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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Wie Justus Möser in Rollen schlüpft
Zwischenüberschrift:
Martin Siemsen hat ein Lesebuch zusammengestellt und präsentiert es am Mittwoch
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Osnabrück im 18. Jahrhundert: Ein Autor schlüpft in Rollen und schreibt über die verschiedensten Facetten der Stadt, in der er lebt mal als Bäuerin, mal als Durchreisender, mal als Handwerker. Doch gibt sich Justus Möser (1720–1794) auch als derjenige zu erkennen, der er ist: als Jurist und Staatsmann und Herausgeber der Wöchentlichen Osnabrückischen Intelligenzblätter″. Eine Auswahl aus den Texten erschien als Patriotische Phantasien″. Und eine Auswahl der Auswahl liegt jetzt in einem Lesebuch vor. Der Osnabrücker Möser-Experte Martin Siemsen hat die Texte ausgewählt und dazu ein Nachwort verfasst, das sich jedoch ebenso als Vorwort zu lesen empfiehlt. Denn wer unvorbereitet in die Textauswahl einsteigt, könnte ohne Erläuterung irritiert sein: Wer ist der Autor, der da über Möser schreibt? Möser selbst.

Ihn lernen die Leser anhand vieler kurzer Texte als aufmerksamen Beobachter des alltäglichen Lebens kennen. Als Nortruper″ beschreibt er die hiesigen Häuser des Landmanns″ und wie die Frau des Hauses vom Herd aus die Übersicht über das Hofleben behält. Als verschmitzter Bäcker hält er einen Vortrag über Details seines Handwerks. In der Rolle einer Landwirtin berichtet er, wie eine Magd ihre Arbeitgeber dazu bringt, morgens eher aufzustehen.

Auf Szenen aus ländlichen Lebenswelten folgen Betrachtungen über Literatur etwa über Goethes Götz von Berlichingen″. Auch teilt Möser seinen Lesern einige Gedanken über Immanuel Kant mit. Und von der Aufklärung unserer Zeiten″ wünscht sich der Osnabrücker, dass die Regenten tolerant werden″.

Der Blick von außen auf Osnabrück gelingt Möser ebenfalls, indem er in Rollen schlüpft. Auf die Europäer blickt er aus der Perspektive eines Indianers, den er in einem Brief″ schreiben lässt: Wenn sie ein Land reich machen wollen: So machen sie erst die Unterthanen arm. Um streitige Partheyen bald auseinander zu setzen; haben sie besoldete Leute, die alle Processe ewig machen.″

So lässt Möser einen kritischen Geist wehen, der auch heute noch verfängt. Gleichwohl ist er konservativ, misstraut etwa der Französischen Revolution, vertraut lieber Erfahrungen als Theorien. So ist es kaum ein Wunder, dass Karl Marx ihn später ablehnt. Umso mehr bewundert Johann Wolfgang Goethe den Osnabrücker für dessen innigste Kenntnis des bürgerlichen Wesens″ und gründlichste Einsicht in die besondersten Umstände″.

Mösers Ausdrucksweise lädt gelegentlich zum längeren Verweilen auch innerhalb eines einzigen Absatzes ein. Siemsen greift glücklicherweise nicht in Mösers Rechtschreibung ein und ermöglicht es damit den Lesern, frühere orthografische Varianten auf sich wirken zu lassen. So schreibt Möser Oßnabrück″, die heutige Ware ist bei ihm die Wahre″.

Martin Siemsen wird das Möser-Lesebuch am Mittwoch, 29. November, um 16.30 Uhr im Vortragssaal des Kulturhistorischen Museums vorstellen; ebenso wie dann der Bremer Professor Holger Böning sein jüngstes Buch präsentieren wird: Justus Möser Anwalt praktischer Vernunft. Der Aufklärer, Publizist und Intelligenzblattherausgeber″ unter anderem mit Texten von Thomas Abbt, Johann Wolfgang Goethe, Johann Gottfried Herder, Georg Christoph Lichtenberg und Jean Paul.


Bildtext:
Martin Siemsen beschäftigt sich seit drei Jahrzehnten mit Möser.

Justus Möser beschreibt das Osnabrück des 18. Jahrhunderts.

Fotos:
Thomas Osterfeld, Aisthesis-Verlag
Autor:
Jann Weber


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