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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Kirchengemeinden zusammengelegt
 
Da waren es nur noch sechs
Zwischenüberschrift:
Bistum legt Kirchengemeindenin Osnabrück zusammen
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Es ist auch eine Folge des Priestermangels: In der Stadt Osnabrück werden zum Jahreswechsel die 14 Pfarreien zu sechs zusammengelegt. Damit wird der letzte Schritt des Perspektivplans″ des Bistums vollzogen. Die größte Veränderung erleben die Katholiken im Norden und Osten der Stadt.

Das katholische Bistum schließt am Ende dieses Jahres die große Strukturreform ab. Letzter Baustein ist Osnabrück, wo es nur noch sechs Pfarreien geben wird.

Osnabrück. Der dramatische Priestermangel machte die Reform nötig: 2010 startete das Bistum mit dem Perspektivplan 2015″ eine der größten internen Umwälzungen der vergangenen Jahrzehnte. Behutsam und unter größtmöglicher Beteiligung der Gläubigen und Ehrenamtlichen rückten Kirchengemeinden zusammen und bildeten neue Pfarreien oder Pfarreiengemeinschaften. Seelsorge und Verwaltungsaufgaben wurden getrennt. Es galt der Grundsatz: Die Selbstständigkeit der Gemeinden sollte weitestgehend erhalten bleiben. Die Menschen sind eher bereit, sich zu engagieren, wenn sie in ihrem direkten Umfeld Einfluss nehmen können″, sagt der Osnabrücker Stadtdechant Bernhard Stecker.

Langsamer Prozess

Der Prozess vollzog sich ohne Eile und wurde um zwei Jahre bis Ende 2017 verlängert, um Zusammenlegungen mit ohnehin anstehenden Personalwechseln zu koordinieren. Aus ehemals 250 Pfarrgemeinden im Bistum, in denen 2010 beim Reformstart 586 000 Katholiken lebten, sind 72 größere Einheiten entstanden. Auf dem Lande bildeten sich insgesamt 50 Pfarreiengemeinschaften. Das sind rechtlich eigenständige Kirchengemeinden unter der Leitung eines Pfarrers und eines hauptamtlichen Teams mit Priestern, Diakonen, Gemeinde- und Pastoralreferenten sowie ehrenamtlichen Pfarrgemeinderäten und Kirchenvorständen. In den Städten entstanden bistumsweit 22 neue Pfarreien aus bislang rechtlich eigenständigen Kirchengemeinden.

In der Stadt Osnabrück werden zum Jahreswechsel die 14 Pfarreien zu sechs zusammengelegt. Damit wird der letzte Schritt des Perspektivplans″ vollzogen. Die größte Veränderung erleben die Katholiken im Norden und Osten der Stadt. Die Pfarreiengemeinschaften Eversburg (Liebfrauen) und Pye (St. Matthias) werden der Domgemeinde zugeordnet. Diese künftige Pfarrei St. Petrus Dom wird mit 11 800 Mitgliedern die größte in Osnabrück sein.

Kein leichter Schritt″

Im Osten verschmelzen die innerstädtische Pfarreiengemeinschaft am Schölerberg (St. Joseph, St. Ansgar, Heilige Familie) mit den Stadtrandgemeinden in Voxtrup und Lüstringen. Kein leichter Schritt″, wie Stadtdechant Stecker einräumt. Seelsorgerischer Mittelpunkt ist die Pfarrkirche St. Joseph am Riedenbach, wo im Mai 2018 Ulrich Müller aus Glandorf das Amt des Pfarrers übernehmen wird. Mit 11 300 Gläubigen ist St. Joseph die zweitgrößte Pfarrei der Stadt. Die Katholiken in den anderen Gemeinden werden die administrativen Veränderungen kaum spüren, weil bestehende Strukturen übernommen werden.

Das gilt für die neue Pfarrei St. Elisabeth, die aus den Gemeinden Westerberg, Weststadt, Hellern und Hasbergen gebildet wird. Das gilt auch für St. Johann mit Kalkhügel und Sutthausen, für die Christus-König-Pfarrei in der Dodesheide und am Sonnenhügel sowie für Heilig-Kreuz im Schinkel. St. Elisabeth hat 10 220 Mitglieder, St. Johann 9200 und Christus-König 8900. Heilig-Kreuz im Schinkel ist mit 6300 Gläubigen die kleinste der sechs Stadt-Pfarreien. Die gewählten, ehrenamtlichen Kirchenvorstände der einzelnen Gemeinden bleiben bis zur nächsten Kirchenvorstandswahl im Herbst 2018 im Amt.

Aufgaben verlagern

Der Prozess ist damit abgeschlossen, es wird keine weiteren Zusammenlegungen geben″, sagt der Stadtdechant. Sollte der Priestermangel in der katholischen Kirche anhalten womit auch Bernhard Stecker rechnet –, werden mehr ursprünglich priesterliche Aufgaben auf Laien übertragen werden müssen. Schon heute übernehmen in seiner Gemeinde Diakone einen großen Teil der Beerdigungen. In seiner 9000-Seelen-Pfarrei gibt es jährlich 80 bis 100 Beerdigungen. Ein Pastor kann das allein überhaupt nicht mehr leisten″, sagt Stecker.

Der richtige Weg?

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Bildtext:
Das Bistum schließt zum Jahreswechsel mit zweijähriger Verzögerung den Perspektivplan 2015 ab.
Foto:
Michael Gründel

Kommentar
Sie denkt in Ewigkeiten

Der vertraute Pastor hat immer weniger Zeit, die Gottesdienste werden in der Zahl reduziert und zu neuen Zeiten in anderen Kirchen gefeiert, immer mehr Aufgaben werden an haupt- oder ehrenamtliche Laien delegiert: Für viele Katholiken war und ist die Zusammenlegung der Kirchengemeinden im Bistum mit kleinen oder großen Ärgernissen verbunden. Jede Veränderung bringt Ungewohntes. Jede Veränderung birgt aber auch Chancen.

Die Strukturreform war nötig, das steht außer Zweifel. Es gibt eben nicht genug Priester. Und an dieser Situation wird sich auch langfristig nichts ändern, im Gegenteil: 2017 wird als das erste Jahr ohne Priesterweihe in die Geschichte des Bistums eingehen.

Behutsam hat das Bistum den Perspektivplan umgesetzt. Dem Bischof und seinen Verwaltern ist es gelungen, die Gläubigen auf diesem Weg mitzunehmen. Anfangs mag es vielen ehrenamtlichen Pfarrgemeinderatsmitgliedern und Kirchenvorständlern gegen den Strich gegangen sein, plötzlich mit Kollegen aus den Nachbargemeinden an einem Tisch zu sitzen. Aber mit dem gegenseitigen Kennenlernen wuchs die Einsicht, dass dies der richtige Weg ist. Und die Ehrenamtlichen spürten, dass ihre Arbeit immer wichtiger wird. Darin liegt die große Chance dieses Prozesses: Seelsorge und Verwaltung werden getrennt, die Verantwortung wird auf viele Schultern verteilt.

Sicher ließe sich das Priesterproblem auch schneller lösen indem Rom Frauen zum Priesteramt zuließe und den Zölibat aufhöbe. Die allermeisten katholischen Laien würden diesen Schritt sicherlich bejubeln. Aber so weit ist die Kirche leider noch lange nicht. Sie denkt eben in Ewigkeiten.
Autor:
Wilfried Hinrichs


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