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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
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Überschrift:
Lässt die Stadt Friedhöfe verkommen?
 
Verwahrlosen die Friedhöfe?
Zwischenüberschrift:
Beispiel Atter: Ehrenamtliche sollen Service-Betrieb unterstützen
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Oberbürgermeister Wolfgang Griesert (CDU) würde es begrüßen, wenn sich in der Stadt Freiwillige fänden, die bei der Pflege der Friedhöfe mithelfen wollen. So äußert sich das Stadtoberhaupt in einem Brief an den Runden Tisch Atter, der sich über den miserablen Pflegezustand″ des Friedhofs in dem Stadtteil beklagt. Das bürgerschaftliche Engagement in Atter könnte zu einem Pilotprojekt″ für ganz Osnabrück werden, so Griesert. Der Runde Tisch hält eine ehrenamtlich organisierte Friedhofspflege grundsätzlich für denkbar, fordert aber zugleich einen höheren pflegerischen Einsatz der Profis vom Osnabrücker Service-Betrieb (OSB). Der Friedhof in Atter präsentiert sich in einem wenig würdevollen Zustand. Wege wachsen zu, Grabumrandungen ragen schief aus dem Boden.

Es ist ein Trauerspiel: Der Runde Tisch Atter beklagt den miserablen Pflegezustand″ des Friedhofs in Atter und fordert die Stadt und den Osnabrücker Service Betrieb (OSB) auf, mehr für die Pflege der Friedhöfe zu tun. Im Gegenzug bittet die Stadt um ehrenamtliche Pflegehilfe. Wird Atter zum Modell für ganz Osnabrück?

Osnabrück. Nein, auf diesem Friedhof möchte er nicht beerdigt werden, sagt Heinz-Hermann Tormöhlen. Der Sprecher des Runden Tisches Atter ist ein Kind dieses Stadtteils, seine Eltern sind auf dem Gottesacker zur letzten Ruhe gebettet. Aber er selbst und seine Frau wollen sich hier dereinst auf keinen Fall beerdigen lassen. Zumindest nicht unter diesen Umständen.

Der Friedhof in Atter, das ist ein Dreiviertelhektar Ruheraum mitten im Wald. Wahret die Würde des Friedhofes″ steht mahnend auf einer Tafel am Eingang. Eigentlich verfügt die Trauerstätte am Eickesberg über alle Voraussetzungen für ein würdevolles, ruhiges, individuelles und zeitgemäßes Totengedenken. Doch Besuchern zeigt sich hinter Friedhofsmauer und Eingangsschild ein wenig würdevolles Bild. Die Schotterwege, die erst vor drei Jahren neu angelegt wurden, wachsen von den Seiten mit Gras zu. Kantsteine und Grabumrandungen ragen krumm und schief aus der Erde. Sie sind optisch ein Ärgernis und für die Pflege ein echtes Hindernis.

Die Gräber sind fast ausnahmenslos tipptopp gepflegt. Doch die Lücken zwischen den Grabstätten werden immer größer. Überall, wo die öffentliche Hand die ihre anlegen müsste, wächst das Kraut offenbar ungezügelt. In dieser Hinsicht bildet der kleine Stadtteilfriedhof keine Ausnahme, sondern ein Grundproblem in Osnabrück ab.

Der Runde Tisch Atter hat nun einen Brandbrief an Oberbürgermeister Wolfgang Griesert, den Chef des Servicebetriebes Axel Raue und die Ratsfraktionen verschickt. Die Sprecher des Runden Tisches, Heinz-Hermann Tormöhlen, Jürgen Lamping und Wilhelm Schmiemann-Kalkmann, fordern von der Stadt endlich Konsequenzen″. Der miserable Pflegezustand″ sei ein seit Jahren immer größer werdendes Problem″. Bei einem Ortstermin im Juli mit OSB-Geschäftsführer Raue und Vertretern Atteraner Vereine sei der Eindruck entstanden, der OSB wolle in Zukunft nur noch Rasen mähen, alles andere nicht mehr″, wie es in dem Brief heißt.

