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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Osnabrück 2030: Stadt wird größer und älter
Zwischenüberschrift:
Von 100 Einwohnern sind 34 Rentner – Auch der Anteil der Kinder und Jugendlichen wächst wieder
Artikel:
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Originaltext:
Seit Jahren sterben in Osnabrück, bis auf das Jahr 2016, mehr Menschen als geboren werden. Dennoch wächst die Stadt und wird es einer Berechnung der Verwaltung zufolge bis Ende 2030 weiterhin, wenngleich moderat. Das geht aus Zahlen der Bevölkerungsprognose 2017 bis 2030 der Verwaltung hervor.

Osnabrück. Insbesondere die ferne Zukunft lässt sich so gut wie gar nicht voraussagen.″ Das schreiben die Statistiker der Stadt in ihrem Fazit ihrer 56 Seiten starken Bevölkerungsprognose Osnabrück 2017 bis 2030 (Band 1, Gesamtstadt), in der sie die ferne Zukunft voraussagen. Die Erkenntnisse sollen den Fachverwaltungen dienen.

Die Statistiker entwarfen vier Szenarien zur Bevölkerungsentwicklung bis Ende 2030. Beim ihrer Ansicht nach wahrscheinlichsten zweiten Szenario rechnen sie mit einem Bevölkerungswachstum von 2, 72 Prozent bis Ende 2030 im Vergleich zu Ende 2016, der Basis der Berechnungen. Das Einwohnermelderegister der Stadt verzeichnete zu diesem Zeitpunkt 168 145 Einwohner mit Hauptwohnsitz in Osnabrück. Bis 2023 rechnen die Statistiker mit 172 244 Bürgern, bis 2030 mit 172 711 ein Plus von 4566 Einwohnern.

Im zweiten Szenario Osnabrück als dynamischer Wirtschafts- und Bildungsstandort″ rechnet die Verwaltung mit jährlich 14 000 Zuzügen aus dem In- und Ausland bis zum Jahr 2021. In den Jahren 2022 bis 2026 geht sie von jährlich 13 500 Zuzügen aus und den in Jahren 2027 bis 2030 von jährlich 13 000. Dementgegen steht die Abwanderung, die den Berechnungen zufolge geringer ausfällt.

Dieses Modell wird als das wahrscheinlichste angenommen und deshalb auch als Basisvariante bezeichnet″, schreiben die Statistiker. Darin haben Geflüchtete einen recht großen Anteil am positiven Wanderungssaldo. Bedeutend ist ebenfalls das Bildungs- und Arbeitsplatzangebot, das viele (junge) Menschen an die Hase zieht. Die Zweitwohnsteuer wirkt sich in diesem Modell positiv auf die Bildungswanderung aus.

Zudem steigt die Geburtenrate. 2016 war sie nach vielen Jahren wieder höher als die Sterberate, auch 2017 werde das der Fall sein, sagt Frank Westholt vom Team Strategische Stadtentwicklung und Statistik auf Nachfrage unserer Redaktion. Damit stemmt sich Osnabrück ein bisschen gegen den bundesweiten Trend.″ Und dennoch wird Osnabrücks Bevölkerung in der Basisvariante immer älter. Der Altenquotient erhöht sich auf 33, 6. Bedeutet: Auf 100 Osnabrücker kommen Ende 2030 knapp 34 Rentner. Der Anteil der 65- bis unter 80-Jährigen wächst mit 18, 24 Prozent am stärksten. Diese Gruppe war schon 2016 mit 21 915 Bürgern die drittstärkste Bevölkerungsgruppe nach den 45- bis unter 65-Jährigen mit 43 724 Einwohnern und den 25- bis unter 45-Jährigen mit 48 278.

Auch der Anteil der Drei- bis unter Sechsjährigen nimmt bis 2030 mit 11, 96 Prozent stark zu. Der Jugendquotient erhöht sich von 26, 9 auf 28, 3. Bedeutet: Auf 100 Erwerbsfähige kommen rund 28 Kinder und Jugendliche. Der Anteil der 16- bis unter 18-Jährigen nimmt hingegen um 5, 28 und der Anteil der 18- bis unter 25-Jährigen um 9, 83 Prozent ab obgleich das Bildungs- und Arbeitsplatzangebot dem Bericht zufolge doch so bedeutend ist. Ein Widerspruch? Nein, sagt Westholt. Den Osnabrücker Hochschulen komme in den kommenden Jahren noch eine große Bedeutung zu. Es sei heute die Kindergeneration der Babyboomer der 60er-Jahre, die sich an den Unis anmelde. Diese Entwicklung werde sich aber wohl abschwächen, vermutet er. Zur Erinnerung: Ab 1965 setzte der sogenannte Pillenknick ein.

