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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Verträge werden nicht verlängert
 
Lehrerin muss trotz Protesten gehen
Zwischenüberschrift:
Bianca Mischnick darf am Ratsgymnasium nicht länger Sprachförderunterricht erteilen
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Trotz zwischenzeitlicher Hoffnung auf eine adäquate Weiterbeschäftigung nach entsprechenden Signalen aus dem Kultusministerium, sehen sich zwei Sprachförderlehrerinnen nun doch mit dem Ende ihrer befristeten Arbeitsverträge konfrontiert.

Während Bianca Mischnik (Ratsgymnasium) ab heute arbeitslos ist, wird Katja Gromes (Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium) demnächst als pädagogische Mitarbeiterin weiter arbeiten. Für Kollegen, Eltern und Schüler ist der Verlust groß, aber auch unverständlich, weil in den Koalitionsvereinbarungen zwischen SPD und CDU die Entfristung der Sprachlehrerverträge festgeschrieben wurde.

Ab heute ist die Osnabrücker Sprachförderlehrerin Bianca Mischnick arbeitslos, und das Ratsgymnasium muss improvisieren. Mischnicks Vertrag wurde trotz Unterschriftenaktion der Schüler und zunächst positiver Signale aus dem niedersächsischen Kultusministerium nicht verlängert.

Osnabrück. Mischnick hatte bis zuletzt in einer Sprachlernklasse zugewanderten Kindern am Rats Deutsch beigebracht. Ihre Arbeit wird vom Kollegium, Schülern, Eltern und auch von der Stadt Osnabrück sehr geschätzt. In ihrer Heimat Ungarn hat die 44-Jährige ein Lehramtsstudium absolviert und an einem Gymnasium Deutsch unterrichtet, bevor sie nach Deutschland zog damit bringt sie ideale Voraussetzungen mit, um Deutsch als Zweitsprache zu unterrichten.

Nur ist es damit jetzt vorbei. Vor zwei Jahren hatte sie einen befristeten Arbeitsvertrag bekommen, um die Sprachlernklasse zu übernehmen. Es war die Zeit, als Tausende Flüchtlinge nach Deutschland kamen, auch Osnabrück nahm Hunderte auf. Da die geflüchteten Kinder zur Schule gehen müssen, das aber ohne Sprachkenntnisse schwierig ist, richtete das Land Sprachlernklassen ein, eine davon am Ratsgymnasium. Die Kinder lernen dort intensiv Deutsch, dann erst entscheidet sich, welche weiterführende Schule sie fortan besuchen. Einige waren so gut, dass sie am Rats blieben. Mischnick unterstützte sie parallel weiterhin mit Förderunterricht.

Einmal war ihr Vertrag bereits verlängert worden, eine zweite Verlängerung bekam sie nicht. In einer ähnlichen Situation ist Katja Gromes, die am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium Sprachförderunterricht in Deutsch als Zweitsprache erteilt. 1800 Unterschriften hatten die Schüler beider Schulen gesammelt, um sich dafür einzusetzen, dass ihre Lehrerinnen bleiben dürfen. Vor einer Woche übergaben sie die Listen der Landesschulbehörde. Gromes wird zunächst am EMA bleiben und dort als pädagogische Hilfskraft weiterarbeiten. Sehr zur Freude von Schulleiter Hartmut Bruns. Für den EMA-Chef ist nicht nachvollziehbar, dass es nicht zu einer Vertragsverlängerung gekommen ist. Er verweist auf den Koalitionsvertrag, der ganz klar von einer Entfristung der landesweit etwa 1000 Stellen für Sprachförderlehrer spreche. Wir werden da weiter am Ball bleiben″, sagt Bruns, der auf die Einhaltung der Versprechen der neuen Landesregierung hofft.

