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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Die Natur ist wie ein Smartphone
Zwischenüberschrift:
Sonderausstellung über Biodiversität im Museum am Schölerberg
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Wenn nur ein Teil von der Platine eines Smartphones fehlt, versagt das ganze Gerät. Dass die Natur ein nicht minder komplexes System ist, in dem der Verlust einzelner Arten schwerwiegende Folgen hat, verdeutlicht die neue Ausstellung Vielfalt zählt! im Museum am Schölerberg.

Osnabrück. Nach Bonn, Frankfurt, Wien und Binz ist Osnabrück die fünfte Station der Sonderausstellung, mit der die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) die Biodiversität in den Fokus rückt. Eine halbe Million Euro steckt in den mehr als 50 interaktiven Exponaten und Medieninstallationen, die zum Beobachten, Mitmachen und Miterleben einladen. Der Preis für die inszenierte Vielfalt ist im Museumseintritt enthalten. Erwachsene zahlen 5 Euro, Erwachsene mit Kindern 3 Euro, Kinder und Jugendliche unter 18 gar nichts.

Wenn das Vorderrad fehlt

Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile″: In diesem Aristoteles-Zitat steckt die Botschaft, mit der sich die Ausstellungsmacher mit Vorliebe an technikaffine junge Leute wenden, denen das Aussterben einer Vogelart weniger Kummer bereitet als ein Kratzer auf dem Display ihres Handys. Wer sich auf die multimediale Entdeckungstour einlässt, erfährt Zusammenhänge, die Alltagsbeobachtungen in einem anderen Licht erscheinen lassen.

Für Museumsdirektor Norbert Niedernostheide zeigt sich der Verlust an Biodiversität schon im Garten, wo es zwar ein neues Vogelhaus, aber kaum noch Vögel gibt. Oder an der Windschutzscheibe des Autos, von der selbst nach einer langen Fahrt nur noch ganz wenige Insekten gekratzt werden müssen.

Wer die Ausstellung verstanden hat, begreift, dass es da einen Zusammenhang gibt. Vor allem aber, dass die biologische Vielfalt für den Menschen lebenswichtig ist. Denn als Teil der Nahrungskette gerät er selber in Gefahr, wenn durch Klimawandel, Landnutzung und Schadstoffe das Artensterben beschleunigt wird.

Biodiversität ist nicht nur nice to have, sondern essential to live″, vermerkt der emeritierte Professor und DFG-Beiratsvorsitzende Erwin Beck in diesem Zusammenhang – „ ohne die Natur können wir nicht leben″. Der schleichende Prozess, dem zunächst nur einzelne Teile in einem komplexen System zum Opfer fallen, wird in der Ausstellung mit einem Fahrrad verglichen. Fehlt die Klingel, lässt es sich noch fahren, fehlt der Sattel, wird es schon schwieriger. Aber ohne das Vorderrad geht gar nichts mehr.

Grüße aus der Selfie-Box

Besucher können hören, riechen und ertasten, welche Vielfalt die Natur hervorbringt. Oder wiegen, wie viel Biomasse die unterschiedlichen Lebensräume produzieren. Die Grassteppe erweist sich da als Federgewicht, während die Savanne mit 16, 8 Kilo (bezogen auf 16, 8 Gigatonnen jährlicher Gesamt-Netto-Primärproduktion) schon einiges an Kraft erfordert. Beinahe so viel, wie der tropische Regenwald mit 17, 8 Kilo. Wie sehr Vielfalt zählt, zeigt sich auch beim virtuellen Flug mit den Augen einer Gartenhummel, eines Zitronenfalters oder eines anderen Insekts über eine Wildblumenwiese. Ob Hornklee oder gemeine Wegwarte jedes Tierchen hat seine eigenen Favoriten und blendet andere Pflanzen aus. Gartenbesitzer können an einer Experimentalstation ausprobieren, mit welchen Gestaltungselementen sich Igel, Frösche, Käfer oder Vögel ansiedeln lassen.

Eine besondere Anziehungskraft erwartet Museumsdirektor Niedernostheide von der Selfie-Box, in der sich Museumsbesucher allein oder mit anderen in verschiedenen Lebensräumen verewigen können zum Beispiel in einer Blüte. Das Foto kommt blitzschnell per-E-Mail an. Damit die multimediale Wahrnehmung auch flächendeckend funktioniert, hat das Museum sein kostenloses W-Lan-Netz massiv ausgebaut.

Parallel zur Ausstellung findet am Schölerberg eine Veranstaltungsreihe mit prominenten Namen wie Sven Plöger, Prof. Josef Reichholf und Prof. Herbert Zucchi statt, in Workshops und Schulklassenangeboten geht es um Honigbienen, ökologische Schädlingsbekämpfung, Nützlinge im Garten oder den Artenreichtum vor der Haustür.

Vielfalt zählt! Eine Expedition durch die Biodiversität″: Weitere Information gibt es im Internet unter www.museum-am-schoelerberg.de und www.vielfalt-zaehlt.de

Bildtext:
Entdeckungstour im Nordatlantik: Auf Wimmelbildern können sich die Besucher der Sonderausstellung an einem Quiz versuchen.
Foto:
Jörn Martens
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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