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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Aus Grünabfall Heizpellets machen
Zwischenüberschrift:
Stadt will sich mit Experiment um Aufnahme in Förderprogramm bewerben
Artikel:
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Originaltext:
Aus Grünabfall, der sonst umständlich entsorgt werden muss, will Osnabrück Pellets zum Heizen herstellen vorausgesetzt, die Stadt wird in ein Förderprogramm des Bundes aufgenommen. Ob die Stadt sich dafür bewerben soll, wird der Rat voraussichtlich morgen entscheiden.

Osnabrück. Rund 60 000 Straßenbäume stehen in Osnabrück. Jeden Herbst lassen sie ihre Blätter fallen Ergebnis sind 800 bis 1200 Tonnen Laub pro Jahr mehrere Lkw-Ladungen täglich. Laub verrottet langsam, und die Verwertung von städtischem Grünabfall wird laut Osnabrücker Servicebetrieb (OSB) immer teurer. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Holz zum Heizen, weil in den vergangenen Jahren bundesweit etliche Haushalte und Firmen von Öl- und Gasheizungen umgestiegen sind auf Öfen, die Holzhackschnitzel oder - pellets verbrennen.

Mit dem Experiment Pellets aus Biomasse″ will die Stadt ausloten, ob sich die Umwandlung von Grünabfall in Pellets für Standardheizungen lohnen würde. Ziel sei, aus Laub, Langgras und dem Siebüberlauf aus der Kompostierung einen Regelbrennstoff zu erzeugen, erläuterte im jüngsten OSB-Betriebsausschuss Detlef Schnier, Leiter der Abteilung Abfallwirtschaft beim OSB. Die Brennstoffpellets sollen genauso eingesetzt werden können wie handelsübliche Holzpellets. Einige Osnabrücker Schulen verfügen über Pelletheizungen, so Schnier, ansonsten sei es auch denkbar, die Pellets regional über Makler zu veräußern der Markt dafür ist da.

Der Energiebedarf von etwa 115 Vier-Personen-Haushalten (25 000 Kilowattstunden pro Jahr) könnte mit den selbst hergestellten Pellets laut OSB-Berechnungen gedeckt werden. Um aus dem Grünabfall Heizpellets herzustellen, muss das Material getrocknet werden. Die dafür nötige Wärme soll vom Deponiegas-Blockheizkraftwerk auf dem Piesberg kommen. Seinen Biomassebrenner auf dem Betriebsgelände an der Hafenringstraße will der OSB einsetzen, um das Brennverhalten und die Emissionen der Pellets zu überprüfen.

Dass die Verwertung der städtischen Grünabfälle aufwendiger wird, hat mehrere Gründe. Nicht nur Laub kompostiert langsam, was den OSB vor Kapazitätsprobleme stellt. Ähnlich verhält es sich mit Langgras. Es stammt in größeren Mengen von den städtischen Kompensationsflächen das sind die Areale, die als Ausgleichsflächen für die Natur angelegt werden müssen, wenn die Stadt beispielsweise Baugebiete ausweist und aus der Grabenunterhaltung. In beiden Bereichen wird nur ein- bis zweimal im Jahr gemäht, das Gras, übrigens 600 bis 800 Tonnen pro Jahr, ist dann schon zum Teil verholzt.

Außerdem wird der Kompost selbst, dessen Menge durch die Biotonnen gestiegen ist, zum Problem: Durch die Novellierung der Düngemittelverordnung erwartet der OSB künftig Schwierigkeiten bei der Ausbringung von Kompostprodukten in der Landwirtschaft. Wir müssen immer größere Beträge zahlen, um das Material loszuwerden″, so Schnier. Und Kämmerer Thomas Fillep wies darauf hin, dass bei der Kompostierung Methangas entstehe, das bekanntermaßen viel zum Treibhauseffekt beisteuert.

Mehr als eine Million Euro wird der Modellversuch kosten 80 bis 90 Prozent davon übernimmt jedoch der Bund, falls es mit der Aufnahme ins Förderprogramm klappt. Am OSB blieben dann also noch zwischen 120 000 und 200 000 Euro Investitionskosten hängen. Der OSB geht beim Pellet-Experiment im schlechtesten Fall von einem jährlichen Verlust in Höhe von 1900 Euro aus und im besten Fall von einem Gewinn in Höhe von 103 000 Euro vorausgesetzt, die Fördermittel fließen. Im übernächsten Jahr könnte es losgehen.

Kommentar
Innovativ

Die Idee ist bestechend gut: Wenn das Pellet-Experiment gelingt, würde die Stadt ihren überschüssigen Grünabfall loswerden und daraus auch noch einen Brennstoff erzeugen, der zurzeit stark nachgefragt wird. Ein Modell, das Schule machen könnte.

Holz als Energielieferant ist durch die hohen Öl- und Gaspreise beliebt geworden. Zum überwiegenden Teil werden Pellets immer noch aus Abfällen der Sägeindustrie hergestellt. Doch nicht jeder Sack Holzpellets stammt aus Deutschland und bei manchem ist fraglich, ob nicht doch extra Bäume dafür gefällt wurden. Hinzu kommt: Muss das Material über längere Wege transportiert werden, ist es mit der Klimaneutralität nicht mehr weit her.

Osnabrück könnte mit seinem Pellets aus Biomasse″-Modell ein Zeichen setzen. Für die Aufnahme ins Förderprogramm heißt es also: Daumen drücken.
Autor:
Sandra Dorn


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