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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
15 Prozent kamen via Familiennachzug
 
Wie Flüchtlinge um ihre Familien bangen
Zwischenüberschrift:
15 Prozent aller Geflüchteten in Osnabrück sind als Angehörige nachgekommen
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. In Berlin streiten die Parteien über den Familiennachzug, aber was bedeutet das für die einzelnen Flüchtlinge? In Osnabrück sind 15 Prozent aller hier lebenden Flüchtlinge als Angehörige nachgekommen, Hunderte warten und bangen.

Der Familiennachzug von Flüchtlingen ist eines der großen Streitthemen, an denen die Jamaika-Sondierungen gescheitert sind. In Osnabrück sind Hunderte Geflüchtete betroffen. Während sie hier in Sicherheit sind, müssen ihre Familien in Kriegs- und Krisengebieten ausharren.

Osnabrück. Viele warten auf den 16. März 2018. Denn bis dahin hat die Bundesregierung den Familiennachzug für Flüchtlinge mit subsidiärem, also eingeschränktem Schutz ausgesetzt. Sie haben anders als Flüchtlinge mit vollem Schutzstatus derzeit keine Chance, ihre engsten Familienangehörigen nach Deutschland zu holen. In Osnabrück genießen von aktuell 4579 Geflüchteten 637 subsidiären Schutz. Ob die Aussetzung des Familiennachzugs für sie ab März verlängert wird, ist ebenso offen wie die Frage, ob es wieder eine Große Koalition im Bund geben wird.

Belal Abo Khaled ist einer derjenigen, die zunächst nur subsidiären Schutz bekommen haben. Dass der Syrer jetzt mit seiner an einem Hirntumor erkrankten Frau und den vier Kindern im Wohnzimmer einer Osnabrücker Wohnung sitzen kann, verdankt er der Hartnäckigkeit einer Caritas-Mitarbeiterin. Mit ihrer Unterstützung klagte der 49-Jährige auf vollen Flüchtlingsschutz, dann begann der Kampf gegen die Bürokratie, damit seine Familie auch wirklich nachkommen konnte. Vor knapp drei Monaten landete das Flugzeug. Vom Flughafen wurde seine Frau direkt ins Krankenhaus gefahren. Von der OP hat sie sich gut erholt.

Was bleibt, ist die Sorge um die älteste Tochter, die in ihrer Heimatstadt Qunaitra zurückgeblieben ist und in Homs Englisch studiert. Da sie bereits volljährig ist, darf sie nicht nachkommen so sind die Regeln. Es ist nicht die erste Trennung von einem ihrer Kinder, die die Eltern mitmachen. Der älteste Sohn Youssef, der heute 14 Jahre alt ist und fast akzentfrei Deutsch spricht, war in Begleitung eines Cousins schon vor drei Jahren auf abenteuerlichen Wegen nach Deutschland gekommen. Ein Jahr danach hatte sich auch sein Vater durchgeschlagen. Zwei Jahre war er unterwegs.

Durch die Debatte zum Familiennachzug geistern diverse Zahlen. Die CSU behauptet, Deutschland drohe eine zusätzliche jährliche Zuwanderung von bis zu 750 000 Menschen, wenn der Familiennachzug nicht weiter begrenzt wird, die Grünen sagen, es gehe um 50 000 bis 70 000 Menschen. Laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) werden zum 31. Dezember dieses Jahres 100 000 bis 120 000 Ehepartner und minderjährige Kinder von anerkannten Asylbewerbern und Geflüchteten einen Anspruch haben, nach Deutschland nachzukommen bei denen mit subsidiärem Schutz wären es weitere 50 000 bis 60 000 Ehepartner und Kinder.

In Osnabrück sind nach Angaben der Verwaltung 687 der hier lebenden 4579 Flüchtlinge über den Familiennachzug in die Stadt gekommen (Stand: 8. Dezember 2017), also rund 15 Prozent. Vor knapp einem Jahr, am 31. Dezember 2016, lebten 3708 Geflüchtete in Osnabrück, 518 von ihnen kamen über den Familiennachzug hierher (knapp 14 Prozent).

Der Beratungsbedarf ist hoch, jetzt, da viele nach langem Warten nun einen Schutzstatus haben und erst einmal im Land bleiben dürfen. Bei der Caritas ist seit April eine Mitarbeiterin komplett mit der Familiennachzugs- sowie mit der allgemeinen Asylverfahrensberatung beschäftigt. Seitdem wurden nach Caritas-Angaben 113 Familien beraten. 38 Verfahren wurden abgeschlossen, 15 Familien erfolgreich zusammengeführt. Beim Verein Exil teilen sich fünf Mitarbeiterinnen zwei Beratungsstellen für den Familiennachzug. Etwa 300 Klienten aus Stadt und Landkreis haben sie von Januar bis November 2017 beraten, sagt der Verein darunter sind auch all die subsidiär Geschützten, die Exil erst einmal auf März 2018 vertrösten musste. Mehr als die Hälfte der 300 Flüchtlinge versucht es schon seit 2016 mit dem Familiennachzug, einzelne bereits seit 2015.

Jetzt, da die Familie des Syrers Belal Abo Khaled in Osnabrück fast komplett ist, ist das Ziel des Mechanikers, eine größere Wohnung und Arbeit zu finden. Ich will Deutsch lernen und Deutsche kennenlernen″, sagt der 49-Jährige. Er hofft, dass seine älteste Tochter ein Studienstipendium bekommt, erst dann wäre die Familie komplett und er ohne Angst.

Bildtext:
Nach zwei Jahren in Osnabrück konnte Belal Abo Khaled (rechts) seine Frau Wafaa Alhussin und ihre drei Kinder Jana, Sham und Tarek nachholen. Die älteste Tochter musste in Syrien bleiben, da sie bereits volljährig ist.

Foto:
David Ebener

Kommentar:

Klarheit muss her

Seit Wochen streiten sich die möglichen Koalitionspartner in Berlin, ob sie den Familiennachzug weiterhin erschweren wollen oder nicht. Man kann sich nur vage vorstellen, was das für die Geflüchteten bedeutet, die ihre engsten Angehörigen zunächst zurückgelassen haben, um sie nicht den Gefahren der Flucht auszusetzen. Niemand verlässt leichtfertig seine Heimat. Es sind alles Einzelschicksale doch genau die geraten bei den parteipolitischen Debatten aus dem Blick.

Die Betroffenen erleben eine Hängepartie, die unerträglich an den Nerven zehrt. Wer nur subsidiären Schutz genießt, wartet und hofft seit bald zwei Jahren auf März 2018. Bis dahin hat die Bundesregierung den Familiennachzug ausgesetzt Verlängerung offen.

Für die Flüchtlinge muss endlich Klarheit herrschen. Sie müssen die Chance bekommen, sich in Deutschland zu integrieren und das geht nur mit ihren Familien.
Autor:
sdo


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