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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Osnabrück und Bad Iburg werden Frauenorte
Zwischenüberschrift:
Leben und Wirken bedeutender Frauen sichtbar machen: Cilli-Maria Kroneck-Salis ließ sich nichts gefallen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück wird zum Frauenort. Genau wie Bad Iburg. Damit reihen sich die Städte in die Reihe 33 niedersächsischer Gemeinden ein, in denen die Suche nach starken und bemerkenswerten Frauen der Geschichte schon erfolgreich war.

Osnabrück. Frauenorte, so heißt eine Aktion des Landesfrauenrates Niedersachsen, eines überparteilichen Zusammenschlusses von 60 Frauenverbänden und - gruppen, der über 2, 2 Millionen Niedersächsinnen vertritt. Seit zehn Jahren sucht eine Arbeitsgruppe nach Spuren bedeutender Frauen, um Frauengeschichte in der Erinnerungskultur der Städte und im Land zu verankern. Bedeutende Frauen können so neu entdeckt, ihr Leben sichtbar gemacht werden. Das geschieht mit Veranstaltungen wie Lesungen, Theateraufführungen, Stadtspaziergängen oder Ausstellungen.

Das Osnabrücker Land war unter den Frauenorten bislang ein weißer Fleck. Mit Cilli-Maria Kroneck-Salis wird sich das ändern. Gemeinsam schlugen der Landkreis und die Stadt Osnabrück sowie die Stadt Bad Iburg dem Arbeitskreis des Landesfrauenrates die Bad Iburgerin vor mit Erfolg.

Ich lasse mir nichts gefallen″, diesen Satz hatte sich die 1923 geborene Cilli-Maria Kroneck-Salis zum Motto gemacht. Denn sie erlebte schon als junges Mädchen während der Nazi-Diktatur Ausgrenzung und Angst, weil ihre Mutter Halbjüdin war. Das wird mir nie wieder passieren, ohne dass ich mich wehre″, schwor sie sich damals.

Mit 51 Jahren, ihre beiden Töchter waren erwachsen, studierte Cilli-Maria Kroneck-Salis in Osnabrück Pädagogik. Während ihres Studiums lernte sie viele ihrer späteren Mitstreiterinnen für die Einrichtung eines autonomen Frauenhauses kennen.

Mit der Gründung des Vereins zum Schutz misshandelter Frauen 1978 fing alles an. Anfangs nahmen die Vereinsmitglieder Schutz suchende Frauen in ihren Privatwohnungen auf, holten sie nachts voller Angst auf der Straße stehend″ ab, so Cilli-Maria Kroneck-Salis 2001 beim 20-jährigen Bestehen des Frauenhauses.

Um die Trägerschaft gab es ein jahrelanges Tauziehen, Rat und Verwaltung lehnten das feministische Konzept ab, trauten den Frauen die Trägerschaft nicht zu. Doch die ebenso streitbare wie humorvolle Bad Iburgerin entschied den Streit im Sinne der Frauen. Ihr Kommentar: Es war ein langer und ungleicher Kampf zwischen David und Goliath.″

Zehn Jahre später kämpfte sie ebenso wirkungsvoll um ein Frauenflüchtlingshaus, in dem traumatisierte bosnische Frauen und deren Kinder aus dem damaligen Kriegsgebiet Zuflucht und Hilfe fanden.

In Anerkennung ihrer Verdienste wurde sie 1989 mit der Bürgermedaille der Stadt Osnabrück und später mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Gelebt hat sie in Bad Iburg, in einem Haus mit Geschichte an der Auffahrt zum Schloss, das Mitte des 17. Jahrhunderts als Rentei der fürstbischöflichen Residenz erbaut wurde und das ihre Tochter Ulrike Kroneck, selbst Autorin und Lektorin, heute als Restaurant und Salon führt. Cilli-Maria Kroneck-Salis verstarb 2010 im Alter von 87 Jahren.

Ihr unermüdliches Engagement und vorbildhaftes sozialpolitisches Wirken leisteten nach Meinung des Landesfrauenrates einen wichtigen gesellschaftspolitischen Beitrag zur Veränderung der Situation von Frauen. Damals wie heute sei die Lebenswirklichkeit vieler Frauen von existenzieller Abhängigkeit, Benachteiligung und häuslicher Gewalt geprägt.

Dieses Problem will der Landesfrauenrat mit den Frauenorten Bad Iburg und Osnabrück stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken. Denn die Frauenberatungsstelle und das autonome Frauenhaus sind weiterhin bedeutende und unverzichtbare Beratungs- und Hilfeeinrichtungen.

Zum Auftakt der Veranstaltungen rund um Cilli-Maria Kroneck-Salis gibt es am Mittwoch, 14. Februar, im Friedenssaal des Osnabrücker Rathauses einen Festakt. Am 8. März, dem Internationalen Frauentag, wird eine Gedenktafel an der Frauenberatungsstelle angebracht. Im Hause Kroneck-Salis in Bad Iburg folgt am 11. April eine Veranstaltung um das Wirken der früheren Hausherrin Cilli-Maria Kroneck-Salis

Bildtext:
An der Schlossstraße 17 in Bad Iburg lebte Cilli-Maria Kroneck-Salis. Segensreich gewirkt hat sie vor allem in der Stadt Osnabrück.

2003 wurde Cilli-Maria Kroneck-Salis mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Der damalige Oberbürgermeister Hans-Jürgen Fip überreichte ihr den Orden.

Fotos:
Petra Pieper
Autor:
Stefanie Adomeit


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