Neue Bestattungskultur

Axel Raue gab beim Ortstermin zu verstehen, dass angesichts der politisch gewollten Personalreduzierungen in den vergangenen Jahren kein höherer Pflegezustand möglich sei. Das Problem werde durch die veränderte Bestattungskultur zusätzlich verschärft. Weil immer mehr Menschen eine Feuerbestattung für sich oder ihre Angehörigen wählen, sinken der Flächenbedarf und die Gebühreneinnahmen. Gleichzeitig wächst der Anteil der öffentlichen Flächen auf den elf Friedhöfen, die in die Pflegeobhut des OSB fallen. Die finanzielle Lücke schließt die Stadt aus Steuergeldern. 2017 flossen 1, 7 Millionen Euro aus dem Haushalt in die Unterhaltung der Friedhöfe.

Raue schlug in dem Gespräch vor, den offensichtlichen Mangel in der Friedhofspflege durch ehrenamtliches Engagement der Atteraner Vereine auszugleichen. Der OSB wäre bereit, die Arbeitsgeräte zur Verfügung zu stellen und die Freiwilligen mit einer Haftpflichtversicherung abzusichern.

Die Sprecher des Runden Tisches halten es grundsätzlich für denkbar, dass Ehrenamtliche zu Hacke und Schaufel greifen, stellen aber zugleich Forderungen. Unter anderem verlangen sie mehr Transparenz über Kosten und Gebührenerträge, das zeitnahe Entfernen der Umrandungen bei stillgelegten Gräbern, die Einführung anderer Bestattungsformen.

Oberbürgermeister Wolfgang Griesert unterstützt in seinem Antwortscheiben an den Runden Tisch die Ehrenamtsidee. Es freut mich sehr zu lesen, dass sich der Runde Tisch grundsätzlich eine Mitwirkung vorstellen kann, und würde mich freuen, wenn Sie dazu mit dem OSB weitere Gespräche führen″, schreibt der Oberbürgermeister. Die Grabumrandungen könnten aufgrund ihrer besonderen Abmessungen″ jeweils erst nach Stilllegung eines größeres Bereichs entfernt werden. Diese Arbeit gehe über die Regelpflege hinaus und habe wegen knapper Personalressourcen bislang nicht gemacht werden können. Griesert sagt aber zu: Es ist geplant, dies bis zum Beginn der Mähsaison 2018 zu erledigen, wenn die Witterungsverhältnisse es ermöglichen.″

Pilotprojekt?

Auch der Forderung nach alternativen Bestattungsformen will die Stadt nachkommen. Erdreihenwiesengräber und Urnengemeinschaftsgrabanlagen sollen 2018 in Atter eingerichtet werden. Das sei bisher aufgrund der geringen Nachfrage bislang nicht geschehen.

Stadt und OSB hätten hohes Interesse am Gelingen eines Pilotprojektes zur Pflege unseres Friedhofes in Atter mit Unterstützung der Vereine in Atter″, schließt der Oberbürgermeister seinen Brief. Vielleicht wird das Jahr 2018 für ein erstes Kooperationsprojekt der Bürgerinnen und Bürger in Osnabrück zur Aufrechterhaltung unserer Friedhofskultur stehen.″

Traueranzeigen: noz.de/ anzeigen

Bildtexte:
Der Friedhof in Atter ist in einem Zustand, der der Würde eines Friedhofs nicht gerecht wird. Was der OSB nicht schafft, sollen in Zukunft Ehrenamtliche erledigen.
Die Umrandungen stillgelegter Gräber werden nicht entfernt, was die Pflege der Flächen erheblich erschwert.
Fotos:
hin

Kommentar
Zu einfach

Das Ehrenamt soll′s wieder mal richten. Da machen es sich Service-Betrieb und Oberbürgermeister ein bisschen zu einfach.

Wenn der Staat an (selbst gesetzte) Grenzen stößt, muss das bürgerschaftliche Engagement helfen. Das kennen wir schon aus der Zeit, als die Kommunen sich nicht in der Lage sahen, die Schulen in Schuss zu halten. Eltern gründeten Fördervereine, pinselten die Klassenräume und spendeten alte Computer. Vergleichbares geschieht nun auf den elf kommunalen Friedhöfen, weil die veränderte Bestattungskultur die Gebühreneinnahmen sinken und den städtischen Zuschuss jährlich steigen lässt.

Die Lösung kann nicht sein, Ehrenamtlichen die Lasten aufzubürden. Als kurzfristige Hilfe vielleicht, um die ärgsten Missstände schnell zu beseitigen. Langfristig hilft nur ein tief greifendes Friedhofskonzept mit deutlich weniger Bestattungsflächen.
Autor:
Wilfried Hinrichs


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