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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Der vielleicht härteste Job der Welt
Zwischenüberschrift:
Der Fischdampfer „Osnabrück″ stand von 1950 bis 1966 in Diensten der Nordsee-AG
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück liegt zwar weit im Binnenland. Dennoch fuhren und fahren mehrere Schiffe unter dem Namen der Hasestadt über die Weltmeere. Eines davon war der Fischdampfer Osnabrück″, den jeder Gast, der im Fischrestaurant Helgoland″ speist, als Modell in einer Glasvitrine bewundern kann.

Osnabrück. Der Signatur unterhalb des Modells ist zu entnehmen, dass es sich bei dem großen Vorbild um einen 50, 3 Meter langen und 8, 7 Meter breiten Seitenfänger″ handelt. Er wurde 1950 auf der Seebeck-Werft in Bremerhaven gebaut und fuhr bis zu seiner Verschrottung 1966 für die Nordsee″-Deutsche Hochseefischerei AG.

Auch andere Fischdampfer trugen Städtenamen. Damit bezweckte die Gesellschaft, in binnenländischen Patenstädten Werbung für den Fischverzehr zu machen. Denn die Nordsee″ beschränkte sich nicht auf den Fischfang. Fischverarbeitung und der Vertrieb über eigene Verkaufsläden und Restaurants bis zum Endverbraucher ergänzten den Geschäftsumfang.

Das Modell der Osnabrück″ steht im Restaurant Helgoland″ in der Großen Hamkenstraße unweit des Neumarkts. Pächter Joachim Fuchs hat den Fischdampfer von seinem Vorgänger in der seit 1959 bestehenden Gastronomie übernommen. Seiner Erinnerung nach müsste die Osnabrück″ etwas mit den Margarinewerken Homann in Dissen zu tun haben, Genaueres wisse er aber nicht.

Eine offizielle Anfrage bei der Homann-Feinkost GmbH, die nicht mehr den Familien Homann, sondern, wie hinlänglich bekannt, der Unternehmensgruppe Theo Müller gehört, führte zu keinen Erkenntnissen, das Archiv gebe dazu nichts her, hieß es vonseiten der Pressestelle.

Über den Heimatverein Dissen gelang der Kontakt zum Homann-Chronisten Peter Borstel. Er hat in dem Band Mit Margarine groß geworden″ seine persönlichen Erinnerungen an die Firma und die handelnden Akteure niedergeschrieben. Dabei half ihm, dass sein Vater Adolf William Borstel 1930 als Bevollmächtigter des britisch-niederländischen Unilever-Konzerns Mitglied des Vorstands der Fritz Homann A.-G. wurde. Mit-Vorstände waren Hugo Homann und Fritz Homann III., denn die Familie hielt (bis 1989) weiterhin die Hälfte der Anteile.

In der Chronik schreibt Borstel allerdings nichts über die Fischerei-Aktivitäten der Homänner. Auffällig ist allenfalls, dass ein Gefolgschaftsausflug″ am 18. Mai 1935 nach Bremerhaven führte. Ein Sonderzug fuhr von Dissen direkt zum Columbusbahnhof Bremerhaven, wo der Schnelldampfer Bremen″ besichtigt wurde. Dass die Fri-Ho-Di-Fahrt″ 1935 auch in den Fischereihafen führte, darf vermutet werden.

Anders als die Firma Walter Rau in Hilter, die 1937 eine Walfangflotte zur Rohstoffsicherung in die Antarktis schickte, unterhielt Homann keine Fangschiffe, um Meerestiere in der eigenen Produktion zu verarbeiten. Zur Margarine-Herstellung brauchte man keine Fische. Heringssalat und andere Fischfeinkostprodukte gehörten vor dem Krieg noch nicht zum Homann-Sortiment. Peter Borstel weiß aber, dass sowohl Familienmitglieder Homann wie auch sein Vater an Schiffen oder Partenreedereien beteiligt waren. Kontakt zur Fischerei hatten die Dissener Margarinefabrikanten unter anderem dadurch, dass Unilever einer der Großaktionäre der Deutschen Hochseefischerei Nordsee″ war.

Die Schiffsregister zählen zahlreiche Fischdampfer namens Homann auf. Bereits 1910 legte die Reederei Grundmann & Gröschel in Geestemünde/ Bremerhaven, an der Homann beteiligt war, eine Fritz Homann″ auf Kiel. 1929 folgte Hugo Homann″, 1930 die zweite Fritz Homann″, 1943 Jochen Homann″, 1954 Hans Homann″ und Christian Homann″. Grundmann & Gröschel ging in der Nachkriegszeit in der Deutschen Hochseefischerei Nordsee″ auf. So schließt sich der Kreis zur Osnabrück″, die wir heute als Modell unter Glas bewundern können.

Die noch mit Dampfkraft angetriebene Osnabrück″ mit der Kennung B.X. 588 (B.X. für Heimathafen Bremerhaven) gehörte zu den sogenannten Seitenfängern″, bei denen im Gegensatz zu den später gebräuchlichen mechanisierten Hecktrawlern das Netz über die Langseite eingeholt wurde. Das war knallharte Knochenarbeit, vielfach als härtester Job der Welt″ bezeichnet. Die seitlichen Rollbewegungen des Schiffes im Seegang nutzte man aus, um bei der Talfahrt″ den schweren Steert″ des Netzes mit dem gesammelten Fang etwas leichter über die Reling ziehen zu können. Unfallgefahr und körperliche Belastungen waren insbesondere bei Kälte, Sturm und Seegang groß. In den drei Wochen, die ein Törn etwa bis vor Island dauerte, gab es für die Besatzung nichts außer Arbeiten, Schlafen und Essen. Wer heute seinen leckeren Kabeljau in Senfsoße im Fischrestaurant genießt, möge einmal an die ungemütlichen Arbeitsbedingungen auf der alten Osnabrück″ denken, um den Wert des Meeresmahls umso mehr zu schätzen.

Bildtexte:
Die Osnabrück″ holte von 1950 bis 1966 schmackhafte Nahrung aus den nördlichen Meeren.
Ein Modell des Seitenfängers″ steht bis heute im Fischrestaurant Helgoland″.
Fotos:
Archiv Deutsches Schiffahrtsmuseum Bremerhaven, Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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