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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Osnabrücks letzter Hutmacher schließt
Zwischenüberschrift:
Familienbetrieb Hüte Altensell gibt nach mehr als 100 Jahren Geschäft auf
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Die Liebe ihres Lebens sei das Geschäft gewesen, dennoch wird Sylvia Altensell-Ripprich den in vierter Generation geführten Familienbetrieb zum Ende des Jahres schließen aus gesundheitlichen Gründen.

Osnabrück. 52 Jahre ist Sylvia Altensell-Ripprich alt, und eigentlich hatte sie gehofft, den Laden Öwer de Hase bis zu ihrem Rentenalter fortführen zu können; doch die Gesundheit machte ihr einen Strich durch die Rechnung. Sie leidet an einer schweren Krankheit, über die sie nicht weiter sprechen möchte. Im Sommer sei die Entscheidung gefallen, das 1913 gegründete Hutgeschäft aufzugeben. Bislang hatten wir immer Glück, und es gab jemanden in der Familie, der den Betrieb weiterführte, aber wir haben keinen Nachfolger″, sagt Sylvia Altensell-Ripprich. Die Kunden seien betrübt über die Geschäftsaufgabe mit Altensell verschwindet der letzte bei der Handwerkskammer eingetragene Hutmacher aus der Stadt.

Auch ihr selbst falle es schwer, über den Räumungsverkauf zu reden. Ich muss mich schon etwas zusammenreißen″, sagt sie und lächelt. Verbittert wirkt Sylvia Altensell-Ripprich allerdings nicht im Gegenteil. Begeistert erzählt sie von der Kundschaft, die nach einem schweren Stand für die Hutmode in den vergangenen Jahrzehnten mittlerweile wieder zahlreich komme. Wir haben viele jüngere Kunden″, sage sie. Manchmal habe sie sich Musikvideos und Filme angesehen, um zu wissen, was gerade im Trend liege, und was denn gemeint sei, wenn nach einem Johnny-Depp-Hut″ gefragt werde. Nach einem Bericht der Neuen Osnabrücker Zeitung über die bei Prominenten beliebten Flatcaps sei der ganze Laden voll junger Kunden gewesen. Auch der Fascinator″, also ein kleiner Kopfschmuck aus Stoff oder einem anderen luftigen Material, wird dank Kate Middleton zum Verkaufsschlager.

Gegründet wurde der Betrieb am 1. September 1913 von Konrad Altensell. Neben Hüten wurden damals auch Pelze hergestellt und verkauft, was Sylvia Altensell-Ripprich heute gar nicht mehr macht. Ich übernehme nur noch Reparaturen oder nähe Pelze um″, sagt sie.

Während des Ersten Weltkriegs wechselte die Adresse des Betriebs häufig, 1919 eröffnete Elise Altensell in der Krahnstraße 41 ein Putzgeschäft″. Unter Putzmacherei verstand man die Herstellung von Hüten und Kopfschmuck für Frauen, heute würde man wohl einfach von Hutmachern sprechen. Eine Zeit lang bestanden beide Betriebe nebeneinander, in den 1920er-Jahren fanden sie jedoch in der Krahnstraße 41 unter einem Dach zusammen. Es folgten weitere Umzüge: 1934 ging es in die Große Straße, nach dem Krieg in die Johannisstraße, 1960 wurde am Neuen Graben neu eröffnet, zehn Jahre später ging es in die Deutsch-Passage, 2002 schließlich an den heutigen Standort Öwer de Hase.

1985 stieg Sylvia Altensell-Ripprich in den elterlichen Betrieb ein. 1990 wurden erstmals Herrenhüte und - mützen ins Sortiment aufgenommen eine wichtige Entscheidung für das Geschäft, wie sich herausstellen sollte.

Nicht nur Flatcaps sind bei Männern gefragt, sogar echte Seidenzylinder sind wieder beliebt trotz des hohen Preises. Ein echter Chapeau Claque kostet um die 500 Euro″, sagt Sylvia AltensellRipprich. Das sei dann allerdings eine Anschaffung fürs Leben. Kunden kommen nicht nur aus Osnabrück, sondern auch aus Hamburg, Berlin oder Düsseldorf, um sich Hüte machen und anpassen zu lassen.

Hinten in der Werkstatt, wo viele der Damenhüte noch von Hand gefertigt werden, stehen zahlreiche Hutränder und Hutköpfe aus Holz. Was aus ihnen werden soll, weiß Sylvia Altensell-Ripprich noch nicht. Ein paar konnten wir über das Internet verkaufen″, sagt sie. Auch die übrigen Hüte und Mützen hofft sie, bis Ende des Jahres noch mit Rabatt verkaufen zu können. Ich habe das hier alles immer so geliebt. Und von der Seite meiner Eltern her musste ich auch nie diesen Beruf ergreifen ich wollte es″, sagt sie.

An diesem Tag sind viele Kunden in dem Geschäft, die Sylvia Altensell-Ripprich seit vielen Jahren kennt, und die darüber betrübt sind, dass Altensell nach 104 Jahren schließen muss. Ich wünschte, ich könnte einfach auf einen Knopf drücken und die Krankheit wäre weg und ich könnte weitermachen″, sagt Sylvia Altensell-Ripprich. Aber das geht leider nicht.″

Bildtext:
Das Geschäft war die Liebe ihres Lebens, sagt Sylvia Altensell-Ripprich. Doch nach mehr als 100 Jahren schließt Osnabrücks letzter Hutmacher.

Foto:
Swaantje Hehmann
Autor:
Cornelia Achenbach


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