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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Kinderspielen und Frauensport bleiben erhalten
Zwischenüberschrift:
Stadt führt Quartierstreff Dodesheide-Ost bis 2020 weiter – 300 000 Euro Budget für drei Jahre
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Der Quartierstreff Dodesheide-Ost wird bis 2020 unter Trägerschaft der Stadt Osnabrück weitergeführt. Das hat der Rat in seiner Dezembersitzung beschlossen. Grund genug, sich die Arbeit der beiden Sozialarbeiterinnen vor Ort einmal genauer anzusehen.

Osnabrück. Ihren rechten Fuß hat sie ein Stück nach vorn auf die Zehenspitzen gestellt, das Bein ist angespannt und leicht gebeugt, die Hüfte kreist im Takt der arabischen Musik. In dem Lied geht es um den Habibi, den Liebling der Sängerin. Aber Anna Kuswinowa ist ganz bei sich. Mit einem Blick schaut sie nach den Bewegungen der Trainerin, mit dem nächsten auf die eigenen Schritte. Und das, obwohl ihr eigener Liebling, die kleine Tochter Viktoria, nur ein paar Meter weiter auf einer Matte sitzt.

Die Eineinhalbjährige ist ihrerseits ganz fasziniert von ein paar bunten Plastikringen. Sie kaut daran, steckt ihre Ärmchen hindurch und wirft sie lachend durch den Raum immer beobachtet von Mareike Siegmann. Die Sozialpädagogin vom Quartierstreff Dodesheide-Ost übernimmt jeden Freitag die Kinderbetreuung beim Fitdance für Frauen″ in der Sporthalle am Limberg. Das offene Angebot, umsonst und ohne Voranmeldung, ist für sie und ihre Kollegin Kerstin Matysik eine gute Möglichkeit, mit den Familien aus dem Stadtteil in Kontakt zu kommen. Denn obwohl sie bereits seit fünf Jahren dort arbeiten, kennen sie längst nicht alle Bewohner.

Die Dodesheide wächst

Der Grund: Der Stadtteil hat sich stark verändert″, sagt Mareike Siegmann. Die östliche Dodesheide gilt zwar schon länger als Wohnquartier mit besonders auffälliger Sozialstruktur″. So steht es auch im Tätigkeitsbericht des Quartierstreffs. Aber die Dynamik hat sich seit 2015 noch mal verstärkt. Aus dem Melderegister der Stadt geht hervor, dass die Zahl deutscher Staatsangehöriger zuletzt leicht gesunken ist, während immer mehr nichtdeutsche zugezogen sind. Insgesamt leben jetzt rund 50 verschiedene Nationalitäten im Quartier. Darunter sind viele Familien, entsprechend gering ist das Durchschnittsalter. Gleichzeitig ist die Arbeitslosenquote höher als anderswo in Osnabrücker, und jedes zweite Kind unter 15 Jahren lebt vom Arbeitslosengeld seiner Eltern.

In so einem Milieu ist sozialpädagogische Arbeit wichtig, meint Mareike Siegmann. Deshalb organisieren sie und ihre Kollegin Sportaktivitäten wie den Fitdance, planen Flohmärkte und Anwohnerfeste und bieten Ferienaktivitäten für Schulkinder. Langfristig sollen dadurch Kinder und Jugendliche bessere Bildungs- und Teilhabechancen bekommen und an Förderangebote in ihrer Nähe herangeführt werden. Eltern sollen in ihrer Erziehungs- und Alltagskompetenz gestärkt werden. Außerdem sollen soziale Netzwerke zwischen den unterschiedlichen Bewohnern entstehen.

Mit diesem Ziel ist der Quartierstreff 2012 von der Stadt Osnabrück ins Leben gerufen worden. Ursprünglich sollte er nur für drei Jahre aus öffentlichen Mitteln finanziert werden. Dann wurde das Budget um zwei weitere Jahre verlängert. Inzwischen hat sich das Angebot etabliert, das zeigt sich am Beispiel der Sprechstunden. Wurden sie 2014 noch von 233 Personen wahrgenommen, waren es 2016 schon 1002. Inzwischen investieren Siegmann und Matysik wöchentlich elf Stunden in solche Gespräche.

Die Menschen aus dem Stadtteil kommen mit den unterschiedlichsten Problemen zu ihnen: Manchmal bringen sie Post vom Amt mit, suchen nach einem geeigneten Facharzt oder berichten, dass ein Kind in der Schule nicht mitkommt.

Integrationsbegleitung

Viele erkundigen sich, wie ihre Bildungsabschlüsse in Deutschland anerkannt werden, und suchen nach einem Arbeitsplatz. Andere wünschen sich, dass ihre Familie aus dem Heimatland nach Deutschland kommen darf. Damit sie ihnen helfen könne, brauchen Siegmann und Matysik nicht selten selbst Hilfe von Dolmetschern. Es geht um Integrationsbegleitung″, sagt Mareike Siegmann, das war früher gar kein Thema″.

Vor allem wegen dieser neuen Herausforderungen hat der Osnabrücker Stadtrats die finanzielle und personelle Ausstattung des Quartierstreffs bis Ende 2020 sichergestellt. Dafür stimmten die Ratsmitglieder in ihrer Sitzung Anfang Dezember. Für die nächsten drei Jahre haben sie Haushaltsmittel in Höhe von insgesamt rund 300 000 Euro eingeplant. Am Ende des Förderzeitraums soll über ein Auslaufen oder eine Weiterführung entschieden werden. Möglicherweise könne der Quartierstreff von einem freien Träger übernommen werden, heißt es in dem Ratsbeschluss.

Für Anna Kuswinowa ist das eine gute Nachricht. Sie ist froh, dass es den Quartierstreff und damit Frauensportkurs in der Sporthalle am Limberg gibt. Ich bin seit einem halben Jahr dabei und habe schon fünf Kilo abgenommen″, erzählt sie nach dem Kurs stolz. Tochter Viktoria, die eben noch voller Energie spielte, ist inzwischen müde und zieht sanft an der Hand ihrer Mutter. Sie will nach Hause. Aber wenn Mareike mit ihr spielt, kann ich in Ruhe tanzen″, sagt Kuswinowa. Während sie sich die Jacke anzieht, ist noch Zeit für einen kurzen Plausch mit einer anderen Kursteilnehmerin. Dann verabschiedet sie sich bis zum nächsten Mal. Nach Hause ist es nur ein kurzer Fußmarsch.

Bildtext:
Die kleine Viktoria ist glücklich, wenn sie mit Mareike Siegmann und Kerstin Matysik vom Quartierstreff Dodesheide-Ost spielen kann. Währenddessen hat ihre Mutter Anna Kuswinowa Zeit, sich aufs Tanzen zu konzentrieren.

Foto:
David Ebener
Autor:
Louisa Riepe


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