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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Winter am Hasetorbahnhof
Zwischenüberschrift:
Im Februar 1955 gab es noch das alte Empfangsgebäude im Fachwerkstil
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Der Winter 1954/ 55 war mit mehr als 30 Schneetagen einer der kälteren und schneereicheren im Osnabrücker Land. Viele Hobbyfotografen zog es damals hinaus, um die weiße Pracht in ihrer Umgebung festzuhalten. So auch unsere Leserin Edeltraut Urban.

Osnabrück. Neben den schön anzusehenden verschneiten Bäumen und Dächern interessiert bei einem mehr als 60 Jahre alten Foto natürlich auch immer, was sich seitdem städtebaulich verändert hat.

In dieser Ansicht, die von der Auffahrt zur Vitischanze aus aufgenommen wurde, fällt zunächst der alte Hasetorbahnhof (heute Bahnhof Osnabrück-Altstadt) auf. Er versteckt sich etwas links hinter der Litfaßsäule, jedoch sind seine Fachwerkfassade, die Aufgangstreppe und die Bahnhofsuhr zu erkennen.

70 Jahre lang, von 1896 bis 1966, war er den Osnabrückern und ihren einpendelnden Gästen etwa aus dem Emsland oder dem Artland ein vertrauter Anblick. Er war noch ein richtiger Bahnhof″ mit Fahrkartenverkauf, Gepäckannahme, Bahnsteigsperre, Warteraum und Bahnhofsgaststätte. Und, auch ganz wichtig, einem Stationsvorsteher mit roter Dienstmütze, Kelle und Trillerpfeife. Seit 1968 begrüßt ein neues, schlichteres Empfangsgebäude die Reisenden.

Dass es den Hasetorbahnhof überhaupt gibt, war einer Initiative Osnabrücker Kaufleute in der nördlichen Altstadt zu verdanken. Die sahen ihre Felle wegschwimmen, nachdem der Hannoversche Bahnhof 1895 geschlossen worden war und alle Reisenden am neuen Hauptbahnhof im Südosten der Stadt ankamen. Die Kaufleute fürchteten eine weitere Konzentration des Verkehrs- und Geschäftsgeschehens in der Neustadt und griffen zur Selbsthilfe. Unter Anführung des Bäckermeisters Wilhelm Jürgensmann brachten sie 38 000 Mark auf. Die Stadt legte 8000 Mark dazu und spendierte die erforderliche Grundfläche. Das reichte, um die Königliche Bahndirektion zu überzeugen. Sie richtete 1896 einen Haltepunkt am Hasetor ein. Von hier war der Weg etwa zum Markt oder zum Rathaus viel kürzer als vom Hauptbahnhof aus. Auch das Theater war schnell erreicht. Spitznamen wie Theaterbahnhof″ und Katholischer Bahnhof″ machten die Runde, denn auch zum Bischof und zum Dom war es nur ein kurzer Fußmarsch.

In den ersten Jahren nach dem Krieg spielte der weitgehend unversehrt gebliebene Hasetorbahnhof eine größere Rolle, denn der Hauptbahnhof war gründlich zerstört worden und mutete den Reisenden lange Zeit als Dauerbaustelle vielerlei Beschränkungen zu.

Im Umfeld des Hasetorbahnhofs entdecken wir auf dem historischen Foto die zeittypischen Zutaten eines Bahnhofs: links neben der Litfaßsäule ein Verkaufskiosk und eine Telefonzelle, Bushaltestellen auf beiden Straßenseiten und am rechten Bildrand ein weiterer Zeitschriftenkiosk mit Schütte′s Wurstbraterei″ im Doppelpack.

Das Verkehrsgeschehen war so überschaubar, dass man noch keine Fußgängerampel brauchte. Wegen der recht breiten Einmündung der Karlstraße in die Hasestraße gab es lediglich eine Mittelinsel, die durch zwei beleuchtbare Säulen gekennzeichnet war. Den Erich-Maria-Remarque-Ring gab es noch nicht, nur die untergeordnete Karlstraße (später Karlsring), in die wir hineinschauen. Darin liegt der Unterschied zur heutigen Verkehrsführung: Die Hasestraße setzte sich als Vorfahrtstraße bis zur Bahnunterführung Hasetor durch und ging dort in die Bramscher Straße über. Genauso fuhr auch die Straßenbahn, deren Gleise im Bildvordergrund im Schneematsch zu erkennen sind.

In der Bildmitte über dem Bahnkörper ist der Gasometer als deutliche Landmarke auszumachen. Die Stadtwerke errichteten den Gasbehälter 1954 auf ihrem Areal Alte Poststraße/ Luisenstraße. 50 000 Kubikmeter Stadtgas″, das aus Steinkohle in der eigenen Kokerei erzeugt wurde, fasste die riesige Blechtonne mit einem Durchmesser von 35 und einer Höhe von 75 Metern. Die Investition erschien notwendig, um das Gas mischen und speichern zu können.

Die Kokerei produzierte kontinuierlich, aber der unterschiedliche Bedarf zu Tages- und Nachtzeiten war auszugleichen. Erstrebenswert war ein Speichervolumen von etwa einer Tagesabgabe. Die lag in den 1950er-Jahren zwischen 60 000 und 70 000 Kubikmetern. Die beiden älteren, kleineren Gasbehälter deckten davon 30 000 Kubikmeter ab, deshalb war ein weiterer Speicher erforderlich. Viel Zeit für die Amortisation der Baukosten von 1, 6 Millionen DM blieb nicht, denn schon 1961 erwies es sich als günstiger, auf dem Leitungswege Ferngas″ von der Ruhrgas AG und ab 1967 Erdgas″ zu beziehen. Der dicke Ulsmann″, wie er wohl nach dem Stadtwerke-Direktor und Senator Ulsmann genannt wurde, blieb noch bis 1972 als Vorratsspeicher in Betrieb, war dann aber aufgrund der immer stabiler gewordenen Pipeline-Infrastruktur entbehrlich und wurde noch im selben Jahr demontiert.

Die Stadtgeschichte im Blick: Lesen Sie mehr auf www.noz.de / historisch-os

Bildtexte:
Blick in die Karlstraße und zum Herrenteichswall im Februar 1955. Links der alte Hasetorbahnhof, in der Bildmitte der Gasometer.
Der Erich-Maria-Remarque-Ring als Teil des inneren Rings ist heute der übergeordnete Straßenzug. Von rechts mündet die Hasestraße ein.
Fotos:
Edeltraut Urban, Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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