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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Geburtsstätte des Weihnachtsmarktes
Zwischenüberschrift:
Im Alten Rathaus durften ab 1836 vor dem Fest besondere Backwaren verkauft werden
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Wo heute einer der schönsten Weihnachtsmärkte Norddeutschlands Tausende Besucher vor historischer Kulisse in vorweihnachtliche Stimmung versetzt, ging es vor 67 Jahren eher spartanisch zu. Nichts verrät, dass im Alten Rathaus vorne rechts im Bild der erste Weihnachtsmarkt stattfand.

Osnabrück. 1950 dominierten noch Ruinen den Anblick des Marktes. Auch Mösers Geburtshaus rechts neben dem Chorumgang der Marienkirche ist zerstört. In der Bildmitte sind die oberen Stockwerke der Häuser abrasiert, sodass der Blick auf das Steildach der Bischöflichen Kanzlei frei ist. Von den Giebelhäusern am Markt stehen nur die Giebel. Dass dahinter nichts ist als Luft und noch ein paar Mauerwerksreste, lässt sich aus dieser Perspektive nicht erkennen. Besser steht es um das Rathaus am linken Bildrand. Es wurde rechtzeitig zum 300. Jahrestag des Westfälischen Friedens 1948 wiederaufgebaut. Der Buckel″-Ford Taunus vor dem Eingang zum Ratskeller wurde übrigens in manchen seiner Baureihen bei Karmann in Osnabrück gefertigt.

Die bis auf die Arkaden des Erdgeschosses abgetragenen Ruinen vorne rechts im Bild gehören zum Alten Rathaus. In seinem Kern ist es tatsächlich älter als das gegenüberliegende neue″ Rathaus von 1512, auch wenn die hier noch sichtbare Rundbogen-Architektur das Ergebnis einer Neugestaltung im 19. Jahrhundert ist. Im letzten Krieg erhielten das Alte Rathaus und die Nachbargebäude Markt 2 bis 5 schwere Bombentreffer. Die Stadtväter hielten die alte Architektur nicht für wiederaufbauwürdig. Anders als bei den sich nach hinten anschließenden Giebelhäusern entschieden sie sich für einen modernen Ersatzbau, in den 1961 die Stadtkasse einzog. Der moderne Kracher″ inmitten althergebrachter Baustile sorgte damals für heftige Diskussionen. Seit 1996 ist hier die Stadtbibliothek untergebracht.

Das Alte Rathaus wurde erstmals 1244 erwähnt und gehörte damit zu den ältesten Rathäusern Deutschlands. Über Jahrhunderte war es das einzige öffentliche Gebäude der Stadt und neben der Marktkirche St. Marien Zentrum des öffentlichen Lebens. Alle Funktionen wie Verwaltung, Rechtspflege und Repräsentation mussten hier Platz finden. Und noch viel mehr: Zu ebener Erde waren links die Verkaufsstände der Bäcker angeordnet, rechts die der Fleischer. Durch das mittlere Tor gelangte man über eine Treppe in einen großen Saal, den Sitz des Burgrichters. Auch Jahrmärkte wurden anfangs hier abgehalten. Tür an Tür direkt dahinter lagen die Gefängnisse und eine Folterkammer. Ja, es gab tatsächlich eine offizielle Folterkammer im Dienste der städtischen Rechtspflege.

Mit der Fertigstellung des neuen″ Rathauses 1512 verlor das Alte Rathaus einen Teil seiner behördlichen Funktionen, gewann aber neue hinzu, nachdem man zu seiner Vergrößerung die benachbarten Akzisebuden abgerissen und von 1619 bis 1622 zwei stattliche Renaissancebauten, das Legge- und das Akzisehaus, errichtet hatte. Im ersten Stock waren die Häuser miteinander verbunden. Der sich daraus ergebende große Raum diente als Redoutensaal″ dem Empfang wichtiger Gäste und den Zünften bei ihren großen Feiern. Auch war hier der Ort, wo die gesamte Bürgerschaft den neuen Rat wählte und symbolhaft den Zusammenhalt zum Besten der Stadt stets aufs Neue besiegelte. Erst im 18. Jahrhundert wurde die Zeremonie des Handgiftentages″ in das neue Rathaus verlegt.

Das Alte Rathaus beherbergte neben städtischen Dienststellen zeitweise die Legge, die Realschule, das Salzmagazin, die Volksbibliothek und die Norddeutsche Bierhalle″. Und: Osnabrücks ersten Weihnachtsmarkt. Ab den 1830er-Jahren wurde im Obergeschoss im Advent der Christmarkt abgehalten. In einem Schreiben vom 4. November 1836 ist vermerkt, dass Handwerker, Kuchen Backer und alle welche mit kurzen Waaren handeln, auf dem alten Rathause Waaren zum Verkauf 8 Tage vor Weihnachten öffentlich ausstellen dürfen″. Chronist Hermann Schröder schreibt darüber: Es war ein feiner Markt, der von allen Bürgerklassen besucht wurde; dort trafen sich der reiche und der kleine Mann; alle drängelten gemütlich durcheinander in den mit großen Öfen durchheizten Räumen.″

Bildtexte:
Im Alten Rathaus durften ab 1836 vor dem Fest besondere Backwaren verkauft werden

Der Historische Weihnachtsmarkt Osnabrücks mit seinen 112 Buden und Ständen besitzt heutzutage hier seinen westlichen Zugang.

Der Eingang zum Markt von der Bierstraße aus. Links das neue″, rechts die Ruine des Alten Rathauses. Die adventliche Dekoration im Jahr 1950 ist überschaubar.

Fotos: Joachim Dierks, Ilsetraut Lindemann, aus: Wido Spratte, Osnabrück 1945 1955, Verlag Wenner, Osnabrück, 2005
Autor:
Joachim Dierks


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