Dem Bericht zufolge ist es eine Herausforderung, junge Menschen langfristig nach dem Bildungsabschluss und der Familiengründung an die Stadt zu binden. Es gibt aber den Trend der Zuwanderung zurück in die Stadt″, sagt Westholt. Zwar zögen auch weiterhin junge Familien aufs Land, aber nicht mehr so häufig wie in den 90ern″.

Die Zahlen könnten etwa bei der Planung des Wohnungs- und Kita-Bedarfs nützlich sein. Am 30. Juni 2017 zählte das Einwohnermelderegister der Stadt 169 693 Einwohner 2551 weniger als in der Vorausberechnung für 2023. Um die Wohnungsnot für mittlere und untere Einkommensgruppen zu lindern und dem Bevölkerungswachstum zu begegnen, will die Stadt bis 2020 3000 neue Wohnungen entstehen lassen.

3000 neue Wohnungen bieten bei in Osnabrück durchschnittlich 1, 9 Personen pro Haushalt (Ende 2014) 5700 Menschen Platz. Bis 2023 rechnen die Statistiker nur mit 2551 neuen Bürgern. Eine Fehlplanung? Das könnte man anhand der Zahlen vermuten″, sagt Westholt. Allerdings gebe es immer mehr Einpersonenhaushalte, schon jetzt seien es mehr als 50 Prozent. Zusätzlich wollen die Menschen größere Wohnungen als früher. Und damit die Menschen nach Osnabrück kommen, müssen Wohnungen vorhanden sein″, ergänzt Westholt, der für den Bericht verantwortlich zeichnet.

Positive Entwicklung

Bereits Ende 2016 hatte Osnabrück die eigene Prognose aus dem Jahr 2013 übertroffen. Damals errechnete die Verwaltung 165 390 Einwohner für das Jahr 2025 und 164 300 für 2030. Beide Zahlen waren bereits Ende 2015 mit 165 654 Einwohnern übertroffen worden. Flüchtlinge und Zweitwohnsitzsteuer trugen primär dazu bei, aber auch steigende Geburten- und Studentenzahlen.

Noch positiver stellt sich die Entwicklung dar, vergleicht man die aktuelle
Prognose mit der von 2010. Damals errechnete die Verwaltung in ihrer Bevölkerungsprognose 2010 bis 2025 einen Rückgang der Einwohnerzahl von damals 155 328 auf 149 721 ein Minus von 3, 6 Prozent.

Ein zweiter Band zur Bevölkerungsprognose soll noch erscheinen. Dieser gehe dann bis auf Stadtteilebene und Schuleinzugsbereiche, sagt Westholt.

Die Krux mit der Einwohnerzahl

Als Basis der Berechnung der Stadt diente das städtische Einwohnermelderegister. Dieses kam Ende 2016 auf 168 145 Einwohner. Der Zensus 2011 und dessen Fortschreibung gehen jedoch von einer wesentlich niedrigen Einwohnerzahl aus. Die Stadt behält sich weiterhin vor, gegen die Zensuszahl zu klagen. Denn die Einwohnerzahl entscheidet auch über die Höhe der Zuwendungen vom Land: Je mehr Einwohner Osnabrück hat, desto mehr Geld bekommt die Stadt aus Hannover. Ferner weiß auch die Stadt, dass die möglichen Szenarien nicht allumfassend sind und unvorhersehbare Ereignisse nicht berücksichtigen können. Daher erheben die Statistiker selbst nicht den Anspruch, die Entwicklung exakt vorherzusagen. Im Fazit heißt es daher: Insbesondere die ferne Zukunft lässt sich so gut wie gar nicht voraussagen.″

Kommentar
Herkulesaufgabe

Die Zahlen der Bevölkerungsprognose haben es in sich. Dass die Gesellschaft immer älter wird, ist seit Langem bekannt. Dass in Osnabrück auch die jungen Altersgruppen wieder wachsen werden, ist eine neue Erkenntnis, die Stadtplaner und Lokalpolitiker vor eine echte Herkulesaufgabe stellen wird.

Denn in Zukunft wird es einerseits mehr als heute darum gehen, die Ansprüche der älteren Generation zu bedienen. Andererseits werden die Herausforderungen für Kinder und Jugendliche nicht abnehmen.

Gefragt sind neue Formen der Mobilität, Nahversorgungsmodelle, die diesen Namen verdienen, intelligente Mehr-Generationen-Projekte, bezahlbarer Wohnraum für Studenten und junge Familien, Innenstädte mit einer hohen Aufenthaltsqualität und Bildungseinrichtungen, die den besonderen Bedürfnissen der Zuwanderer gerecht werden.

Das wahrscheinliche Szenario der Bevölkerungsprognose sollte zum Maßstab für das politische Handeln in den kommenden Jahren werden.
Autor:
Jörg Sanders, Holger Jansing


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