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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
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aus Zeitung:
Überschrift:
Zuschauen geht schon in Ordnung, aber…
Zwischenüberschrift:
Feuerwehrleute und Polizisten zunehmend von Gaffern genervt – Abstand halten ist das ganze Geheimnis
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Immer häufiger berichten Rettungskräfte, dass sie während ihrer Einsätze von Gaffern behindert werden. Wie viel Neugier ist erlaubt? Woran stören sich Polizei und Feuerwehr besonders?

Von Yannick Richter

Osnabrück. Auf einer Autobahn knallen mehrere Lastwagen ungebremst aufeinander. Der Laderaum eines Viehtransporters öffnet sich, Schweine springen auf die Straße. Ein Mann ist lebensgefährlich verletzt und in seinem Auto eingeklemmt. Zahlreiche Rettungswagen eilen zur Unfallstelle, auch ein Rettungshubschrauber hebt ab. Und auf der Gegenfahrbahn? Auto- und Lastwagenfahrer werden immer langsamer. Sie zücken ihre Handys, um die dramatischen Bilder zu filmen und zu fotografieren.

Was wie aus einem Drehbuch von Alarm für Cobra 11″ klingt, hat sich Anfang Juni 2016 auf der A 1 bei Bramsche zugetragen. Die Szene ist beispielhaft für die Dreistigkeit von Gaffern, die die Einsätze von Feuerwehr, Polizei und Rettungsdiensten zunehmend erschweren.

Zuletzt heizte das millionenfach geklickte Youtube-Video Schaulustige Sei kein Gaffer″ bundesweit die Debatte an. Der in Osnabrück mit Unterstützung der hiesigen Feuerwehr entstandene Film soll dafür sensibilisieren, dass respektloser Voyeurismus die Arbeit der Einsatzkräfte behindern kann.

Aber wann genau werden die Rettungskräfte überhaupt in ihrer Arbeit eingeschränkt? Was ist an der Unfallstelle erlaubt? Was sollte vermieden werden?

Es ist grundsätzlich okay, uns bei der Arbeit zuzuschauen″, sagt Jan Südmersen, Sprecher der Feuerwehr Osnabrück. Schließlich sei die Feuerwehr eine öffentliche Einrichtung, die ihre Einsätze nicht verheimlichen könne.

Allerdings gebe es beim Zuschauen klare Grenzen. Sie werden überschritten, wenn Menschen sich rücksichtslos am Leid anderer ergötzen″, unterstreicht Südmersen. Dieses Gaffen behindere die Einsatzkräfte, stellt der Feuerwehrmann klar. Gemäß Strafgesetzbuch ist das pietätlose Fotografieren und Filmen von Unfallopfern oder Menschen in Notlagen ohnehin verboten und kann seit einiger Zeit sogar mit einer Freiheitsstrafe geahndet werden.

Dennoch nähern sich sensationslüsterne Beobachter immer wieder Unfallstellen. Dies sei problematisch, sagt Südmersen. Nicht ohne Grund laute die wichtigste Regel am Unfallort: Abstand halten. Wir haben mit den unberechenbaren Naturgewalten genug zu tun, da brauchen wir nicht noch unberechenbare Mitbürger.″ Gaffer, die zurückgedrängt werden müssen, überflüssige Diskussionen, Möchtegernhelden, Besserwisser all das sei überflüssig. Das nervt und bindet Kapazitäten, die woanders dringender gebraucht werden.″

Holger Dyckhoff, Kreisbrandmeister im Emsland, bringt es ebenfalls auf den Punkt: Schaulustige behindern die Arbeitsabläufe. Sie begeben sich selbst in Gefahr.″ Ein Teil des Personals werde dadurch von seiner eigentlichen Tätigkeit abgehalten. Sie können sich nicht mehr nur auf den Notfall konzentrieren, sondern müssen auch noch die Störer zurückweisen.″

Frank Oevermann, Sprecher der Polizeiinspektion Osnabrück, pflichtet ihm bei. Zum Teil stehen die Leute dann sogar noch im Trümmerfeld. Das geht gar nicht.″ Dass dadurch im schlimmsten Fall sogar Spuren verunreinigt werden, sei vielen überhaupt nicht bewusst. Nicht alle Störer reagieren einsichtig″, sagt Oevermann.

Schaulustige beeinträchtigen auch die Arbeit der Autobahnpolizei Osnabrück, wie Dienststellenleiter Manfred Tapken sagt. Ihn nerven die vielen auf der Gegenfahrbahn abbremsenden Verkehrsteilnehmer. Es sind vor allem Lastwagenfahrer, die dann stehen bleiben und ihre Handys zücken.″

Auch hier nehmen die Voyeure keine Rücksicht. Sie bringen sich und die nachfolgenden Fahrzeuge in Gefahr″, mahnt Tapken. Die Beamten haben daraufhin doppelte Arbeit: Auf der einen Seite sichern wir die Unfallstelle, auf der anderen Seite sorgen wir dafür, dass der Verkehr weiterläuft und es nicht noch einmal kracht.″ Feuerwehrmann Südmersen macht ähnliche Beobachtungen. Er appelliert: Um Himmels willen, fahren Sie doch einfach weiter.″

Apropos Stehenbleiben: Nicht in allen Angelegenheiten sind die Fahrer beratungsresistent. Wie Rettungskräfte verschiedener Behörden und Hilfsorganisationen aus der Region übereinstimmend mitteilen, klappt das Bilden einer Rettungsgasse mittlerweile deutlich besser. Tapken hat eine Vermutung. Die neuen Bußgelder beim Nichtbilden der Rettungsgasse ziehen wohl.″

Während des Unfalls in Bramsche schlugen Rettungskräfte die Gaffer übrigens mit ihren eigenen Waffen. Sie filmten die Schaulustigen, die mit ihren Smartphones auf die Unfallstelle hielten. Es wurden insgesamt 23 Bußgeldverfahren eingeleitet.

Den Anti-Gaffer-Film, der in Osnabrück entstanden ist, können Sie unter noz.de/ gaffervideo sehen.

Bildtext:
Problematisch für Rettungskräfte: Schaulustige, die den Einsatz aus nächster Nähe fotografieren, so wie auf diesem gestellten Foto.
Foto:
imago/ Jochen Tack
Autor:
Yannick Richter


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