Das Kultusministerium hatte unserer Redaktion in der vergangenen Woche noch mitgeteilt, dass für Mischnick eine Einstellung als Quereinsteigerin möglich sei. Sie könne aufgrund ihres im Ausland absolvierten Lehramtsstudiums unbefristet weiterbeschäftigt werden als Deutschlehrerin, wenn bestimmte Studienleistungen nachgereicht werden″. Als Mischnick das erfuhr, fiel ihr ein Stein vom Herzen. Doch in dieser Woche teilte ihr Hannover mit, dass es für sie am Ratsgymnasium als Lehrerin keine Zukunft gibt. Sie habe zwar die Perspektive, in Deutschland als Gymnasiallehrerin zu arbeiten, wenn sie die erforderlichen Zusatzleistungen erbringe, sagte sie unserer Redaktion, aber sicher nicht am Rats. Angeboten wurde ihr stattdessen ein Vertrag als pädagogische Mitarbeiterin, doch als solche dürfte sie ihre Sprachlernklasse nicht mehr unterrichten, sondern nur noch unterstützend dabei sein und würde um fünf Gehaltsstufen abrutschen, erläutert Mischnick. Das ist eine Missachtung meiner Qualifikation und eine Demütigung.″ Am Mittwoch besuchten ihre Schüler sie zu Hause und verabschiedeten sich tränenreich, am Donnerstag sagte das Kollegium emotional Auf Wiedersehen″ und Mischnick fuhr mit ihren Schülern erneut zur Landesschulbehörde, um ein Zeichen zu setzen.

Wir müssen in diesen Tagen improvisieren″, sagt Schulleiter Lothar Wehleit. Denn die Sprachlernklasse am Ratsgymnasium ist noch bis Sommer 2018 genehmigt, und er habe niemanden im Kollegium, der für den Unterricht in Deutsch als Zweitsprache qualifiziert sei. Auch bei der Sprachförderung für die Kinder, die inzwischen den Regelunterricht besuchten, werde seine Schule improvisieren müssen. Die Konsequenz des Wegfalls von Bianca Mischnick: Einen Antrag auf Fortsetzung der Sprachlernklasse werde das Ratsgymnasium nicht stellen, sagt Wehleit.

Aufgeben will Mischnick nicht. Sie werde dem neuen Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) schreiben. Die vergessen, wer an der Front steht″, sagt sie. Die vergessen die Menschen.″

Bildtext:
Sie will weiterkämpfen, auch wenn sie das Ratsgymnasium verlassen muss: Bianca Mischnick wurde am Donnerstag emotional von ihren Kollegen am Ratsgymnasium verabschiedet.

Foto: Gert Westdörp

Kommentar:

Trauerspiel

Das Land ist in der Pflicht, im Sinne einer gelingenden Integration von Menschen mit Migrationshintergrund alles Erdenkliche zu tun, was in seiner Macht steht. Sprachförderung muss hier an vorderster Stelle stehen, und dieser Bedarf endet nicht, weil Stellen auslaufen.

Im Gegenteil: Deutschland ist ein Einwanderungsland, Sprachförderung wird in den kommenden Jahren, ja Jahrzehnten integraler Bestandteil schulischer Bildung sein müssen. Deshalb können wir auf keine einzige Fachkraft verzichten, denn vor dem Hintergrund des allgemeinen Lehrermangels gibt es davon ohnehin viel zu wenige.

Darüber hinaus wollen wir die bereits geschaffenen rund 1000 Stellen für die Sprachförderung entfristen″, heißt es in der Koalitionsvereinbarung. Was bitte ist an diesem Satz nicht oder falsch zu verstehen? Was spricht dagegen, Katja Gromes und Bianca Mischnik das weiter tun zu lassen, was sie zwei Jahre so erfolgreich getan haben: mit Hingabe zu unterrichten und die ihnen anvertrauten Kinder sprachlich für den Regelunterricht fit zu machen? Es ist ein Trauerspiel. Aber vielleicht ändert sich ja etwas, wenn für alle 1000 Stellen im Land so leidenschaftlich gekämpft wird wie in Osnabrück. dk
Autor:
sdo/dk


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