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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Die Hürden für den Nachzug Angehöriger sind hoch
Zwischenüberschrift:
Eine Beraterin vom Osnabrücker Exil-Verein berichtet
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Familiennachzug für Flüchtlinge, das bedeutet: hohe bürokratische Hürden und viel Verzweiflung. Seit September 2016 hilft Annika Hesselmann als Beraterin beim Osnabrücker Exil-Verein Geflüchteten aus Stadt und Landkreis Osnabrück, ihre Familien nachzuholen. 1827 der 4579 in Osnabrück lebenden Flüchtlinge genießen nach Angaben der Stadt vollen Schutz das heißt aber noch lange nicht, dass ein reibungsloser Familiennachzug gewährleistet ist.

Fast 70 Prozent ihrer Klienten stammten aus Syrien, weitere kämen aus Eritrea, Afghanistan und dem Sudan, sagt Hesselmann. Viel Verzweiflung erlebt sie in ihren Sprechstunden, und einiges geht auch ihr an die Nieren. Geschichten von Eltern etwa, die ihre Kinder bei Verwandten in der Heimat zurückgelassen haben, um sie später nachzuholen und deren Verwandten in der Zwischenzeit etwas zustößt. Ich wundere mich teilweise, wie ruhig die Menschen in der Beratung bleiben″, sagt Hesselmann. Die Schwierigkeiten sind vielschichtig.

Der 18. Geburtstag: Bei unbegleiteten Minderjährigen, die es alleine nach Deutschland geschafft haben, muss es schnell gehen. Bis sie 18 sind, dürfen sie ihre Eltern nachholen, danach nicht mehr. Stadt und Landkreis Osnabrück hätten sich bislang so kulant gezeigt, dass auch die Geschwister mitkommen durften, sagt Hesselmann. Sie warnt Außenstehende davor, den Familien Vorwürfe à la Wie können Eltern ihre Kinder alleine vorschicken? zu machen. Oft drohe Minderjährigen die Einziehung zum Militärdienst. Es sind alles Einzelschicksale.″

Subsidiärer Schutz: Da können wir gar nichts machen″, sagt Hesselmann. Da die Bundesregierung den Familiennachzug für subsidiär Geschützte bis Mitte März 2018 ausgesetzt hat, haben die Betroffenen keine Chance. Subsidiärer Schutz wird Menschen gewährt, denen im Heimatland ernsthafter Schaden droht, die aber nicht als individuell verfolgt gelten. Noch ist unklar, ob die Aussetzung im März verlängert wird oder nicht. 637 Flüchtlinge in Osnabrück sind subsidiär geschützt .

Papiere und Botschaften: Ohne Pass kein Familiennachzug. In Ländern wie Eritrea haben die Menschen Schwierigkeiten, überhaupt an einen Pass zu kommen, sagt Hesselmann. Und auch in Syrien sei nicht selbstverständlich, die nötigen Papiere zu bekommen. Den Antrag, zu ihren Angehörigen nach Deutschland zu ziehen, müssen die Betroffenen dann bei einer deutschen Botschaft stellen und auch deren Erreichbarkeit ist nicht immer gewährleistet. Die Botschaft im syrischen Damaskus etwa ist geschlossen wer ein Visum benötigt, muss sich an die Botschaft in Beirut im Libanon wenden.

Dauer: Ein bis zwei Jahre dauern die Verfahren in der Regel, sagt Annika Hesselmann. Zeit, in der Familienväter in Deutschland nichts für ihre Frauen und Kinder tun können. Viele sehen sich dann damit konfrontiert, dass sie glauben, sie hätten die falsche Entscheidung getroffen″, sagt die Beraterin. Einige ziehen in Betracht zurückzukehren.″

Hesselmanns Meinung zum Familiennachzug: Integration funktioniert meines Erachtens nicht, wenn die Familien noch im Kriegsgebiet sind.″

Bildtext:
Annika Hesselmann ist beim Verein Exil auf Familienzusammenführungen spezialisiert.

Foto:
Michael Gründel
Autor:
sdo


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