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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Ein „anziehendes Haus″
Zwischenüberschrift:
92 Jahre lang verkaufte Hettlage hier Bekleidung – 1995 übernahm Peek & Cloppenburg
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Heute wird das zunehmend anders gesehen, aber früher gehörten Einzelhandel und Verkehr untrennbar zusammen. Mit sechs einmündenden Straßen war der Nikolaiort der zentrale Verkehrsknoten mit einer Verteilerfunktion″ für die nördliche Altstadt. Die anliegenden Grundstücke zählten zu den begehrtesten Kaufhaus-Standorten.

Osnabrück. Dabei nahm das Filetstück″ Nikolaiort 5, das den Zwickel zwischen Kamp und Krahnstraße ausfüllt und optisch den Platz beherrscht, nochmals eine besondere Rolle ein. Seit mindestens 140 Jahren geht hier Ware gegen Geld über den Tisch. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war es das Haushalts- und Spielwarengeschäft A. Trepper, das das Publikum in sein vergleichsweise recht bescheidenes Fachwerkhaus im Ackerbürgerstil lockte. 1901 zog Trepper zur Turmstraße und machte damit den Weg frei für einen repräsentativen Neubau im Historismusstil. Das Manufakturwarengeschäft Hettlage & Lampe zog ein.

1902 gründeten Alois Hettlage und Otto Lampe das Fachgeschäft für Herren- und Knabenbekleidung″ in Osnabrück. Beide entstammten, wie auch die Brenninkmeyers (C& A), Boeckers und Stockmanns, den traditionsreichen Kaufmannsfamilien aus dem westfälischen Dorf Mettingen, der Wiege des europäischen Textilhandels″, wo die Ahnen im 18. Jahrhundert als Tödden″ den Fernhandel aufnahmen. Die Wanderhändler wurden gegen Ende des 19. Jahrhunderts sesshaft und gründeten Textilwarenhäuser.

1930 zahlte Alois Hettlage seinen Kompagnon Lampe aus und wurde Alleininhaber. Es blieb jedoch bei dem eingeführten Firmennamen Hettlage & Lampe. 1932 übernahm Sohn Ernst-August Hettlage die Geschäftsleitung.

Wie viele andere Kaufhäuser der Innenstadt auch wurde Hettlage & Lampe am 13. September 1944 beim zweitschwersten Luftangriff auf Osnabrück zerstört. Nur die Außenmauern blieben stehen. 1946 begann der Wiederaufbau. 1948 war das Erdgeschoss wieder nutzbar, sodass der ausgelagerte Warenverkauf an den angestammten Platz zurückkehren konnte. Bauabschnitt für Bauabschnitt gewann das Bekleidungshaus seine alte Größe hinter zweckmäßig-schlichter Fassade wieder zurück.

1969 kam es zu einer Neuaufstellung des Osnabrücker Hauses innerhalb der Hettlage-Familienstämme: Hettlage & Lampe ging in der Unternehmensgruppe Gebrüder Hettlage KG mit Stammsitz in Münster auf. Nach mehreren kleineren Renovierungen holte die Hettlage KG 1991 zum ganz großen Schlag aus: Für 20 Millionen DM wurde der bis dahin eher schlichte Bau zu einem modernen Konsumtempel mit großem Lichthof unter einer Glaskuppel, gläsernem Fahrstuhl und konkav gewölbten Fensterfronten über dem Haupteingang umgestaltet. Zwei Drittel der alten Bausubstanz wurden dafür abgerissen, aus drei Etagen wurden fünf einschließlich des Untergeschosses. Die mit 5500 Quadratmeter nahezu verdoppelte Verkaufsfläche rückte das Osnabrücker Haus auf Platz eins der 38 norddeutschen Hettlage-Häuser. Mit Transparenz in das 21. Jahrhundert″ lautete das Motto.

Doch schon zwei Jahre später bekam das Flaggschiff mit traditionsreicher Vergangenheit″ Schlagseite. Im September 1994 holte die Hettlage KG einen Sanierungsexperten nach Münster, der ernsthafte Zahlungsschwierigkeiten″ einräumte. Mit dem Engagement in den neuen Bundesländern habe man sich übernommen, hieß es, und in das Osnabrücker Haus sei ein zu hoher Betrag investiert worden. Gesucht werde ein Kapitalgeber, der 30 Millionen DM Eigenkapital mitbringe. Vergeblich. Im November 1994 gingen auch im Osnabrücker Haus die Lichter aus, 70 Mitarbeiter standen auf der Straße. Nach relativ kurzer Umbauzeit übernahm im Folgejahr Peek & Cloppenburg das Haus in optimaler Lage. Das Osnabrücker Geschäft ist eines von 23 der Hamburger Gruppe Peek & Cloppenburg. Daneben existiert, wirtschaftlich und rechtlich unabhängig, die Peek & Cloppenburg KG Düsseldorf mit 67 Standorten in Deutschland.

Bildtexte:
Seit 1902 beherrschte Hettlage & Lampe den südwestlichen Platzabschluss des Nikolaiorts. Die Ansichtskarte des Verlags J. H. Evering (1912) ist entnommen dem Bildarchiv Alt-Osnabrück″, Band 2, herausgegeben von Wido Spratte, Verlag Wenner.
Ausgebombt und ausgebrannt ließ die Ruine den Winter 1944/ 45 über sich ergehen. Das Foto eines unbekannten Fotografen entstammt der Sammlung Helmut Riecken.
Um 1948 herrscht bereits wieder Andrang: Die Türen zu den Verkaufsräumen im Erdgeschoss werden geöffnet (Foto eines unbekannten Fotografen aus der Sammlung Riecken).
Anziehender Standort″ geblieben: 1995 übernahm Peek & Cloppenburg die Hettlage-Immobilie.
Foto:
Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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