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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
„Mit Euro 5 wurde alles schlimmer″
Zwischenüberschrift:
Warum die Luftqualität in Osnabrück seit Jahren zu schlecht ist
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Auch 2017 kann Osnabrück den Grenzwert beim giftigen Stickstoffdioxid nicht einhalten: Der Jahresmittelwert wird mehr als die von der EU erlaubten 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft (µg/ m³) betragen. Vor zehn Jahren sah es aber noch viel schlimmer aus.

Osnabrück. Der Passivsammler am Neuen Graben (Neumarkt) misst seit 2013 die Stickstoffdioxidbelastung. Seit dem Jahr 2006 steht eine Messstation am Schlosswall, deren Werte im Internet kontinuierlich einzusehen sind. Am Ende des ersten Messjahres hatte die Station am Wall einen Mittelwert von 61 Mikrogramm Stickstoffdioxid (NO2) pro Kubikmeter Luft (µg/ m³) gemessen weit über den erlaubten 40 Mikrogramm, die seit 2010 EU-weit einzuhalten sind. Bis 2013 sanken die Werte kontinuierlich auf 47 Mikrogramm.

Autos und Busse

An verkehrsreichen Straßen mit hohem Pkw- und Busanteil wie (bis zur Sperrung) dem Neumarkt machen Autos und Busse etwa je ein Drittel der NO2-Belastung aus. Bei den Autos sind insbesondere die Diesel für die Belastung mit Stickstoffoxiden (NOx) verantwortlich. Sie produzieren davon wesentlich mehr als Ottomotoren. Stickstoffmonoxid (NO) und Stickstoffdioxid (NO2) sind Bestandteile der Stickstoffoxide (NOx). Ein großer Teil der Stickoxide, die den Auspuff verlassen, wird erst an der Luft zu NO2 umgewandelt.

2014 stieg der NO2-Jahresmittelwert am Schlosswall leicht auf 48 Mikrogramm und 2015 auf 50 Mikrogramm an. Danach ging es wieder talwärts: 2016 maß die Station 47 Mikrogramm, 2017 dürften es etwa 45 Mikrogramm werden.

Nun dürfte anzunehmen sein, dass strengere Abgasnormen für Dieselfahrzeuge die Emissionen reduziert hätten zugunsten der Luftqualität. Doch viel Bewegung ist in den vergangenen Jahren nicht zu verzeichnen.

Detlef Gerdts, Leiter des Fachbereichs Umwelt und Klimaschutz, führt das im Wesentlichen auf die Emissionen der Dieselfahrzeuge zurück, die seit mehr als 17 Jahren im Realbetrieb weitaus mehr Stickoxide ausstoßen, als die EU-Normen für den Prüfstand erlauben. Das sei das zentrale Problem, hinzu kämen noch illegale Abschalteinrichtungen, so Gerdts. So stoßen Dieselautos, aber auch Busse ohne Adblue-Technik der Schadstoffklasse Euro 5 im Durchschnitt weitaus mehr Stickoxide aus als Euro 3, Euro 4 und Euro 6, wie aus folgenden Zahlen des Umweltbundesamtes hervorgeht:
Euro 3: 803 Mikrogramm NOx stößt ein Euro-3-Diesel im Durchschnitt pro Kilometer aus. Der Grenzwert (EU-Norm) liegt bei 500 Mikrogramm. Ergebnis: 1, 6-mal höher als der Grenzwert/ EU-Norm.Euro 4: Die realen NOx-Emissionen der Euro-4-Diesel betragen 674 Mikrogramm bei erlaubten 250. Ergebnis: 2, 7-mal höher als der Grenzwert.Euro 5: 906 Mikrogramm NOx stößt ein Euro-5-Diesel pro Kilometer aus. Der Grenzwert beträgt 180 Mikrogramm. Ergebnis: 5, 03-mal höher als der Grenzwert.Euro 6: Bei Euro-6-Diesel-Pkw liegt der durchschnittliche NOx-Ausstoß pro Kilometer bei 507 Mikrogramm. Das Soll ist 80. Ergebnis: 6, 3-mal höher als der Grenzwert.

Zeitliche Verschiebung

Die Einführung von Euro 5 (Diesel) und Erhöhung der NO2-Werte am Schlosswall verlaufen aber nicht synchron. Die Durchdringung dauert″, sagt Gerdts. Nur neue Modelle mussten ab September 2009 die Norm Euro 5 auf dem Prüfstand einhalten was sie in der Realität ja bei Weitem aber nicht taten. Der Effekt kam erst ein paar Jahre später″, so Gerdts.

Daran konnte auch die im Jahr 2010 in Osnabrück eingeführte Umweltzone nicht viel ändern, die seit 2012 alle Fahrzeuge ohne grüne Plakette ausschließt. Mit Euro 5 sei alles nur noch schlimmer statt besser geworden, sagt Gerdts.

Das letzte Drittel der NO2-Belastung geht auf die städtische und überregionale Hintergrundbelastung zurück. Dazu zählen auch Emissionen aus Kraftwerken, Autobahnen und der Landwirtschaft.

Am städtischen Hintergrundwert habe sich seit Jahren praktisch nichts geändert, sagt Gerdts. Die Messstation am Ziegenbrink schwanke im Jahresmittel um die 20 µg/ NO2. Eine landesweit in diesem Jahr zu beobachtende Verbesserung bei den NO2-Hintergrundwerten um 1, 5 bis 2 µg/ lasse sich nach Aussagen des Gewerbeaufsichtsamtes Hildesheim wahrscheinlich auf das schlechte Wetter zurückführen, was wiederum zu geringeren Ozonwerten führe, erklärt Gerdts. Weniger Ozon führt dazu, dass weniger NOx nach Verlassen des Auspuffrohres zu NO2 wird.

Fotos:
Jörn Marten
Autor:
Jörg Sanders


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