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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Ein Neubau für die Humboldtbrücke
 
Unaufhaltsam verrottet die Humboldtbrücke
Zwischenüberschrift:
Am Hauptbahnhof will die Stadt einen Neubau aus Stahl errichten – Finanzierung steht noch nicht
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Bongossiholz gilt zwar als extrem hart, aber die aus dem Tropenholz gefertigte Humboldtbrücke am Hauptbahnhof verrottet. Die Stadt will sie durch eine Stahlkonstruktion ersetzen. Sie soll 650 000 Euro kosten.

Das Holz der Humboldtbrücke am Hauptbahnhof verrottet, und es ist absehbar, dass die Standfestigkeit leidet. Wir können das nicht lange schieben″, sagt Jürgen Schmidt vom Fachdienst Straßenbau der Stadt Osnabrück. Aber Geld für ein neues Bauwerk ist bislang nicht eingeplant.

Osnabrück. Die Humboldtbrücke, eine wichtige Verbindung für Fußgänger und Radler zwischen der Eisenbahnstraße und der Buerschen Straße, wurde 1990 aus dem Tropenholz Bongossi gebaut. Das war deutlich preiswerter als die heimische Eiche und stand im Ruf, auch ohne Schutzanstrich fäulnisresistent zu sein. Obwohl die problematische Herkunft aus den Urwäldern Kameruns damals schon diskutiert wurde, fiel die Entscheidung für das afrikanische Edelholz, weil die Verantwortlichen ausdrücklich auf ein langlebiges Material Wert legten. Der Vorgängerbau, eine Spannbetonkonstruktion, hatte nämlich nur 35 Jahre gehalten.

Nach lediglich 28 Jahren zeigt sich die Bongossibrücke in einem desolaten Zustand. In der Lauffläche tun sich bis zu 20 Zentimeter lange Löcher auf, die sich allmählich zu Stolperfallen entwickeln. Fehlstellen gibt es auch in der Brüstung. Holzschwund durch Fäulnis zeigt sich vor allem in den Schraubenlöchern, in denen sich das Regenwasser sammelt. Die Brückenbauer von 1990 waren derart überzeugt von ihrem tropischen Baumaterial, dass sie einen konstruktiven Holzschutz, also eine Wasserableitung, für überflüssig hielten.

Im Fachdienst Straßenbau gibt es bereits Pläne für eine neue Brücke. Dieses Mal soll es eine Konstruktion aus Edelstahl sein. Ein erstes Baufeld wurde schon 2010 im Zusammenhang mit dem Aufzug an der Bahnhofsseite errichtet. Für eine komplette Humboldtbrücke aus Stahl kalkuliert Fachdienstleiter Schmidt 650 000 Euro an Planungs- und Baukosten. Allerdings ohne Abgänge″, wie er hinzufügt. Wenn die Bahn sich an den Kosten beteilige, könnten Treppen zu den Gleisen 11/ 12 und 13/ 14 gebaut werden. Aber darüber müsse man noch verhandeln.

Offen ist bislang, wann die neue Brücke errichtet wird. In der mittelfristigen Finanzplanung gibt es keinen Etat für den Neubau. Einige Jahre wird die Bongossikonstruktion also noch halten müssen. Die Bauschäden machten es aber erforderlich, bald zu handeln, meint Jürgen Schmidt.

Bildtext:
Die Zeichen des Verfalls sind unübersehbar: Für die Humboldtbrücke aus dem tropischen Bongossiholz muss die Stadt Osnabrück demnächst Ersatz schaffen.
Foto:
David Ebener

Die Brücke über den Gleisen 11/ 12 und 13/ 14

Sie ist knapp 100 Meter lang und verbindet die Eisenbahnstraße mit der Buerschen Straße. Die Humboldtbrücke am Hauptbahnhof, eine wichtige Verbindung für Fußgänger und Radfahrer, überspannt die Gleise der Ost-West-Achse zwischen Löhne und Rheine. Ihren Namen verdankt sie der Humboldtstraße am Klushügel, deren Verlängerung sie bildet. Schon vor dem Zweiten Weltkrieg gab es an der Stelle eine Stahlbrücke. 1953 wurde an ihrer Stelle eine Spannbetonkonstruktion errichtet, die 1988 einzustürzen drohte. Zwei Jahre später entschied sich die Stadt für eine Brücke aus Bongossiholz, bei der die Brüstung eine tragende Funktion hat. Die Verwendung von Tropenholz war damals schon umstritten. Kurze Zeit darauf beschloss der Rat, tropische Hölzer nur noch in begründeten Ausnahmefällen zu verwenden. 2010 errichtete die Stadt einen Aufzug, nachdem die Rampe an der Eisenbahnstraße abgerissen werden musste.

Kommentar
Bongossi-Desaster

Es war wohl der Preis, der Osnabrücks Stadtväter 1990 bewog, die 100 Meter lange Humboldtbrücke aus Bongossi zu bauen, einem extrem harten Tropenholz, an dem sich herkömmliche Sägen die Zähne ausbeißen. Die Mahnung, das sei Raubbau am Regenwald, wurde in den Wind geschlagen. Heute wissen wir: Das war ein großer Fehler.

Es ist zweifelhaft, ob das Holz tatsächlich aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammt, wie es damals behauptet wurde. Gewissheit besteht heute aber darüber, dass das ach so harte Tropenholz nicht hält, was man sich damals von ihm versprach. Mit zwei kleineren Bongossibrücken über die Hase am Raiffeisenplatz und am Conrad-Bäumer-Weg hat die Stadt ebenfalls Schiffbruch erlitten.

Das Bongossi-Desaster zeigt, dass die billigere Lösung auf längere Sicht nicht die bessere Lösung ist. Etwas Gutes hat diese Erfahrung immerhin, wenn sie dazu beiträgt, Fehler aus der Vergangenheit nicht zu wiederholen.
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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