radfahrer auf der Kreuzung Johannistorwall/ Kommenderiestraße von Lkw überrollt (März 2014)

85-Jähriger auf dem Parkplatz der Polizeiwache Kollegienwall von Polizeiauto angefahren (Februar 2014)

90-Jährige auf der Jäneckestraße von Auto erfasst (Oktober 2013)

53-Jähriger auf dem Parkplatz im Gewerbegebiet Hellern von Kleintransporter erfasst (September 2013)

22-jähriger Fußgänger auf dem Neumarkt von Auto erfasst (April 2013)

78-Jähriger Fußgänger stirbt bei Verkehrsunfall auf der Liebigstraße (April 2013)

Drogentote

Juli 2016 Juli 2017: 8 Drogentote

Juli 2015 Juli 2016: 22 Drogentote

Juli 2013 Juli 2014: 6 Drogentote

Juli 2012 Juli 2013: 17 Drogentote

Sonstige Unglücksfälle

77-jährige Patientin wird in der Paracelsus-Klinik von Gamma-Kamera erschlagen (Januar 2016)

Flüchtling stirbt an Pilzvergiftung (September 2015). (r.)
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


Anfang der Liste Ende der Liste