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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
25 Jahre Stolpersteine
Zwischenüberschrift:
Impulsgeber für die Aufarbeitung von Opferschicksalen in unserer Region
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Vor 25 Jahren setzte der Künstler Gunter Demnig in Köln den ersten seiner Stolpersteine″. Seitdem ist ihre Zahl auf europaweit 63 000 angewachsen. In der Region Osnabrück trugen und tragen sie einen großen Teil zur Erforschung der Schicksale von NS-Opfern bei.

Osnabrück. Die Oberfläche aus Messing, die auf den viereckigen Betonquadern prangt und typisches Merkmal der Stolpersteine ist, ist nur wenige Quadratzentimeter groß. Sie enthält gerade genug Platz für Namen, Wohnort, Lebens- und Sterbedaten des Menschen, an dessen letzte Wohnstatt vor der Deportation sie erinnert.

Gunter Demnig, Schöpfer der Stolpersteine, bezeichnete sie einmal als größtes dezentrales Mahnmal der Welt.″ Wahrscheinlich sind sie auch das mit der breitesten Basis an Partizipierenden: Den Wunsch, Stolpersteine zu setzen, tragen meist lokale und regionale Akteure aus der Zivilgesellschaft, die sich mit Opferschicksalen aus ihren Heimatorten beschäftigen, an den Künstler heran also etwa Heimatvereine, Schulklassen, kirchliche Gruppen und Privatpersonen.

Der Rat der Stadt Osnabrück genehmigte 2006 das Setzen von Stolpersteinen, bislang sind es 284 geworden. Es gibt einen Initiativkreis Stolpersteine″ und mehrere Arbeitskreise, die sich etwa mit Opferrecherche beschäftigen und mit der Frage, wer eigentlich Opfer im Sinne des Stolpersteinprojektes ist. Das bei der Stadt angesiedelte Büro für Friedenskultur koordiniert die Aktivitäten, die oft wissenschaftliche Ausmaße annehmen.

Akribische Quellenarbeit

Die Biografien von Opfern müssen oft akribisch rekonstruiert werden, um die Kriterien für einen Stolperstein zu erfüllen″, berichtet Friedensbüroleiterin Christine Grewe. Voraussetzung für einen Stolperstein sei eine Überlieferungssituation, die eindeutige Rückschlüsse auf den letzten Wohnort sowie das weitere Schicksal ermögliche. Viele Aktenbestände und Karteien haben den Krieg nicht überdauert, die Zahl der eruierbaren Schicksale sei begrenzt.

Angesichts der uns derzeit bekannten Quellen gehe ich davon aus, dass wir uns im letzten Quartal des Projektes befinden.″ Die Stolpersteine hätten in der Osnabrücker Erinnerungs- und Gedenkkultur Impulse gesetzt, sagt Grewe. Sie haben viele Aktivitäten angestoßen, in deren Summe sich ein klares Bild der Verfolgung und der Opfergruppen in unserer Region ergibt.″

Gerhard Kothmann, Sprecher der Initiative Stolpersteine in Osnabrück, würdigt die breite Akzeptanz des Projektes in der Stadt. Praktisch alle in Osnabrück ansässigen Institutionen der Erinnerungskultur seien an Bord, dazu zahlreiche Privatpersonen. Man verstehe sich ausdrücklich als ehrenamtliche Bürgerinitiative, die losgelöst von politischem Einfluss agiere. Ein Verdienst sei die Verankerung ihres Anliegens in großen Teilen der Stadtgesellschaft.

Thema in Schulprojekten

Stolpersteine seien in der Öffentlichkeit präsent, seien Gegenstand von Schulprojekten und dort für viele Jugendliche Ausgangspunkt zu Recherchen über Schicksale und die Zeit des Nationalsozialismus. Die Stolpersteine machen die Schicksale anschaulich und damit den Wahnsinn der Zeit insgesamt.″ Dabei war und ist das Projekt Stolpersteine bis heute nicht unumstritten. Charlotte Knobloch etwa, Holocaust-Überlebende und Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, kritisierte, das Andenken an die Ermordeten werde durch die Stolpersteine sprichwörtlich mit Füßen getreten. Der Münchener Stadtrat orientiert sich daran, in der bayerischen Landeshauptstadt sind Stolpersteinen auf öffentlichem Grund untersagt.

Michael Grünberg, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Osnabrück, spricht von einer persönlichen Entscheidung, die man hinsichtlich der Stolpersteine fällen müsse. Ich persönlich finde es gut, dass es wieder Namen gibt und dass Orte gezeigt werden, an denen die Menschen gelebt haben.″ Für seine Gemeinde hatte es große Bedeutung″, als die Stolpersteine in die Region gekommen seien. An den meisten Orten ist das Projekt konsequent aufgegriffen worden.″ Er verweist auf die Möglichkeiten, die die Stolpersteine auch im Kleinen schüfen. Im emsländischen Lathen etwa haben Schüler zu dortigen Stolpersteinen Audioguides produziert, in denen die Lebenswege der Opfer erzählt werden. Das zeigt: Stolpersteine können Ausgangspunkt zu weiteren Initiativen sein, die die Erinnerung wachhalten.″ (mit dpa)

Einen ausführlichen Bericht über Stolpersteine im Emsland und der Region Osnabrück finden Sie auf noz.de/ kultur

Bildtext:
Vor 25 Jahren wurde in Köln der erste Stolperstein gelegt. In unserer Region leisteten Stolpersteine einen großen Beitrag bei der Aufarbeitung von Opferschicksalen. Das Bild zeigt Stolpersteine in Badbergen.
Foto:
Björn Thienenkamp
Autor:
Markus Pöhlking


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