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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Integrieren ja, „aber nicht assimilieren″
Zwischenüberschrift:
Türkische Eltern gründen den Atatürk Kultur- und Jugendverein Osnabrück
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Ihren in Deutschland geborenen Kindern die türkische Kultur nahezubringen, dieses Ziel vereint 18 Elternpaare aus Osnabrück und dem südlichen Landkreis. Gemeinsam haben sie deshalb den Atatürk Kultur- und Jugendverein Osnabrück gegründet.

Ein weißer Halbmond auf rotem Grund. Am Innenrand der Sichel zeichnet sich das Profil eines Gesichts ab. Am äußeren Rand ragen die roten Silhouetten junger Menschen in das Weiß. Darunter die vier Buchstaben AGEV, als Abkürzung für Atatürk Kültür ve Gençlik Evi″. So sieht das Logo des neu gegründeten Atatürk Kultur- und Jugendvereins Osnabrück aus.

Die Eintragung ins Vereinsregister ist zwar erst vier Wochen her, trotzdem ist die Liste der geplanten Aktivitäten schon lang: Die Kinder der Vereinsmitglieder sollen türkische Folkloretänze lernen, das türkische Zupfinstrument Saz spielen oder auf Türkisch Theaterstücke aufführen. Eine Gruppe wird im nächsten Frühjahr in Osnabrücks Partnerstadt Çanakkale reisen. Und nebenbei werden die Jugendlichen die Sprache ihrer Mütter und Väter immer besser sprechen und verstehen.

Diesen Wunsch hat Gründungsmitglied Refik Karagöz auch für seine eigenen Kinder. Der jüngste Sohn Oktay könne zwar eine einfache Konversation auf Türkisch führen: Wie geht es dir?″ „ Mir geht es gut.″ Was machst du?″ „ Ich gehe zur Schule.″ Das funktioniert. Aber es hört schon auf, wenn er erklären soll, was das für eine Schule ist, die er besucht″, sagt der Vater. Im Alltag falle es ihm und seiner Frau schwer, Wissen und Wortschatz zu vermitteln. Dabei ist es Karagöz wichtig, dass seine Kinder erfahren, wo ihre Wurzeln sind: Wenn wir unsere Kultur nicht leben, dann sind wir nicht integriert, sondern assimiliert.″ Diesen Zustand, in dem sie ihre herkunftsbedingte Identität völlig aufgeben würden, kann er sich nicht vor vorstellen. Deshalb jetzt der Verein.

Es ist nicht so, als wäre die Familie Karagöz bisher nicht gesellschaftlich aktiv gewesen. Vater Refik ist im Vorstand von Wir in Atter″. Die Kinder gehen jeden Freitag zum offenen Jugendtreff. Mutter Yelda gibt türkische Kochkurse und organisiert einen internationalen Teeklatsch. Und dann ist da noch der Atatürk Kultur- und Bildungsverein mit Sitz in Hasbergen-Gaste, bei dem alle Mitglieder sind. Aber ein türkisches Kulturprogramm speziell für Jugendliche fand die Familie wie offenbar viele andere nirgendwo. Auch nicht in der Moschee oder in politischen Klubs.

Für Refik Karagöz sind Politik und Religion ohnehin Privatsachen. Er sieht sich als einen Repräsentanten der modernen Türkei, wie er sie aus seiner eigenen Kindheit in den 70er-Jahren in Erinnerung hat. Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau, politische und religiöse Vielfalt sowie die Unabhängigkeit des Staates sind mir wichtig″, sagt Karagöz. Dasselbe gelte für alle Gründungsmitglieder des Kultur- und Jugendvereins. Deshalb haben sie ihn auch nach Mustafa Kemal Atatürk, dem Begründer der Republik Türkei, benannt.

Dass seine Ideale heute unter der konservativen Politik des Staatspräsidenten Erdogan weniger Anklang finden, hat auch der 16-jährige Oktay Karagöz schon erfahren. Viele in meinem Alter vertreten die Politik der Türkei, sind nicht so tolerant″, sagt er. Ein Beispiel ist die Diskussion um das Kopftuch, die auch in seinem Freundeskreis geführt wird. Keine der Frauen aus der Karagöz-Familie bedeckt ihr Haar. Aber ich habe eine Bekannte, die sich bewusst dafür entschieden hat und auch erklären kann warum″, sagt der Jüngste, das akzeptiere ich″. Er sei nicht gegen das Kopftuch, er sei nur dagegen, dass jemand gezwungen wird, es zu tragen.

Vater Refik Karagöz nickt. Er möchte, dass noch mehr Kinder mit türkischen Wurzeln einen so reflektierten Umgang mit der eigenen Herkunft pflegen. Der Kultur- und Jugendverein soll dazu einen Beitrag leisten. Aber damit der seine Arbeit richtig aufnehmen kann, braucht er vor allem eins: Platz. Der Vorstand um Meral Tastekin sucht nach geeigneten Räumen im Osnabrücker Süden. Etwa 80 Quadratmeter, verteilt auf zwei bis drei Räume mit unterschiedlicher Größe″ müssten es sein, sagt Refik Karagöz. Sobald sie gefunden sind, können die ersten Tanz-, Musik- und Kochkurse beginnen.

Vorstellen will sich der Atatürk Kultur- und Jugendverein am Sonntag, 26. November, um 11 Uhr im Stadtteiltreff Atter an der Karl-Barth-Straße 10.

Bildtext:
Gehören zu den Gründungsmitgliedern des Atatürk Kultur- und Jugendvereins: (von links) Refik Karagöz mit Ehefrau Yelda, Tochter Liyane und Sohn Oktay.

Foto:
David Ebener
Autor:
lori


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